08.04.2020 - 11:23 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Ostern das ganze Jahr über

Brigitte Kuhns Leidenschaft sind Rassehühner. Lukrativ ist das Hobby keinesfalls, aber es entspannt und bringt viel Freude. Und das Beste: Das Geflügel legt kunterbunte Eier.

Brigitte Kuhn: "Zuhause ist, wo meine Hühner sind."
von Christa VoglProfil

Gerdi und Franzi sind die ersten, die herbeigeeilt kommen, als sie merken, dass Brigitte Kuhn die Holztür zum Freilauf öffnet. Gibt es etwas zu Fressen? Oder wird man ein bisschen gekrault? Nein, gefüttert wurde schon in aller Früh, jetzt will Brigitte Kuhn nur die Hühnereier einsammeln. Gerdi und Franzi sind jedoch keine Hühner. Gerdi und Franzi sind Ziegen.

"Die Ziegen habe ich vor allem, weil sie auf dem Hühnerhof den Habicht fernhalten", erzählt Brigitte Kuhn, die seit acht Jahren mit ihrer Familie in Hammermühle bei Georgenberg wohnt. In der Anfangszeit habe der Habicht und der Fuchs des Öfteren ein Huhn "geholt". Aber seit auf der Wiese auch Ziegen herumtollen, trauen sich zumindest tagsüber die Beutegreifer nicht mehr in die Nähe der Hühner.

Brahma und Sussex

Und Hühner hat die Hobbylandwirtin viele: Nicht irgendwelche Hybridhühner, sondern echte Rassehühner. Sie tragen Namen wie Rotlegende Marans, Amrock, Vorwerk, Brahma, Sussex, Italiener, Sulmtaler, Seidenhuhn, Antwerpener Bartzwerg, Araucana, Weißes Leghorn. So vielfältig wie ihre Namen, so vielgestaltig ist auch das Aussehen der Vögel. Und auch das Aussehen ihrer Eier. Denn die verschiedenen Hühnerrassen legen nicht einfach weiße oder braune Eier. Ihr Farbenspektrum ist wesentlich breitgefächerter: Grün, Rotbraun, Gelbbraun, Cremefarben, Gelb, Hellbraun, Oliv, Weinrot und Mintfarben.

Doch warum gibt es Hühnereier in verschiedenen Farben? Die Ernährung der Hühner hat auf die Schattierung keinen Einfluss. Araucana-Hühner legen zum Beispiel nicht deshalb grünliche Eier, weil sie Gras und Kräuter fressen. Die Farben der Eier sind vielmehr genetisch bedingt. Eine Sache der Vererbung. Viele Menschen würden auch im Supermarkt gerne solche "bunten" Eier kaufen. Doch dort sind in den Regalen ausschließlich weiße oder braune Eier zu finden. Die Erklärung hierfür liegt in der "Produktivität des Huhns", also der Anzahl der Eier, die eine Henne pro Jahr legt. Denn: Hühner, die farbige Eier legen, gehören meist den sehr alten Rassen an. Diese Rassegeflügel legen aber zu wenige Eier und sind somit für die Massenproduktion untauglich.

Weniger Eier

Die Erfahrung, dass Rassehühner weniger Eier legen, musste Brigitte Kuhn in der Vergangenheit auch machen: "Im Vergleich zu den Lohmann-Hybridhühnern, die darauf gezüchtet sind viele Eier zu produzieren, legen meine Hühner natürlich schlecht. Eigentlich müsste ich pro Ei einen Euro verlangen." Und das nicht, weil die Eier so schön bunt seien, sondern aus ganz anderen Gründen: Ein Rassehuhn braucht meist sechs bis neun Monate, bis es anfängt Eier zu legen. Dann legt es aber nicht täglich eines, sondern nur an jedem zweiten Tag.

Mehrwöchige Legepause

Hin und wieder macht es auch eine mehrwöchige Legepause. Oder beginnt zu brüten. Denn im Gegensatz zu den Hybridhühnern verfügen Rassehühner noch über einen natürlichen Bruttrieb, vermehren sich also und ziehen ihre Küken selbstständig auf. "Das mit meinen Hühnern ist eine echte Liebhaberei, eine Spinnerei", sagt Kuhn lachend, während in ihrer Stimme unverkennbar ein liebevoller Ton mitschwingt. Aber für sie ist es nicht wichtig, dass die Hühner "sich rentieren". Weil sie, wie sie von sich selber sagt, ein "Tiermensch" ist. Jemand also, der Tiere und ganz allgemein die Landwirtschaft liebt. Jemand, der sich auch gut ein Leben als Bäuerin vorstellen hätte können. Jemand, der aber einen Mann heiratete, einen Nicht-Landwirt, der ihr zu Liebe aufs Land gezogen sei, um "die Spinnerei" zu ermöglichen. Spinnerei heißt hier: Gänse, Enten, Puten, Ziegen, Hasen, Bienen. Und eben auch so um die 25 Rassehühner.

Nicht für den Kochtopf

Diese Rassehühner haben bei ihr einen Stein im Brett. Das äußert sich vor allem darin, dass die Hühner nicht im Kochtopf landen, wenn sie älter werden und nur noch hin und wieder ein Ei legen. So ungefähr sechs bis acht Jahre kann ein Huhn durchaus werden, erzählt die Hobby-Landwirtin. Und bei ihr auf dem Hof dürfen sie auch so alt werden.

Sie weiß zwar, wie man ein Huhn schlachtet und ausnimmt und hat das auch schon selbst gemacht. Und sie ist auch keine Vegetarierin. Aber die eigenen Hühner essen? Die Antwort darauf ist eindeutig: "Meine Legehühner sind meine Leidenschaft. Die dürfen bei mir alt werden und die schlachte ich nicht. Das ist der Dank für die bunten Eier, die sie legen."

Apropos bunt. Eines ist klar: Zu Brigitte Kuhn braucht der Osterhase diesen Sonntag nicht kommen, den Weg zu ihr kann er sich getrost sparen. Denn auf Familie Kuhns Hof sorgen die Hühner selbst dafür, dass es bunte Eier gibt. Und zwar nicht nur an Ostern.

Die Hühner von Brigitte Kuhn sind ein Blickfang. In der vordersten Reihe (von rechts nach links) sind folgende Rassen zu sehen: Marans, Italiener, Grünlegende Araucana, Italiener, Vorwerk. In der zweiten Reihe ein Sulmtaler Gockel.
Die Farbpalette der Eier von Brigitte Kuhns Rassehühnern ist beeindruckend und macht Eierfarben überflüssig.
Fündig geworden!

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