17.06.2021 - 14:59 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Chemie am US-Flugplatz: Bodenproben wegen Schadstoffen rund um US-Flugplatz gezogen

Viele Militärstandorte in Bayern sind mit gesundheitsschädlichen Chemikalien verseucht – wie beispielsweise der US-Flugplatz in Ansbach. So sieht es mit der Belastung des Trinkwassers am Militärstandort Grafenwöhr aus.

Entnahme von Bodenproben auf einem Acker nahe dem US-Militärflugplatz Katterbach. Wegen einer erhöhten Konzentration von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFAS) im Boden und im Grundwasser an der US-Kaserne werden die Proben zurzeit entnommen.
von Wiebke Elges Kontakt Profil

Im mittelfränkischen Ansbach haben Experten in dieser Woche Bodenproben rund um den US-Militärflugplatz genommen. Grund ist die erhöhte Konzentration von per- und polyfluorierten Chemikalien, kurz PFAS im Boden- und Grundwasser nahe der US-Kaserne in Katterbach. Die Ansbacher müssen allerdings noch ein wenig auf die Ergebnisse warten. Nach Angaben des Wasserwirtschaftsamts sollen diese erst bis zu den Sommerferien vorliegen.

Entwarnung für Grafenwöhr

Grund für die genaue Untersuchung: Zuletzt waren PFAS-Spuren auch im Grundwasser außerhalb der Kaserne gefunden worden. Nun soll genauer untersucht werden, wie stark die Belastung tatsächlich ist. Was in Ansbach noch unklar ist, ist in Grafenwöhr bereits länger untersucht worden: "Keine Belastung des Trinkwassers", sagt Frank Neubauer vom Wasserwerk in Grafenwöhr. Die Stadt habe bereits 2016 ein Chemieunternehmen beauftragt, die PFAS-Belastung in Boden- und Grundwasser genau zu untersuchen. Dafür nahm das Chemieunternehmen Bodenproben wie auch Trinkwasserproben. Mit dem Ergebnis, dass die Belastung keine Gefahr für das Trinkwasser darstellt. Die Werte seien minimal. Frank Neubauer fügt hinzu: "Bei uns ist alles gut, Sie können das Grundwasser trinken und genießen."

Das bestätigt auch der Bürgermeister der Stadt Grafenwöhr Edgar Knobloch. Er sagt, in Grafenwöhr gebe es keine erhöhten Werte. Es sei wichtig, darauf zu achten, dass die Chemikalie nicht ins Trinkwasser gerate.

Fließrichtung des Grundwassers entscheidend

Wie gut der Boden die Chemikalie PFAS abbauen kann, hänge mit der Fließrichtung des Grundwassers zusammen. Das Wasser muss am besten in ein Fließgewässer laufen, erklärt Knobloch. Dadurch könne die per- und polyfluorierte Chemikalie besser abgebaut werden. Knobloch erzählt, dass es in Grafenwöhr auch mehrere Messstellen des Wasserwirtschaftsamts gibt. "Die Werte werden alle behördlich überwacht und das ist auch gut so."

Nachweisen lässt sich der Stoff allerdings noch rund um das Flugfeld des US-Truppenübungsplatzes. Er stammt aus dem Löschschaum, den die Lagerfeuerwehr bei Einsätzen und Übungen dort verwendet hat. Inzwischen werden hierfür zwar unbedenkliche Stoffe verwendet, wegen der langen Haltbarkeit der PFAS dauert der Abbau noch längere Zeit an. Zuletzt hat der Landtag Ende 2019 Zahlen zu den Belastungen am Übungsplatz vorgelegt. Auch dort wird darauf hingewiesen, dass Trinkwasserreserven nicht betroffen sind. Dennoch werde weiter regelmäßig untersucht.

Im vergangenen Frühjahr hatten Experten an drei Messstellen außerhalb des Kasernengeländes in Ansbach eine erhöhte PFAS-Konzentration festgestellt. Mit den Bodenproben soll nun festgestellt werden, wohin das belastete Grundwasser fließt und welche weiteren Flächen betroffen sein könnten. Auf 20 Flächen nahmen die Experten dafür nach Angaben des Wasserwirtschaftsamts Proben aus verschiedenen Tiefen. Diese werden nun im Labor analysiert.

Auf dem Gelände der Kaserne sei inzwischen eine Filteranlage installiert. Diese verhindert, dass sich das kontaminierte Wasser noch weiter ausbreiten kann. Wann die Sanierung der belasteten Bereiche beginnen kann, war zunächst unklar.

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Grafenwöhr
Hintergrund:

Was ist PFAS?

  • Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS) umfassen mehr als 4.700 verschiedene Stoffe.
  • PFAS sind wasser-, fett- und schmutzabweisend. Sie werden u. a. in Kosmetika, Kochgeschirr, Papierbeschichtungen, Textilien oder Ski-Wachsen verarbeitet.
  • PFAS sind langlebig und verteilen sich schnell über das Wasser. Einige PFAS reichern sich über die Zeit auch beim Menschen an. Da es sich um neue Stoffe handelt, ist das Wissen über mögliche Folgen noch gering. Zuletzt häuften sich aber Hinweise auf gesundheitsschädliche Folgen der Chemikalien für den Menschen.
  • Menschen können PFAS über Lebensmittel aufnehmen.
  • Die höchste Belastung gab es Ende der 1980er Jahre. Seither gehen die Werte zurück. Doch der Abbau der PFAS dauert lange.

 

 

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