29.04.2020 - 11:46 Uhr
Oberpfalz

Das Glück der Nostalgie

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Nostalgie ist eine Art Schutzmantel für die Stimmung. Sie kann unsere Laune aufhellen, wenn es uns in der Gegenwart einmal nicht so gut geht. Begeben Sie sich in Gedanken auf Zeitreise, rät die OWZ-Glücksexpertin.

Wer gelegentlich in alten Fotos stöbert, tut Gutes für seine Seele.
von Autor EWAProfil

"Hach, weißt du noch, damals ..." "Das war eine schöne Zeit." "Und das, obwohl wir fast kein Geld hatten." "Aber eine Menge Spaß!" "Ich könnte immer noch lachen, wenn ich an unseren Italienurlaub auf dem Campingplatz denke." "Wir sollten mal wieder eine halbwarme Dose Ravioli zusammen essen." Kennen Sie das? Nur zu gerne schwelgen wir zusammen in Erinnerungen an früher, lassen alte Zeiten in unserem Kopf wieder lebendig werden und denken fast ein bisschen wehmütig daran, wie schön es damals doch war. Wir werden nostalgisch. Nostalgie ist laut Definition die Sehnsucht nach einem Gestern, das unwiederbringlich vergangen ist und nicht wieder kommen wird.

Aber immerhin erinnern wir uns noch daran, das kann uns trösten und sogar glücklich machen. "Nostalgische Erinnerungen haben außerdem etwas tief Verbindendes", sagt Daniel Rettich. Er ist einer, der sich auskennt, denn schließlich hat er das Buch "Die guten alten Zeiten: Warum Nostalgie uns glücklich macht" geschrieben. "Wenn man Freunde aus der Jugend trifft, hat man sich immer etwas zu erzählen - selbst wenn man sie Jahre nicht gesehen hat. Die gemeinsamen Erinnerungen aus den guten alten Zeiten sind eine Basis, auf die man immer wieder zurückgreifen kann."

Oft genügt schon ein bestimmtes Lied im Radio oder der Geruch von Omas Kohlsuppe, um im Kopf auf Zeitreise zu gehen. Gerade in diesen Zeiten, in denen das Verreisen an einen anderen Ort nicht möglich ist, ist das ein ganz besonderes Vergnügen, das wir uns ruhig öfter gönnen sollten. Holen Sie also ruhig mal wieder die alten Schallplatten und Fotos vom Dachboden, lesen Sie das Lieblingsbuch Ihrer Kindheit oder stellen Sie das Zelt vom langvergangenen Campingurlaub im Garten auf. Denn darin lässt es sich bestimmt hervorragend in alten Erinnerungen schwelgen.

Das lohnt sich. Denn bei verschiedenen Tests fanden Nostalgieforscher an der Southampton University in England heraus: Nostalgie ist eine Art Schutzmantel für unsere Stimmung. Sie kann sehr schnell unsere Laune wieder aufhellen, wenn es uns einmal in der Gegenwart nicht so gut geht.

Deswegen forschen Psychologen gerade auch an der Frage, ob man diese schönen Erinnerungen an früher auch als Therapie für Depressive nutzen kann. Die ersten Ergebnisse belegen: Bei mittleren und leichten Depressionen kann ein gesundes Maß an Nostalgie durchaus die Grundstimmung heben. In einer Welt, in der sich immer schneller alles verändert, ist Nostalgie tatsächlich für viele von uns schon zu so etwas wie einem Grundbedürfnis geworden, das wir nur zu gerne befriedigen. Wir gehen auf 80er-Partys, organisieren Klassentreffen, fahren Retro-Fahrräder und entdecken die Mode aus vergangenen Zeiten neu.

Dass früher auch nicht alles besser war, das vergessen wir im Rückblick nur allzu gerne auch mal. Aber nicht so schlimm. "Es ist sinnvoll, und das ist auch erwiesen, dass man im Rückspiegel des Lebens die rosarote Brille aufsetzt", erklärt Buchautor Daniel Rettich. "Weil es uns besser damit geht." Tun Sie sich also keinen Zwang an, schwärmen Sie ruhig mal wieder so richtig davon, wie schön es früher war. Und genießen Sie Ihre Zeitreise in vollen Zügen, viel Spaß dabei.

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