23.07.2020 - 10:45 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Die Angst vor dem Wasser nehmen

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Schwimmen sollte jeder können. Am besten lernt man es bereits als Kind. Die Schwimmlehrerin Martina Kastl schwört dabei auf die Schwimm-Nudel und hat gute Tipps für die ersten Züge im nassen Element.

Am Besten beginnt man mit der Disziplin Brustschwimmen. Eltern und Kinder sollten viel Zeit darauf verwenden.
von Doris MayerProfil

"Sophie, halte dich mal am Beckenrand fest und bewege deine Beine wie ein Frosch, so wie ich es dir gezeigt habe. - Super gemacht, und jetzt mit dem Schwimmbrett", motivierte ein Vater seine etwa sechs Jahre alte Tochter im Nichtschwimmerbereichs des Grafenwöhrer Freibads. Sophie kann schon tauchen und ihre engagierten Eltern ermutigen die kleine Wasserratte, weiter das Schwimmen über Wasser zu üben.

Eine Szene, die in diesem Jahr in den Bäder sicher öfter zu beobachten ist, denn in Corona-Zeiten finden keine Schwimmkurse für Kinder statt. Hier sind die Eltern - neben dem Home-Schooling - ein weiteres Mal selbst gefordert.

Die Schwimmkursleiterin Martina Kastl aus Pressath hat Tipps für Eltern, deren Kinder in diesem Sommer Schwimmen lernen wollen.

ONETZ: Welche Übungen sind die ersten Schritte zum Erlernen des Schwimmens?

Martina Kastl: Sehr wichtig ist die Wassergewöhnung. Dafür ist es gut, wenn die Kinder das Element Wasser im Beisein der Eltern erleben. Die Kinder sollten da gut stehen können. Im Wasser vorwärts oder rückwärts laufen, das Gesicht ins Wasser legen oder auch kurz mit dem Kopf untertauchen, oder mit dem Mund knapp unter die Wasseroberfläche und Blubberblasen machen, sind Übungen, die man mit den Kinder gut zur Wassergewöhnung machen kann. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass die Kinder keine Angst vor dem Wasser haben, Respekt und Vorsicht aber schon.

ONETZ: Ab welchem Alter ist es sinnvoll, den Kindern das Schwimmen zu lernen?

Martina Kastl: Erfahrungsgemäß sind Kinder mit plus/minus sechs Jahren vonseiten der Koordination und Kraft soweit, um in der Gruppe Schwimmen zu lernen. Und sie sollten selbst Lust darauf haben.

ONETZ: Zum Kauf welcher Schwimmhilfe zum Erlernen des Schwimmens würden sie Eltern raten?

Martina Kastl: Ich finde die Schwimm-Nudel super. Sie ist vielfältig einsetzbar und günstig in der Anschaffung. Wichtig ist aber, dass immer ein Erwachsener mit dem Kind im Wasser ist, so lange es nicht selbstständig stabil schwimmt. Mit der Nudel können Eltern ihre Kinder durchs Wasser ziehen, die Kinder können da Gleiten im Wasser spüren. Später können sie sich von Beckenrand abstoßen und ohne Nudel ein Stück gleiten. Mit der Nudel kann man, je nachdem, wo man sie unter den Körper legt, Armzug oder Beinschlag getrennt, zusammen oder sogar Schwimmen in Rückenlage üben.

ONETZ: Mit welcher Disziplin fangen die Kinder an, das Schwimmen zu erlernen?

Martina Kastl: Am Besten mit Brustschwimmen. Viel Zeit sollten die Eltern und Kinder darauf verwenden, es ist grundlegend wichtig. Die Kinder können sich beispielsweise am Beckenrand festhalten, und die Eltern führen ihnen die Beine. Oder sie halten sich am Schwimmbrett fest oder liegen mit dem Oberkörper auf einer Schwimm-Nudel, während sie immer und immer wieder den Beinschlag üben. Das Ganze aber spielerisch, dass sie nicht die Lust verlieren. Dazu kann man nach und nach den richtigen Armzug lernen und später beides zusammen. Wenn man sich zur richtigen Technik unsicher ist, kann man gern die Bademeister fragen.

ONETZ: Wie oft sollten Eltern mit ihren Kindern zum Schwimmen gehen, dass es auch klappt?

Martina Kastl: Natürlich so oft wie möglich. Während der Schwimmkurse, die einmal wöchentlich stattfinden, rate ich Eltern, dass sie zusätzlich mindestens noch einmal pro Woche mit ihren Kindern ins Schwimmbad gehen, um das Gelernte zu üben. So können sie oft den Schwimmkurs mit dem „Seepferdchen“ abschließen. Für das Frühschwimmabzeichen „Seepferdchen“ müssen die Kinder nach einem Sprung vom Beckenrand 25 Meter ohne Unterbrechung schwimmen, einen Ring aus schultertiefem Wasser hochtauchen und fünf Baderegeln aufzählen können.

ONETZ: Welchen Rat geben Sie Eltern von Kindern, die noch nicht schwimmen können mit auf dem Weg?

Martina Kastl: Lassen Sie Ihre Kinder im Wasser nicht aus den Augen. Kinder ertrinken lautlos. Schwimmhilfen ersetzen nicht die Aufsichtspflicht.

Sehr wichtig ist die Wassergewöhnung. Dafür sei es gut, wenn die Kinder das Element Wasser im Beisein der Eltern erleben, rät Martina Kastl.
Hintergrund:

Freischwimmer

Was gibt es bei hochsommerlicher Hitze Schöneres, als in einen See oder in das Becken eines Freibads zu springen und durch das kühle Nass zu schwimmen? Noch dazu ist kaum eine andere Sportart so kräftigend für die Muskulatur, gesund für das Herz-Kreislaufsystem und zugleich schonend für die Gelenke.

