02.09.2019 - 18:50 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Albert Kick hilft Neulingen in der Politik

Für die Kommunalwahlen im kommenden März füllen sich die Listen. Neben alten Hasen treten junge Kandidaten an. Die haben oft noch keine Erfahrung mit einem politischen Mandat. Da kommt Albert Kick ins Spiel.

Immer unterwegs und nah bei den Menschen. So hat auch Albert Kick sein Bürgermeisteramt erlebt. Der Georgenberger hilft nun jungen Einsteigern beim Weg in die Kommunalpolitik.
von Redaktion ONETZProfil

Der Georgenberger Altbürgermeister hat in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung ein Seminar organisiert, um Neulinge auf die Aufgaben vorzubereiten. Im Interview spricht der 71-Jährige über Herausforderungen und Veränderungen in der Kommunalpolitik.

ONETZ: Wissen alle Bewerber, welche Aufgaben auf Sie zukommen?

Das kann ich mir schwer vorstellen. Die Spitzenvertreter, wie Bürgermeisterkandidaten und ähnliche, wissen bestimmt Bescheid, aber Neulinge wissen vermutlich nicht, was auf sie zukommt.

ONETZ: Welche Abläufe und Aufgaben erwarten einen Kandidaten bei der Vorbereitung auf eine Wahl?

Als erstes muss er sich bereit erklären zu kandidieren. Dann muss er sich informieren, welche Probleme anstehen. In Georgenberg ist das ganz klar der Bevölkerungsschwund. Wir haben 150 bis 200 Einwohner verloren. Das war in meiner Bürgermeisterzeit noch ganz anders. Aber in dieser Richtung muss auf jeden Fall was getan werden.

ONETZ: Welche Eigenschaften und persönliche Voraussetzungen sollte man als Kandidat mitbringen?

Auf jeden Fall muss man beachten, dass man Ansprechpartner für die ganze Bevölkerung ist. Man sollte nicht unbedingt auf die Parteizugehörigkeit achten, sondern sich als Mandatsträger für die ganze Bevölkerung sehen.

ONETZ: In Ihrer langjährigen Arbeit als Bürgermeister und Kommunalpolitiker konnten Sie viel Erfahrung sammeln. Welche Strategien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit konnten Sie entwickeln?

Wichtig ist, dass man Ideen hat und diese auch vertritt. Oft muss man auch auf Kompromisse eingehen, was ja essenziell in der Politik ist. Dadurch, dass in der Kommunalpolitik die Nähe zum Bürger gegeben ist, ist das noch viel wichtiger.

ONETZ: Worin besteht der Unterschied der Kommunalpolitik zwischen kleineren Gemeinden wie Georgenberg und Städten wie Weiden?

Weiden ist ja eine kreisfreie Stadt und muss größere Aufgaben erledigen. Sie hat einen Oberbürgermeister, der fast mit einem Landrat gleichgestellt ist. In Georgenberg widmen wir uns anderen Aufgaben. Wir haben seit 1732 eine Grundschule, die zwar mittlerweile zur Volksschule Pleystein gehört, um die wir uns aber weiterhin kümmern. Wichtig ist des weiteren der Feuerschutz sowie die Jugend- und Vereinsarbeit.

ONETZ: Welche Herausforderungen und Probleme kommen in einem strukturschwachen Gebiet wie der Oberpfalz auf die neuen Mandatsträger zu?

Man muss auf jeden Fall den Haushaltsplan beschließen und sich um die Finanzierung kümmern. Die ist im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren schon viel einfacher geworden. Der Freistaat Bayern gewährt uns reichlich finanzielle Mitteln. Die Probleme haben sich verlagert, schwierig ist heutzutage der Bevölkerungsschwund, gerade wenn die Gemeinde eine größere Entfernung zur nächsten größeren Stadt hat. Da haben zum Beispiel Theisseil oder Irchenrieth aufgrund ihrer Nähe zu Weiden weniger Probleme. Wir haben zum Beispiel keine Arztpraxis, aber dafür eine gute Verkehrsanbindung. Probleme gibt es aber im Bereich des ÖPNV, da das Angebot nur selten angenommen wird, fahren nur recht spärlich Busse. Bei uns ist auch der Feuerschutz ein großes Problem. Weil Georgenberg so zerstreut ist und aus 34 Ortschaften, Weilern und Einöden besteht, hat es viele verschiedene Feuerwehren, die alle zusammenarbeiten müssen, was schwierig zu koordinieren ist.

