16.10.2020 - 09:35 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Corona: Müssen die Sternsinger heuer zu Hause bleiben?

Jedes Jahr ziehen die Sternsinger zum Dreikönigstag von Haus zu Haus und bringen den Segen. Doch wie geht das in Pandemie-Zeiten? Ein Kurs der Katholischen Jugendstelle Weiden soll den Organisatoren in den Pfarreien Unterstützung bieten.

So nah können sich die Sternsinger in diesem Jahr zwar nicht kommen, trotzdem wollen die Pfarreien aber auch 2020 die Segensbringer aussenden. Doch was ist möglich, und was nicht?
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Noch sind die Pläne von Christine Gößl nicht ausgereift. Ob – und wie – die Grafenwöhrer Sternsinger ihren Segen in diesem Jahr zu den Menschen bringen werden, weiß die Gemeindereferentin der Pfarrei noch nicht so genau. "Es hängt von der Situation ab, in die wir rein kommen", erklärt sie. In ein paar Wochen könne es mit den Coronavirus-Infektionszahlen noch schlimmer sein, dann könnte es schwierig werden. "Nach jetzigem Stand können wir es aber durchaus machen", sagt sie. Ein paar Ideen hat sie sich schon zurechtgelegt: Das Ankleiden beispielsweise finde nicht "im Pulk" statt, wie sie sagt, sondern einzeln. Den Kindern wird die Robe nur hingehalten und dabei geschaut, ob die Länge passt. "Anprobieren wäre ungut, wenn alle in die gleichen Gewänder schlüpfen", erklärt sie.

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Grafenwöhr

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Weiden in der Oberpfalz

Ziehen die Sternsinger fertig eingekleidet dann von Haus zu Haus, könnte es bei Wohnblöcken vielleicht ein Problem geben, meint Gößl vorausschauend. Die Kinder sollten nicht in Treppenhäusern stehen müssen – wegen der Aerosole. Eine Option wäre ein Lautsprecher. "Ich habe wo gelesen, dass die Kinder über einen Lautsprecher singen, und die Menschen raus kommen. Das finde ich auch nicht schlecht", sagt sie. Eine gänzlich zufriedenstellende Lösung hat sie für das Wohnblock-Problem aber noch nicht gefunden. "Wir schwimmen noch ein bisschen", gibt sie zu. Ihre Hoffnung liegt deshalb auf einem Online-Workshop, den die Katholische Jugendstelle Weiden anbietet, und an dem sie teilnehmen wird.

Dass die Kinder ihre Texte überhaupt singen, damit hat Gößl keine Schwierigkeiten, "solange sie keine Arien singen, die viele Strophen haben". Sie will den Mädchen und Buben auch die Freude an der Aktion nicht nehmen. "Unsere Kinder wollen das unbedingt machen. Es gibt Kinder, die sich gerne für andere einsetzen. Sie sind zwei Tage lang unterwegs, bei jedem Wetter und total stolz, was sie sammeln." Gößl findet es schön, dass sich Kinder noch für arme Menschen interessieren, denn die gesammelten Spenden erhält das Kindermissionswerk, das das Geld dann an Hilfsbedürftige verteilt – dieses Mal überwiegend in der Ukraine. "Gerade in Corona-Zeiten geht die wirtschaftliche Schere auseinander", betont sie die Notwendigkeit der Aktion. Deshalb ist es ihr umso wichtiger, dass die Kinder trotz Corona-Pandemie losziehen können – bis zu 60 sind das jedes Mal in der Stadt Grafenwöhr und den Ortsteilen, aufgeteilt in Gruppen. "Ich erwarte mir von dem Kurs den Austausch von neuen Ideen und vielleicht den ein oder anderen Hinweis, worauf man achten sollte", sagt sie. So, hofft die Gemeindereferentin, könne die Aktion, für die sich noch Mädchen und Buben unter der Telefonnummer 09641/2239 melden können, auch in diesem Jahr in Grafenwöhr gut gelingen.

Mit vielen guten Ideen kann die Katholische Jugendstelle Weiden auch aufwarten. Martina Troidl, die den Online-Kurs am 21. Oktober organisiert und zusammen mit Sabrina Assies aus Aachen referiert, gibt schon vorab ein paar Tipps. "In Bezug auf Corona geht es darum, den Teilnehmern Ideen mitzugeben, welche Hygieneregeln unbedingt eingehalten werden müssen, und wie man trotzdem würdig den Segen bringen kann", sagt sie. Beispielsweise wollen die Referentinnen Ideen an die Hand geben, wie man eine Spendenbox bastelt, mit der man Spenden auf Abstand in Empfang nehmen kann. Es soll auch extra eine Maske für Sternsinger geben, die über das Kindermissionswerk bestellt werden könne. Ein weiteres Thema wird das Sternsingen in Mehrfamilienhäusern sein, verrät Troidl. "Es gibt eine Reihe an Ideen, zum Beispiel machen manche Sternsingergruppen Spots in den Straßen. Vorher wird kommuniziert, wo sie wann sind und dann können die Leute dorthin kommen. Den Spruch für die Haustür dürfen sie dann selbst schreiben." Der Workshop soll laut der Referentin aber auch interaktiv gestaltet werden. "Teilnehmer, die selbst schon Ideen haben, dürfen diese gerne sagen." Troidl findet es schön, dass durch den Kurs die Pfarreien mehr zusammenkommen und merken: Sie sind in Corona-Zeiten keine Einzelkämpfer.

Tipps und Termine:

Online-Kurs "Sternsingen in Corona-Zeiten"

Der kostenlose Online-Kurs der Katholischen Jugendstelle Weiden und des Kindermissionswerks am 21. Oktober von 19 bis 20 Uhr richtet sich an die Organisatoren der Sternsingeraktion in den Pfarreien. Die Teilnehmer erhalten Infos und Anregungen unter anderem zu dem Thema, wie Sternsingen unter Corona-Bedingungen funktionieren kann. Die Referentinnen sind Martina Troidl und Sabrina Assies. Anmeldung per E-Mail an weiden[at]jugendstelle[dot]de.

Die Grafenwöhrer Gemeindereferentin Christine Gößl möchte ihre Sternsinger auch in diesem Jahr losschicken, damit die Kinder den Armen helfen können.
Martina Troidl von der Katholischen Jugendstelle Weiden gibt in einem Online-Kurs Tipps, wie die Sternsinger-Aktion heuer trotz der Corona-Pandemie gelingen kann.

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