22.08.2018 - 14:26 Uhr

Ein Gentleman als Profi-Gauner

Der Herr im Sakko ist weit herum gekommen in Deutschland, von Braunlage im Harz bis Prien am Chiemsee. Wenn er fort war, merkte man in meist kleineren Läden, dass Geld aus der Registrierkasse fehlte - auch im Landkreis Schwandorf.

Das Strafgesetzbuch. Bild: Oliver Berg/dpa
Das Strafgesetzbuch.

Als die Geschädigten ihre Aussagen auf Polizeirevieren machten, war immer die Rede von einer "gepflegten Erscheinung." Das konnte man dann auch auf Bildern sehen, die von Überwachungskameras stammten. Ein gut gekleideter Gentleman also, der ab 2014 zumeist in kleineren Städten auftauchte und dort auf kriminelle Weise das Geld für seinen Lebensunterhalt klaute.

Als Staatsanwalt Wolfgang Doblinger die Anklageschrift zum Sammelverfahren vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts verlas, brauchte er fast eine halbe Stunde: insgesamt 58 Fälle und nur 18 davon ohne finanziellen Erfolg für den 52-Jährigen, den Polizeibeamte aus der im vergangenen Dezember angetretenen U-Haft vorführten.

Technisch beschlagen

Die einzelnen Tatorte formten sich in der Gesamtschau zu einer Art Geografie-Führer quer durch die Republik. Man hörte von einem Laden im oberbayerischen Miesbach, dann auch von Geschäften in Treuchtlingen, Bad Sachsa, Braunlage und Giengen an der Brenz. Im Lauf der Zeit führte die über drei Jahre lang andauernde Diebestour auch nach Ostbayern. Und das gleich mehrfach.

In der Oberpfalz war der Ladenkassen-Fledderer offenbar sehr gerne unterwegs. In der Liste des Staatsanwalts tauchten Orte und Städte wie Neunburg vorm Wald, Steinberg, Schwarzenfeld und Burglengenfeld (Kreis Schwandorf) auf.

Der Dieb spielte, wenn man so wollte, äußerst virtuos auf der Klaviatur technischer Tricks. Er manipulierte an Ladentüren und setzte auch akustische Signalanlagen außer Kraft, die dem sich momentan nicht im unmittelbaren Verkaufsbereich aufhaltenden Personal hätten signalisieren sollen, dass soeben ein Kunde gekommen war. So konnte der 52-Jährige meist ungestört in Registrierkassen greifen. Auch deren mitunter komplizierte Öffnung beherrschte er perfekt.

Geständnis im Prozess

Wenn die dreisten Straftaten bemerkt wurden, war der aus Schwaben stammende Mann über alle Berge und hatte oft schon den nächsten Tatort im Visier. Knapp 25 000 Euro soll er erbeutet haben. Allerdings: Unterdessen gibt es bei der Amberger Staatsanwaltschaft etliche neue Anzeigen, die womöglich zu einem weiteren Prozess führen.

Eigentlich hätten alle bestohlenen Geschäftsleute als Zeugen nach Amberg anreisen müssen. Doch das war nicht nötig. Die Strafkammer ließ deren vor Polizisten gemachten Angaben verlesen und bekam nach jedem einzelnen Fall die Bestätigung des Angeklagten: "Jawohl, das war so." Für dieses umfassende Geständnis kann der Mann nun, wie ihm die Kammervorsitzende Roswitha Stöber zusicherte, mit einer Haftstrafe zwischen viereinhalb und fünf Jahren rechnen - die zwischenzeitlich neu ruchbar gewordenen Fälle allerdings noch nicht mit eingerechnet.

 
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