ONETZ: Immer mehr junge Menschen ziehen weg und lassen eine überalterte Bevölkerung zurück. Welche Anreize können Gemeinden bieten um Abwanderung in größere Städte und den demographischen Wandel zu kontrastieren?

Wichtig ist die Ausweisung neuer Baugebiete, aber die Entfernung zur Stadt bleibt. Viele wollen keine lange Fahrt auf sich nehmen, auch wenn wir gute Verkehrsanbindungen haben, in diesem Bereich hat sich seit den 60er Jahren viel getan.

ONETZ: Bürgerbeteiligung- und nähe ist ein Grundpfeiler der demokratischen Partizipation. Dies ist vor allem in der Kommunalpolitik sehr wichtig. Wie schafft man es die Bürger abzuholen und ihr politisches Interesse zu wecken um so Politikverdrossenheit sowie einem verstärktem Populismus zu verhindern?

Eine Politikverdrossenheit kann ich jetzt bei uns in der Gemeinde nicht feststellen. Aber wir haben ein Problem mit der AfD. In einer unserer Ortschaften war die AfD bei der letzten Landtagswahl die stärkste Kraft, obwohl wir in Georgenberg auf keinen Fall ein Flüchtlingsproblem haben. Das hat mich schon sehr schockiert, wenn man bedenkt, dass die AfD teilweise aus rechtsradikalen Gruppierungen besteht. Aber auf der anderen Seite muss man auch die Bürgerbeteiligung loben. Georgenberg war schon immer eine aktive Gemeinde. Das hat man schon bei der Gemeindegebietsreform gesehen. Schon 1971, ein Jahr vor der bayerischen Gebietsreform wurde durch eine Volksabstimmung mit hoher Beteiligung von den Bürgern die Eingemeindung der umliegenden Dörfer gefordert. 85 Prozent der Bürger stimmten für den Zusammenschluss.

ONETZ: Sie engagieren sich seit Ihrer Jugend auf politischer, sozialer und kirchlicher Ebene. Ob als Vorsitzender des Dekanrats, ehrenamtlicher Richter, im Vereinsleben als Vorsitzender der Feuerwehr oder Mitgründer des Oberpfälzer Waldvereins, sowie Seminarleiter für die Hanns-Seidel-Stiftung. Woher nehmen Sie die Motivation für ihr gesellschaftliches und politisches Engagement?

Bei mir war schon in der Jugend das politische Interesse gegeben. Als 18-Jähriger habe ich schon den CSU- Ortsverband gegründet, damals war ich noch nicht mal wahlberechtigt, das war man erst ab 21. Mein Großvater war auch schon Bürgermeister in Waldheim, nach der Rückkehr aus seiner fünfjährigen Gefangenschaft im früheren Sudetenland, wohnte er bei uns und hat mich mit der Politik und den Lobkowitz-Brüdern vertraut gemacht, mit denen ich jetzt noch in Kontakt stehe. Ich bin dann schon 1965, mit 17 Jahren, der CSU beigetreten. Damals stand auch schon die Gemeindegebietsreform im Raum. Mittlerweile habe ich mich schon relativ aus der Politik zurückgezogen, ich bin noch Delegierter beim CSU-Parteitag und als Seminarleiter für die Hanns-Seidel-Stiftung tätig, aber ansonsten widme ich mich zur Zeit mehr der Heimatgeschichte- und pflege.

Info:

Seminar für Einsteiger

Im Vorfeld der Kommunalwahl 2020 hat Altbürgermeister Albert Kick, der seit vielen Jahren als Seminarleiter für die Hanns-Seidel-Stiftung tätig ist, für den 20. und 21. September ein Zwei-Tages-Seminar zum Thema "Das kommunale Mandat – was kommt auf mich zu?" organisiert. Es findet im Naturhotel "Goldene Zeit" in Hinterbrünst statt. Referent ist Rudolf Zehentner, ein Experte in der Kommunalpolitik. Themen sind: Was ist Kommunalpolitik (Aufgaben, kommunale Selbstverwaltung), Gemeindeorgane und ihre Arbeit (Bürgermeister, Gemeinderat) sowie Anforderungen an kommunale Mandatsträger. "Für das Seminar fällt keine Teilnahmegebühr an", betont Kick und ergänzt: "Jeder Interessent ist willkommen." Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Letzte Anmeldungen unter Telefon 09658/315 und 0160/97868480, Telefax 09658/91116.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.