05.10.2020 - 12:22 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Allerheiligen: Totengedenken zu Corona-Zeiten

Das Coronavirus bringt sogar die Traditionen der Katholischen Kirche ins Wanken: Auch Allerheiligen wird heuer anders sein, so viel steht fest. Doch wie Friedhofsgang und Co. ablaufen, wissen die Pfarrer im Vierstädtedreieck noch nicht.

Der Gräbergang an Allerheiligen wird in diesem Jahr anders ausfallen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Menschenmassen auf den Friedhöfen - wie soll das zu Corona-Zeiten funktionieren? Diese Frage stellt sich Pfarrer Edmund Prechtl aus Pressath schon seit Längerem, wenn er an Allerheiligen denkt. Noch vier Wochen sind es bis zu dem katholischen Feiertag am 1. November, und der Geistliche rätselt noch immer, wie sich das Dilemma – viele Menschen, wenig Platz – lösen lassen könnte. "Es ist schwierig. In der Kirche hat man begrenzte Zahlen, am Friedhof auch. Manche Pfarreien, habe ich gelesen, machen den Friedhofsgang öfter, aber wie steuere ich das?" Die Menschen seien es gewohnt, dass sie nachmittags zum Friedhof gehen. "Und dann werden sie auch da hin rumpeln", ist sich Prechtl sicher. Ein zufriedenstellendes Konzept hat er für sich noch nicht entdeckt, sicher sei aber: "Ausfallen lassen wir Allerheiligen nicht." Ein Totengedenken in der Kirche wird es heuer allerdings nicht geben, das stehe schon fest. Die Gedächtnisstelen, die die Pressather jedes Jahr in der Kirche aufstellen, werden aber trotzdem aufgebaut. "Wir haben für jeden Verstorbenen immer einen Birkenstamm in der Höhe des Alters. Die verteilen wir in Dreiergruppen im ganzen Kirchenraum."

In Grafenwöhr sind die Planungen zu Allerheiligen schon einen Schritt vorangeschritten. "Wir haben einen groben Plan. Momentan sieht es so aus, als würden wir alles nur am Friedhof abhalten", sagt Pfarrer Bernhard Müller. "Wahrscheinlich müssen wir die Leute bitten, dass sie auch im Freien eine Maske tragen." Müller wünscht sich außerdem, dass nur die engsten Verwandten zum Gräbergang kommen, denn es sei eng zwischen den einzelnen Gräbern, und die Abstandsregel müsse auch hier gewahrt werden. Der Pfarrer selbst will in diesem Jahr nicht durch die Reihen gehen und die Gräber mit Weihwasser beträufeln. "Da kommt man zu eng mit den Stehenden zusammen", erklärt er. Stattdessen wolle er Gebete über den Lautsprecher sprechen. Weitere Anregungen erhofft er sich von einer Konferenz am Mittwoch, 7. Oktober, bei der alle Pfarrer des Dekanats Neustadt/WN zusammenkommen und das Thema besprechen wollen.

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Auf dieses Treffen verweisen auch der Eschenbacher Pfarrer Thomas Jeschner und der Kirchenthumbacher Pfarrer Augustin Lobo. "Es wird sich eine Lösung ergeben", ist sich Jeschner sicher. Ob auch eine Absage der Friedhofsgänge in Eschenbach in Frage kommt, lässt er offen. "Man muss eh die Situation abwarten."

Sein Kirchenthumbacher Kollege ist sich ebenfalls noch unsicher, wie Allerheiligen in diesem Jahr begangen werden könnte. "Auf unseren Friedhof kommen über 1000 Leute. Da ist Abstand nicht möglich." Lobo überlegt deshalb wie Müller, um das Tragen einer Mund-Nase-Maske zu bitten. "Es kommen aber auch Leute, die nicht aus Kirchenthumbach sind. Wie können wir sie erreichen, dass sie eine Maske tragen sollen?", fragt er sich. Das Segnen der Gräber will Lobo vielleicht auf Allerseelen, den Tag nach Allerheiligen, verschieben. "Dann können wir durchgehen, wenn die Leute weg sind."

Während die Pfarrer im Vierstädtedreieck noch rätseln, hat sich Mockersdorf, das zu Neustadt am Kulm gehört, bereits entschieden: Dort wird es keine öffentlichen Gräbersegnungen am Allerheiligentag geben, heißt es im Pfarrbrief der Pfarreiengemeinschaft Kirchenlaibach-Mockersdorf. Stattdessen wird um 15 Uhr eine Gedenkandacht im Internet übertragen. Zur Begründung schreibt die Pfarreiengemeinschaft: "Die Gräber sind so eng beieinander, dass ein Abstand von 1,50 Meter nach links und rechts nicht gewährleistet werden kann." Bei den geplanten Gottesdiensten zu Allerheiligen werden allerdings Grablichter gesegnet, die die Gläubigen mitnehmen und auf das Grab stellen können. Ein Gebetszettel mit Hinweisen, wie man das Grab selbst segnen könne, soll ebenfalls beiliegen. An den Tagen vor oder nach dem Feiertag wollen die Geistlichen die Gräber dann zusätzlich segnen.

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