09.03.2020 - 18:48 Uhr

Gelassenheit und Rücksichtnahme sind in Zeiten von Corona erste Bürgerpflicht

Nächstenliebe ist im Zeitalter der Individualisierung ein großes Wort. Dennoch ist der Appell von Pater Anselm Grün genau richtig. Ein Kommentar von Alexander Pausch.

Kommentar von Alexander Pausch
Benediktinermönch Anselm Grün appelliert wegen des Coronavirus an Nächstenliebe. Bild: Peter Kneffel
Benediktinermönch Anselm Grün appelliert wegen des Coronavirus an Nächstenliebe.

Ein wichtiger Rat zum Umgang mit der Ausbreitung des Coronavirus kommt in diesen Tagen von Benediktiner-Pater Anselm Grün. Es gehe "nicht um Panikmache, sondern um ein achtsames Umgehen, damit wir uns schützen, um andere zu schützen", schreibt der 75-jährige Erfolgsautor aus dem Kloster Münsterschwarzach auf Facebook und fügt hinzu, alle sollten sich "Mühe geben, damit andere von Mühen befreit werden". Grün klingt sehr theologisch und spirituell und trifft doch den Kern dessen, was derzeit notwendig ist.

Ein Blick nach Italien zeigt, worum es geht: "Wir sind mit einer noch nie dagewesenen Notlage konfrontiert", sagt etwa Carlo Signorelli, Professor für Hygiene und Gesundheit an der Mailänder Universitätsklinik San Raffaele. Dort seien die Notaufnahmen überlastet. Diese müssten sich nicht nur um Coronakranke kümmern, sondern auch um übliche Notfallpatienten, etwa mit Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin verweist auf die chinesische Stadt Wuhan, wo das Coronavirus zuerst aufgetreten war. Dort sei die Sterberate deutlich größer gewesen als in der Provinz drumherum, weil in Wuhan das Gesundheitssystem laut seiner Einschätzung zusammengebrochen sei.

Die Lehre daraus: Die Infektionswelle muss verlangsamt und zeitlich gestreckt werden, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Denn niemand will, dass Ärzte, weil die Kapazitäten fehlen, entscheiden müssen, wem sie noch helfen und wem nicht. Deshalb sind Fußballspiele ohne Publikum sinnvoll, deshalb ist es richtig, Großveranstaltungen abzusagen und Schulen zeitweise zu schließen.

Auch im Zeitalter der Individualisierung sind Solidarität, Gelassenheit und Rücksichtnahme gefordert. Dann wird es gelingen, besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, wie etwa Ältere, zu schützen. Über kurz oder lang wird es ohnehin eine Impfung geben, dann wird alles wieder entspannter werden.

 
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