06.06.2019 - 12:34 Uhr
Oberpfalz

Genießen will gelernt sein

Genuss braucht Zeit. Tatsächlich sind Stress und Hektik Genusskiller Nummer eins. Halten Sie immer wieder bewusst einen Moment inne, um im Augenblick zu schwelgen, rät die OWZ-Glücksexpertin.

Genuss kann nicht einfach so nebenher erlebt werden, das Genießen braucht unsere vollständige Aufmerksamkeit.
von Autor EWAProfil

"Wer nicht genießt, der wird ungenießbar", sagte einmal Konstantin Wecker. Und schon der gute alte Goethe wusste: "Kein Genuss ist vorübergehend. Denn den Eindruck, den er zurücklässt, ist bleibend." Wann haben Sie eigentlich zum letzten Mal etwas richtig genossen? Vielleicht denken Sie jetzt an das gute Glas Wein, das Sie auf Ihrem Balkon getrunken haben, das Stück Lieblingskuchen, den jemand extra für Sie gebacken hat, oder an den langen Spaziergang, den Sie mit der oder dem Liebsten bei Sonnenuntergang gemacht haben. Tatsächlich sind es meistens die kleinen Dinge, die wir so richtig genießen. Das Stück köstliche Schokolade zum Beispiel, die entspannende Fußmassage, das duftende Schaumbad oder die schöne Aussicht von einem hohen Berg.

"Genießen tut gut, schafft Wohlbefinden und ist der Inbegriff vom lustvollen Leben", sagt Psychologe und Genussforscher Dr. Rainer Lutz. Von ihm stammen auch sieben Genussregeln, diese sollen einfache Anregungen für das richtige Genießen schaffen. Das Wichtigste vorab: Genuss braucht Zeit. Diese sollten wir uns regelmäßig nehmen. Tatsächlich sind Stress und Hektik die Genusskiller Nummer eins. Wichtig: auch mal einen Moment innehalten, um im Augenblick zu schwelgen. "Je aufmerksamer wir mit dem umgehen, was uns umgibt, je mehr wir uns angewöhnen, genau zu schmecken oder zu riechen, und all diese Reize variieren, desto differenzierter wird unser Urteil sein", so der Experte.

"Es ist ein Irrtum zu glauben, dass unsere Sinne einfach so funktionieren. Was wir haben, sind Möglichkeiten, und die verkümmern, wenn wir sie nicht regelmäßig nutzen." Und das wäre doch sehr schade, finden Sie nicht? Also lassen Sie uns doch das Genießen wieder lernen. Laut Genussregeln sollen wir uns angenehme Erfahrungen nicht verbieten oder diese als Luxus ansehen, uns selbst aussuchen, was uns gut tut und die nötigen Erfahrungen sammeln. Denn nur so lernen wir uns selbst kennen und es erschließen sich weitere "Genussbereiche".

Außerdem unverzichtbar: Genuss kann nicht einfach so nebenher erlebt werden, das Genießen braucht unsere vollständige Aufmerksamkeit. Schwelgen Sie also auch mal im Augenblick und kosten Sie jeden Genussmoment so richtig aus. Auch beim Genießen gilt übrigens: Weniger ist mehr. Auch wenn wir vielleicht zunächst gar nicht genug bekommen können von dem, was wir so sehr genießen, sollten wir eine Übersättigung vermeiden. Denn dann ist es schnell vorbei mit dem Genuss. Denken Sie an das Stück Lieblingskuchen: Könnten Sie es immer noch so genießen, wenn Sie es jeden Tag essen würden? Eben. Jede Leibspeise verliert ihren Reiz, wenn man sie täglich und reichlich zu sich nimmt. Gewisse Enthaltsamkeit hin und wieder ist wichtig, um so richtig genießen zu können. Sonst kann es schnell passieren, dass wir in die "hedonistische Tretmühle" tappen. Damit ist gemeint, dass wir uns an alles Schöne gewöhnen - und unsere Ansprüche steigen, da wir immer mehr brauchen, um ein gewisses Genuss-Level zu erreichen. Lassen Sie uns also nicht einfach gedankenlos konsumieren, sondern wieder das Genießen und Wertschätzen lernen. Ich wünsche Ihnen viele genussvolle Momente! (ewa)

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