26.05.2020 - 16:39 Uhr
MünchenOberpfalz

Was wird wann gelockert?

Endlich wieder Theater, Kino und Konzert: Das kulturelle Leben in Bayern kann ab Mitte Juni wieder in Gang kommen. Ein Überblick über die Lockerungen.

Ab Mitte Juni werden in Bayern weitere Corona-Maßnahmen gelockert.
von Jürgen UmlauftProfil

Nach einer Kabinettssitzung in München hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seinen klaren Kurs gegen die Pläne zur weitgehenden Aufhebung der Corona-Einschränkungen in Thüringen bekräftigt. "Sollte es in Thüringen so kommen, müssen wir uns eine Reaktion überlegen", sagte Söder. Einreisebeschränkungen für Thüringer nach Bayern schloss er aus, man werde aber die Gesundheitsämter in den grenznahen Landkreisen personell "massiv" aufstocken und mit zusätzlichen Testkapazitäten ausrüsten. "Wir lassen vom fernen München aus Coburg nicht allein", betonte Söder. Zudem werde man den benachbarten Landkreisen in Thüringen "mit Rat und Tat zur Seite stehen", sollte sich die dortige Landesregierung aus der Verantwortung für die Corona-Bekämpfung zurückziehen.

Insgesamt zeigte sich Söder "etwas unglücklich" über die politische Gesamtentwicklung in den vergangenen Wochen. Einige Bundesländer würden immer stärker vom gemeinsamen Kurs in der Pandemie-Bekämpfung abweichen. Dadurch drohe in der Bevölkerung die Akzeptanz der vereinbarten Schutzmaßnahmen verloren zu gehen. Vor diesem Hintergrund plädierte Söder für mehr bundesweit einheitliche Regelungen. "Ich bin überzeugter Föderalist, aber mehr bundesrechtliche Vorgaben im Infektionsschutzgesetz wären wünschenswert", sagte er. Es gebe weltweit kein anderes erfolgreiches Schutzkonzept gegen Corona als Abstands- und Hygieneregeln sowie Kontaktbeschränkungen. "Diese aufzugeben, würde uns wehrlos gegen Corona machen", erklärte Söder vor dem Hintergrund fehlender Medikamente und Impfstoffe.

Ungeachtet dessen setzt die Staatsregierung ihren Kurs der schrittweisen Lockerungen fort. Neu ist eine Öffnungsperspektive für Kultureinrichtungen ab dem 15. Juni. Unter strengen Hygieneregeln und Besucherbeschränkungen sollen dann Kinos, Theater, Konzerthäuser und andere Kulturbetriebe wieder starten können. Außerdem gibt es weitere Erleichterungen beim Sport. Bereits ab dem 8. Juni dürfen Freibäder und die Außenbereiche von Schwimmbädern in Hotel- und Kurbetrieben öffnen. Das gleiche gilt für Fitness-Studios, Tanzschulen, Kletterhallen und Reha-Einrichtungen. Der Wettkampfbetrieb für kontaktlos ausführbare Sportarten wie Tennis wird im Freien ebenso erlaubt wie der Trainingsbetrieb im Freien für Gruppen von bis zu 20 Personen. Auch hier gelten aber einschränkende Auflagen.

Der Ministerrat beschloss ergänzend eine deutliche Ausweitung von Reihentests auf das Corona-Virus. Dies gelte vor allem für Beschäftigte, Patienten und Bewohner von Krankenhäuser sowie Alten-, Pflege- und Behindertenheime, erklärte Söder. Mehr Tests auf freiwilliger Basis soll es für Lehrer und Erzieher geben, um Sorgen wegen weiterer Schul- und Kita-Öffnungen zu zerstreuen. Bis spätestens zum 1. Juli sollen nach Angaben Söders alle Schüler wieder im derzeit gängigen Schichtbetrieb wieder an den Schulen gewesen sein, auch alle Kita-Kinder sollen bis dahin wieder zumindest teilweise in ihre Einrichtungen können. Für die Zeit nach den Sommerferien drückte Söder seine Hoffnung auf eine Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen aus. Dies hänge von der weiteren Entwicklung der Infektionszahlen ab. Denkbar sei auch ein Regelbetrieb mit regionalen Einschränkungen, wo dies geboten scheine.

Info:

Was wird wann gelockert?

