15.11.2020 - 16:37 Uhr
GleiritschOberpfalz

Lampenricht geht bei Wasserversorgung eigene Wege

Die Weichen für die zukünftige Wasserversorgung Lampenricht sind gestellt. Ohne öffentliche Fördermittel investieren die Wassergenossen in die Zukunft und schrecken vor einer Investition von 250.000 Euro nicht zurück.

Der Gleiritscher Ortsteil Lampenricht pocht auf eine eigenständige Wasserversorgung – und nimmt dafür auch eine menge Geld in die Hand.
von Externer BeitragProfil
Für den neuen Hochbehälter, den kompletten Ausbau des Ortsnetzes und den Anschluss von Zieglhäuser nimmt der Ortsteil keinerlei Förderung in Anspruch.

Im Zuge einer zentralen Wasserversorgung für die Gemeinde Gleiritsch entschied sich der Gemeinderat 1987 für einen Anschluss an die Wasserversorgung aus Pfreimd. Der Ortsteil Lampenricht erreichte damals über eine Petition an den Bayerischen Landtag den Erhalt einer eigenen Wasserversorgung mit der Auflage, den Weiler Zieglhäuser an die Lampenrichter Versorgung, zu der auch die Boxmühle gehört, anzuschließen und durch genügend Wasser den Brandschutz zu garantieren. In Eigenregie bauten die Lampenrichter die etwa einen Kilometer lange Versorgungsleitung nach Zieglhäuser, um die gestellten Auflagen zu erfüllen.

Als weitblickende Entscheidung der Lampenrichter erwies sich der Einbau von Wasseruhren. Zur damaligen Zeit wurde von vielen Kleinlandwirten Milch geliefert und diese oftmals mittels einen die ganze Nacht laufenden Gartenschlauchs gekühlt. Um die 150 Kubikmeter Wasserverbrauch pro Monat waren für diese damals verbreitete Kühlmethode keine Seltenheit, und das Wasser wurde knapp. Damit war es nach dem Einbau der Wasseruhren vorbei. Sie öffneten manchem die Augen und mit 0,50 Mark Verbrauchsgebühr (etwa 0,25 Euro) legten die Wassergenossen den Grundstock für weitere Investitionen in die zukünftige Wasserversorgung. Im Zuge des gemeindlichen Kanalbaus in Lampenricht im Jahre 1995 verlegte die Genossenschaft ein neues Rohrsystem im Ort. Für diese Baumaßnahme gab es keine Fördermittel.

Am dem 1965 gebauten Hochbehälter in der Trift nagte in der Zwischenzeit der Zahn der Zeit. Wasserwirtschaftsamt und Gesundheitsamt drängten seit mehreren Jahren auf eine Renovierung oder einen Komplettneubau der Aufbereitungsanlage. Da sich die Renovierung der Altanlage als unwirtschaftlich herausstellte, entschieden sich die Wassergenossen für einen Neubau. Dazu wurde ein neuer, höher gelegener Standort gewählt, um den natürlichen Wasserdruck für einige Anwesen zu steigern. Nach längerer Beratungs- und Planungsphase kristallisierte sich ein Hochbehälter in Kunststoffbauweise mit zweimal 55 Kubikmeter Fassungsvermögen mit integrierter Aufbereitungsanlage heraus. Bereits im Juli konnten die angelieferten Kunststoffteile für den Behälter in der Trift bei Lampenricht durch einen Autokran eingesetzt werden.

Eine Fachfirma verlegte den Stromanschluss zum neuen Hochbehälter. Um die geforderten Auflagen beim Brandschutz zu gewährleisten, musste die Anlage vom Fassungsvermögen her geringfügig größer dimensioniert werden. Die Mehrkosten übernahm die Gemeinde Gleiritsch, da sie für den Brandschutz verantwortlich ist. Wegen des höher gelegenen Standorts des Hochbehälters steigt der Wasserdruck um ca. zwei bar, was für die Anwesen im oberen Dorf und in Zieglhäuser von Vorteil ist.

Um Nägel mit Köpfen zu machen, planen die Lampenrichter Wassergenossen zeitgleich eine Generalsanierung ihrer alten gefassten Quelle. Um für diesen Zeitraum mit Wasser versorgt zu werden, kooperieren die Lampenrichter mit den Pilchauer Wassergenossen (Markt Tännesberg). Durch eine separate Leitung wird Lampenricht in der Sanierungssphase mit Wasser versorgt. Während bei einer Verbindungsleitung nach Gleiritsch in Zukunft alle Investitionskosten aus Pfreimd umgelegt worden wären, ist dies bei den Pilchauer Nachbarn nicht der Fall.

Das Bemerkenswerte am Hochbehälterneubau, der rund 250.000 Euro kostet, wie auch am kompletten Neuausbau des Ortsnetzes in Eigenregie samt Anschluss von Zieglhäuser, ist die Tatsache, dass keine Fördermittel von Seiten des Staates flossen, da es sich um ein privates Projekt handelt. Der Wasserpreis in Lampenricht liegt derzeit bei 1,20 Euro pro Kubikmeter.

Weitere Gemeinden vor schwieriger Entscheidung

Moosbach
Hintergrund:

Konsequent gegen den Anschluss

  • 1965: Bau eines eigenen Hochbehälters
  • 1987: Der Ortsteil Lampenricht erreicht über eine Petition an den Bayerischen Landtag den Erhalt einer eigenen Wasserversorgung unter einer Reihe von Bedingungen
  • 1995 Ein neues Rohrsystem wird im Zuge des Kanalbaus im Ort verlegt. Für diese Baumaßnahme gab es keine Fördermittel.
  • 2020: Hochbehälterneubau, Anschluss Zieglhäuser, Neuausbau des Ortsnetzes
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