"Beim Projekt ,Rockin'1000' spielt die größte Rockband der Welt die besten Klassiker live im Stadion", verspricht der Veranstalter des im Jahr 2015 ins Leben gerufenen Events. Veranstaltungsorte sind heuer Paris und Frankfurt am Main. "Das ist nah genug", dachte sich Ramona Häßler (35), die seit 17 Jahren in Gleiritsch wohnt. Mit "Neugier und Herausforderung" beschreibt sie ihre Motivation, sich als Musikerin zu bewerben. "Eigentlich ist es eine Schnapsidee", schränkt sie beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien ein. Seit Anfang Mai spielt sie sich "die Finger wund" und quält sich durch schnelle Bassläufe. Doch eine Woche vor dem Gig ist sie "einfach nur happy".
Und natürlich auch ein wenig hippelig. Denn das, was sie vom 4. bis 7. Juli in der Großstadt erleben wird, ist weit entfernt vom Alltag der Krankenschwester aus dem beschaulichen Oberpfälzer Dorf. "Das erste Treffen in Frankfurt ist am Donnerstag, 4. Juli. Am Freitag und Samstag wird aufgebaut und für das Konzert am Sonntag geprobt", berichtet sie voller Vorfreude. Rockmusik kennt und liebt die geborene Vilseckerin seit ihrer Kindheit. Familiär geprägt hörte sie oft Stücke der "Toten Hosen" und wurde schließlich Fan der Band "Böhse Onkelz". 2015 hat sie das Video "Learn to Fly" im Netz entdeckt. "Tausend Fans der Foo Fighters haben das Lied auf einem Feld in Cesena eingespielt, um die angesagte US-amerikanische Band nach Italien zu locken", erklärt Ramona. Das Konzert habe schließlich stattgefunden und seitdem werde "Rockin'1000" jährlich wiederholt. Statt einem Lied sind es jetzt 18 Klassiker aus der Rockgeschichte, welche die Musiker vieler Nationalitäten in zwei Tagen zusammen proben und dann vor großem Publikum live aufführen. In der Frankfurter Commerzbank-Arena werden den rund 1400 Musikern am 7. Juli voraussichtlich mehr als 20 000 Fans zujubeln.
Etwas Verrücktes wagen
Ramona ist stolz darauf, bald Teil der "größten Band der Welt" zu sein. Ebenso wie die Väter des Projektes, will sie "etwas Verrücktes wagen". Den Bass zupft sie erst seit viereinhalb Jahren in Eigenstudium. "Vorher hatte ich nur Flöte in der Schule gelernt", meint sie lachend. Auf den Auftritt in Frankfurt wurde sie im Januar aufmerksam. Gleich davon elektrisiert, sei ihr zweiter Gedanke aber gewesen: "Vielleicht bin ich noch nicht so weit." Trotzdem schickte sie schließlich Anfang Mai das Bewerbungsvideo ab. "Gut genug", kam die Antwort postwendend zurück, so dass einer Anmeldung für das Event nichts mehr im Wege stand. Drei Tage später wurde die Teilnahme bestätigt, zusammen mit den Zugangsdaten für die Musiker-Plattform und den Titeln und Noten für die 18 Stücke, die gemeinsam gespielt werden.
Ramona schwebt seither auf Wolke sieben, denn schließlich habe es auch eine Warteliste gegeben. Aus der Oberpfalz ist nur noch eine Keyboarderin aus Regensburg dabei. Ansonsten sei "fast die ganze Welt" vertreten. Die Rockmusiker reisen überwiegend aus den USA, aus Kanada, Mexiko, Italien, Frankreich, England, Belgien, Spanien, Österreich, Kroatien, Bosnien, Griechenland, Schweden, Bulgarien und Russland an. Vor der Probenphase wird der Fußballrasen als Bühne vorbereitet. In der Mitte nehmen die 200 Drummer Aufstellung, um welche sich die 180 E-Bassisten und die 350 Gitarristen gruppieren. Im äußeren Rund folgen die 270 Sänger, 80 Keyboarder, 140 Bläser und die 140 Streicher.