Eine repräsentative Forsa-Umfrage von 2017 hat gezeigt, dass 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer sind. Als sicherer Schwimmer gilt ein Kind diesen Alters oder Erwachsener, wenn es die Anforderungen des Schwimmabzeichens in Bronze (Freischwimmer) sicher erfüllen kann. Dies umfasst:

Einmal Tieftauchen auf zwei Meter mit Heraufholen eines Gegenstandes

Ein Paketsprung vom Startblock oder Ein-Meter-Brett

Sprung kopfwärts vom Beckenrand und 15 Minuten schwimmen. In dieser Zeit sind mindestens 200 Meter zurückzulegen, davon 150 Meter in Bauch- oder Rückenlage in einer erkennbaren Schwimm-Art und 50 Meter in der anderen Körperlage (Wechsel der Körperlage während des Schwimmens auf der Schwimmbahn ohne Festhalten)

Kenntnis der Baderegeln (myd)

Tipps & Co.:

Baderegeln

Ein Muskelkrampf, eine Ohnmacht oder ein epileptischer Anfall – an Land wäre das kein Problem, beziehungsweise gut behandelbar. Im Wasser kann das den Tod bedeuten. Ebenso, wenn man seine Schwimmfähigkeiten über- oder die Gefahren des Wassers unterschätzt. Schon nach vier bis fünf Minuten unter Wasser, das heißt ohne Atmung, kommt es zum Herz-Kreislaufstillstand.

Was können Sie tun, wenn jemand im Wasser in Not geraten ist?

Bewahren Sie Ruhe.

Wählen Sie sofort den Notruf 112.

Machen Sie auch andere Personen auf die Situation aufmerksam.

Starten Sie die Rettung von einem sicheren Standort an Land aus.

Versuchen Sie, dem Ertrinkenden schwimmfähige Gegenstände, wie einen Rettungsring oder Rettungsweste zuzuwerfen.

Wenn Sie es sich zutrauen zu retten (entsprechende Ausbildung vorausgesetzt), dann nehmen Sie auf jeden Fall einen schwimmfähigen Gegenstand mit ins Wasser (Schwimmring, Schwimmweste, Luftmatratze oder ähnliches). Da sich Ertrinkende in der Panik festklammern, könnten Sie selbst in Gefahr geraten. Daher ist es gut und für Sie unter Umständen lebensrettend, wenn Sie dem Ertrinkenden etwas zureichen können.

Schätzen Sie ihre Kondition richtig ein, Sie haben noch den Rückweg zum Ufer vor sich.

Während Sie die Person ans Ufer bringen, versuchen Sie möglichst, deren Kopf über Wasser zu halten.

An Land Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten.

Verhaltensregeln des Deutschen Roten Kreuzes:

Verlassen Sie das Wasser, sobald Sie frieren.

Springen Sie nicht überhitzt ins Wasser.

Lassen Sie Kinder am Wasser niemals unbeaufsichtigt.

Gehen Sie nicht mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser.

Schwimmen Sie nicht alkoholisiert oder unter Einfluss von Drogen.

Schwimmen Sie weite Strecken nicht allein.

Springen Sie nur ins Wasser, wenn es tief genug und gesichert ist, dass sich unter Wasser keine Hindernisse befinden.

Meiden Sie sumpfige, stark bewachsene oder stark befahrene Gewässer.

Verlassen Sie das Wasser bei Gewitter, Starkregen, starker Strömung und starkem Wellengang.

Überschätzen Sie sich nicht.

Beachten Sie immer die Baderegeln. (myd)

Hintergrund:

Bei Schwimmlernhilfen auf Prüfzeichen achten

Die Zahl der Nichtschwimmer ist in Deutschland unverändert zu hoch, beklagen Schwimm- und Rettungsorganisationen. Dabei lassen sich die Bewegungsabläufe vor allem im frühen Kindesalter spielerisch erlernen. Um die Kinder zu unterstützen, bietet der Handel eine breite Palette an Schwimmlernhilfen. Neben dem Klassiker, den orangefarbenen Schwimmflügeln, gibt es aufblasbare Reifen und Ringe, Schwimmwesten, Gürtel und vieles mehr. Doch nicht jede Schwimmlernhilfe erfüllt ihren Zweck.

„Beim Kauf von Schwimmlernhilfen für ihre Kleinen sollten Eltern unbedingt auf die Kennzeichnung EN 13138 achten“, sagt Berthold Tempel von TÜV Rheinland. Dahinter verbirgt sich die Sicherheitsnorm, nach der alle Schwimmlernhilfen geprüft werden müssen. Trägt ein Produkt die Kennung EN 71 oder EN ISO 25649, handelt es sich lediglich um ein Wasserspielzeug oder um einen schwimmenden Freizeitartikel. Gar nicht zulässig sind Wasserspielzeuge mit Beinöffnungen wie zum Beispiel Gummiboote oder -autos. Diese können für ungeübte Kleinkinder eine echte Gefahr darstellen.

„Außerdem besitzen geprüfte Schwimmlernhilfen mindestens zwei Luftkammern sowie versenkbare Aufblasventile mit Rückschlagkappen“, fügt Berthold Tempel hinzu. „Ist eine Kammer defekt, wird das Nichtschwimmerkind trotzdem an der Wasseroberfläche gehalten.“ Die Ventile verhindern, dass Luft auf einen Schlag entweichen kann, sollte einmal ein Ventil geöffnet sein. Auch, wenn die Schwimmlernhilfen allen gültigen Vorgaben entsprechen, sollte man Kleinkinder und Nichtschwimmer niemals unbeaufsichtigt planschen lassen. (ots)

Mehr zur steigenden Zahl von Nichtschwimmern:

Kümmersbruck

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