In Bayern sollen Corona-Tests deutlich beschleunigt werden. Wer Symptome einer Infektion zeige, soll künftig binnen 24 Stunden getestet werden, kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach einer Kabinettssitzung in München an. Nach weiteren 24 Stunden soll bereits das Testergebnis vorliegen. "Das heißt: Nach 48 Stunden weiß jeder, ob er positiv ist oder nicht", sagte Söder. Personen ohne Symptome, die sich aber dennoch testen lassen wollen, sollen dies künftig binnen 48 Stunden tun können.

Um besser auf eine mögliche zweite Welle an Corona-Infektionen vorbereitet zu sein, will die Staatsregierung einen "strategischen Grundstock" an medizinischen Geräten und persönlicher Schutzausrüstung aufbauen. Diese "Notreserve" soll für mindestens sechs Monate reichen und 250 Millionen Schutzmasken, 500 Millionen Paar Handschuhe und 60 Millionen Schutzkittel umfassen, zählte Söder auf. Außerdem soll der öffentliche Gesundheitsdienst durch 1000 bis Jahresende 2021 befristete zusätzliche Stellen gestärkt werden. Für die regionalen Gesundheitsämter in Bayern bedeutet dies einen Aufwuchs um durchschnittlich 13 Stellen.

Angesichts weiter sinkender Infektionszahlen in Bayern beschloss der Ministerrat weitere Lockerungen der Corona-Regeln. So sind ab

  • 30. Mai wieder Präsenzveranstaltungen an Volkshochschulen und außerschulischen Bildungsstätten erlaubt. Es gelten dort im Grundsatz die gleichen Hygiene- und Abstandsregeln wie an den Schulen. Für die Einrichtungen der Erwachsenenbildung und dort tätige Solo-Selbständige spannte der Ministerrat einen 30 Millionen Euro umfassenden Rettungsschirm auf.
  • 2. Juni auch Biergärten und Außenbereiche der Gastronomie bis 22 Uhr geöffnet.
  • 8. Juni unter Einhaltung strenger Hygienebestimmungen Freibäder und die Außenbereiche von Schwimmbädern in Hotels und Kurbetrieben wieder offen. Außerdem fallen zahlreiche Beschränkungen beim Sport. So können zum Beispiel Fußballmannschaften ihren Trainingsbetrieb mit maximal 20 Personen aufnehmen. In Tanzschulen ist kontaktloser Tanz und Paartanz mit einem festen Partner wieder erlaubt. Für Saunas, Wellnessbereiche und Hallenbäder ist dagegen noch kein Öffnungstermin absehbar. Hier fehle es noch an überzeugenden Schutzkonzepten, erklärte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Man warte hier auch Erfahrungen aus anderen Ländern ab.
  • 15. Juni Besuche von Theater-, Konzert- und Kleinkunstvorführungen wieder möglich. Kunstminister Bernd Sibler (CSU) stellte die Kulturliebhaber aber auf weitreichende Einschränkungen ein. So gilt bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen eine Höchstgrenze von 50 und im Freien von 100 Besuchern. Bei positiver Entwicklung stellte Sibler eine Ausweitung auf 350 Personen im Innern und 500 im Freien in Aussicht. Theater- und Konzertbesucher müssen analog zu den Regelungen für Gottesdienste während der Vorführungen einen Mund-Nase-Schutz tragen. Auch die Kinos werden am 15. Juni öffnen. Dort ist eine Regelung bezüglich der Besucherzahlen noch in Arbeit. Für Kinobesucher sollen laut Sibler statt Masken Gesichtsvisiere Pflicht werden, damit der Verzehr von Snacks und Getränken möglich ist.

Wie Sibler weiter mitteilte, wird die Soforthilfe für Künstler auf weitere Berechtigte ausgeweitet. Eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse ist nun keine generelle Voraussetzung mehr. Zudem zahlt der Freistaat bis maximal 60 Prozent des ursprünglichen Einkommens gestaffelte Ausfallhonorare an Künstler und Personal der staatlichen und staatlich geförderten Bühnen. Um die Existenz der Spielstätten zu sichern, erhalten auch Kleinkunstbühnen staatliche Überbrückungshilfen. Mit zehn Millionen Euro unterstützt der Freistaat Laienmusikgruppen. Pro Verein entspricht das laut Sibler einem Zuschuss von rund 1000 Euro.

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