Gänsehaut pur
Das Konzert verspricht Gänsehaut pur bei Musikern und Zuhörern. Ramona hat schon eine feste Vorstellung: "Hunderte Schlagzeugstöcke wirbeln im Takt, fette Bässe wummern durch die Arena und die fast 300 Sänger grölen ins Mikrofon." Waren es 2017 im italienischen Cesena noch 1200 Musiker und 13 000 Fans, fanden sich im Jahr darauf 1500 Musiker und 15 000 Zuschauer in Florenz ein. Am 7. Juli werden in der Commerzbank-Arena mindestens 20 000 Zuschauer erwartet. Was Ramona besonders freut: Unter den 18 Rockklassikern ist auch ihr absolutes Lieblingsstück "Hard to Handle" sowie ein Medley von Jimmy Hendrix. "Griffe-Tipps" und mentale Unterstützung bekam sie in den letzten Wochen von den "Road Runners", einer Band in der Nachbarschaft. Zusammen mit den Jungs habe sie in deren Gleiritscher Probenraum alle Stücke der Playlist live durchspielen können. Vorher übte sie alle Bassläufe zu Hause auf der Couch - mit Musik aus dem Kopfhörer. Bei einem anspruchsvollen Stück der britischen Rockband "The Who" müsse sie aber noch immer bei der Rhythmik "verdammt aufpassen".
Familie reist nach
Wochen vor dem Auftritt hat Ramona Häßler ihr Equipment zusammen. Neben der Gitarre muss sie auch den Bass-Amp und die Kabel selbst mitbringen. "Jeder Verstärker muss im gleichen Winkel abgeben und darf maximal nur 100 Watt leisten. Aber der Druck wird trotzdem phänomenal", freut sie sich auf das Abenteuer, ein Teil der Mammut-Band zu sein. "Es gibt noch Karten", macht sie Werbung für das Rock-Event. Einige Kollegen in der außerklinischen Wohngemeinschaft (Intensiv-Pflegedienst) hat sie schon überzeugt. Ebenso wie die Familie und Freunde wollen sie sich das Konzert nicht entgegen lassen. Zwecks den Probentagen wird die Oberpfälzerin aber schon vorher alleine in die Main-Metropole reisen. Die Koffer hat sie dafür noch nicht gepackt. Denn ein nicht unwichtiger Punkt der Vorbereitung bereitet noch Kopfzerbrechen: "Was ziehe ich an?". Jede Leserin - egal mit welchem Musikgeschmack - wird es verstehen.
Die größte Rockband der Welt
Den Ursprung hat „Rockin’1000“ in der norditalienischen Stadt Cesena. Dort fanden sich 2015 tausend Rocker aus ganz Italien zusammen, um den Foo-Fighters-Hit „Learn to Fly“ gemeinsam zu spielen. Das Ziel der als einmalig geplanten Aktion war es, die bekannte Band nach Cesena zu einem Konzert zu locken.
Das Video verbreitete sich in kürzester Zeit im Netz und sammelte Millionen Streams auf der ganzen Welt. Am 3. November 2015 war es dann soweit: Die Foo Fighters kamen für ein exklusives Konzert nach Cesena und feierten mit den italienischen Fans einen legendären Abend.
Das war die Geburtsstunde für das Team von Rockin’1000, jährlich ein Live-Konzert mit über 100 Musikern als „größte Band der Welt“ zu wiederholen. 15 000 Zuschauer freuten sich 2018 in Florenz über die größten Hits der Rockgeschichte. Weil viele Fans und involvierte Musiker aus dem europäischen Ausland kamen, wird das Stadion-Konzert 2019 in Paris und Frankfurt am Main stattfinden.















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