22.06.2020 - 11:28 Uhr
GleiritschOberpfalz

Risiko "Zeltlager": Ein Jahr der Absagen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Sternenhimmel, Nudeln aus dem großen Topf und viele gute Freunde: Für Jugendliche ist ein Zeltlager unschlagbar, doch heuer müssen sich die Veranstalter geschlagen geben.

Dicht an dicht standen die Zelte im vergangen Jahr am Gleiritscher Kroauweiher. Heuer sind so ziemlich alle Zeltlager für Jugendgruppen abgesagt. Vereine trifft das schwer, denn das Gemeinschaftserlebnis ist ein elementarer Teil der Nachwuchsarbeit.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Gemeinsam Schulter an Schulter am Lagerfeuer sitzen und nebenbei die Jugendarbeit im Verein stärken: Dieses Modell hat im Corona-Jahr 2020 keine Chance. Fast alle größeren Zeltlager sind abgesagt, wenige wägen derzeit noch die Risiken ab. Auch die Anbieter von idyllischen Camping-Plätzen und Gemeinschaftsunterkünften scheuen das Risiko. In Gleiritsch, wo seit Jahrzehnten Ministranten-Gruppen zusammenwachsen oder eine Partnergemeinde freundschaftliche Beziehungen intensiviert, ist der Badeweiher bislang ganz in der Hand von Fröschen, Bienen und Libellen.

Das rot-weiße Absperrband spricht Bände. Wegen der Corona-Pandemie sieht es schlecht aus für das Gemeinschaftserlebnis mitten in der Natur. "Wir haben unseren Gästen bereits im März abgesagt", bedauert Bettina Berger, die in der Verwaltungsgemeinschaft Oberviechtach für den Campingplatz der Gemeinde Gleiritsch zuständig ist. Gerade weil der Platz in der Regel bei Gruppen sehr begehrt und gut besucht ist, wird er wohl komplett gesperrt bleiben. "Im schlimmsten Fall wären es einfach zu viele Leute", sagt Berger, die um die Tendenz zu "Großveranstaltungen" auf dem kleinen Areal mit beschränkten sanitären Anlagen weiß. Allein rund 100 Ministranten aus Pfreimd hatten jährlich zu Ferienbeginn hier für mehrere Tage ihre Zelte aufgeschlagen.

"Das trifft die Ministranten hart, das Zeltlager ist das Highlight des Jahres", berichtet die Pfreimder Gemeindereferentin Antonia Preßl. 80 Prozent der Minis würden sich dieses Ereignis normalerweise nicht entgehen lassen, die Vorfreude sei enorm. "Aber als wir die Vorgaben des Bistums bekommen haben, war klar, dass das heuer nicht klappt", bedauert sie. Bei der Landkreis-Feuerwehr sieht es ähnlich aus. "Wahrscheinlich wird das Kreisjugendzeltlager heuer nicht stattfinden", kündigt Pressesprecher Hans Jürgen Schlosser an.

Verwaist ist heuer auch der Lagerplatz in Gaisthal, dort fehlt die Sudetendeutsche Jugend. Für drei Wochen sollten sich hier bayerische und tschechische Jugendliche begegnen. "Ich kenne kein einziges Zeltlager, das heuer stattfinden soll", berichtet Geschäftsführer Markus Bauer. Keine Ausnahme machen da die Trachtenvereine: Der Oberpfälzer Gauverband streicht das anvisierte Lagerleben in Regensburg mit 350 Teilnehmern. "Trotz der nun angekündigten Lockerungen hätten wir die Hygiene-Regeln kaum einzuhalten können", sagt Gaujugendleiter Andreas Götz. Beim Gauverband Oberpfalz ist am Montag die Entscheidung gefallen: abgesagt. entschieden, der im Freibad Grafenwöhr sein Ferienlager aufbauen wollte. Jugendleiterin Veronika Söllner führt als Grund den vermehrten Platzbedarf in den Großzelten ins Feld, die Problematik beim gemeinsamen Essen, beim Schwimmen und natürlich auch bei Tanz- und Musikproben. "Sollte ein Kind erkältungsbedingte Krankheitssymptome zeigen – was bei neun Tagen Zeltlager durchaus auch möglich ist – müsste ein extremer medizinischer Apparat hochgefahren werden, den das Zeltlager in keinster Weise rechtfertigt", gibt Söllner zu bedenken. Hier und dort werde es nun wohl regional begrenzte "Ersatz-Events" geben, meint die Gaujugendleiterin, die froh ist, dass viele junge Mitglieder in den vergangenen Wochen in Eigenregie dafür gesorgt haben, dass der Kontakt nicht ganz abgerissen ist. So gab es Mal- und Bastelwettbewerbe, gemeinsames Singen zur gleichen Uhrzeit oder private Musikaufnahmen um die einsame Zeit zu überbrücken.

Das ist ein Drama, da fallen ganze Teams auseinander.

Marianne Schieder über das Abstandsgebot in der Jugendarbeit

Marianne Schieder über das Abstandsgebot in der Jugendarbeit

Viel Detailarbeit und Herzblut hatte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Diözesanverband Regensburg, in die Vorbereitung des Kinderzeltlagers in Voithenberg (Landkreis Cham) gesteckt. "Unvorstellbar" und "nicht zu verantworten" heißt es nun angesichts der Infektionsgefahr. "Es war einmal... mehr als ein märchenhaftes Chaos" lautete das Motto. "Pro Woche 120 Kinder und 25 Betreuer auf engstem Raum, das hätte nicht funktioniert", ist Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder überzeugt, die hier seit Jahren mit von der Partie ist. "Es ist nur schwer einzuschätzen, was bis dahin alles erlaubt ist", meint sie mit Blick auf die fürs Zeltlager vorgemerkten drei Augustwochen. Wenn es klappt, wird sich höchstens ein Dutzend Betreuer für eine Woche auf dem Lagerplatz mit der großen Hütte aufhalten. Die Gruppe will sich fälligen Sanierungs- und Pflegemaßnahmen widmen, von der Installation eines Ballfangzauns bis hin zum Fällen einer vom Borkenkäfer befallenen Fichte. "Es geht ja auch darum, die Betreuer bei der Stange zu halten", so die ehrenamtliche Leiterin des Arbeitskreises "Zeltlager und Freizeit" im BDKJ. "Ich habe in letzter Zeit mit vielen Jugendtrainern gesprochen", stellt sie fest und bringt die Auswirkungen auf die Nachwuchsarbeit der Vereine auf den Punkt: "Das ist ein Drama, da fallen ganze Teams auseinander." Das wahre Ausmaß fehlender Angebote werde den meisten wohl erst im Sommer so richtig bewusst, wenn auch die Gemeinden ihr Ferienprogramm absagen.

Der BDKJ im Landkreis Schwandorf

Schwandorf

Gaujugendleiterin Veronika Söllner schaut lieber auf die Zeit nach Corona, auf ein vielleicht wieder mögliches gemeinsames Erntewochenende oder eine gemeinsame winterliche Familienfreizeit, vor allem aber darauf, "langsam Schritt für Schritt wieder in die vereinsspezifische Normalität zu gelangen".

So wird es möglicherweise den ganzen Sommer über in diesem Jahr auf dem für Zeltlager sehr begehrten Campingplatz in Gleiritsch aussehen.
Nichts als Absagen: Auch die "märchenhaften" Tage des BDKJ in Voithenberg fallen aus. 2021 sollen sie nachgeholt werden.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.