11.12.2020 - 12:15 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Friseure in der Coronakrise: Zwischen Herausforderung und Unverständnis

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Auch Friseure kämpfen mit der Corona-Krise. Nach den Schließungen während des ersten Lockdowns, sind viele froh, dass sie im November nicht schließen mussten – doch die Unsicherheit bleibt. Friseure aus Pressath und Grafenwöhr berichten.

Friseurin Constanze Blum aus Grafenwöhr.
von Renate GradlProfil

Es war ein ungünstiger Start in die Selbständigkeit von Constanze Blum. Sie wollte am 1. April mit einem eigenen Friseursalon durchstarten. Zuvor war sie 43 Jahre als Friseurin angestellt. Den Friseursalon in Grafenwöhr, den die 58-jährige von Barbara Hößl-Bauer übernommen hat, konnte sie wegen der Corona-Pandemie erst am 4. Mai 2020 eröffnen.

"Es war von Anfang an eine Herausforderung", gesteht Blum. Wie soll das Hygienekonzept eingehalten werden? Diese Frage stellte sich ihr und Barbara Hößl-Bauer, die ihr seit Mai "Stuhlmiete" bezahlt, da sie nur noch teilweise im Salon arbeitet. "Am Anfang war es chaotisch, da die Termine dicht gedrängt waren. In der Zwischenzeit hat es sich aber entspannt. Auch, wenn einige der älteren Kunden aus Sorge um die Corona-Situation nicht mehr kommen. Aber es gibt Arbeit, auch für meine bisherigen Mitarbeiterinnen, die Constanze übernommen hat", freut sich Hößl-Bauer.

Extrem lange Arbeitstage

Zuerst habe es einen Andrang gegeben, sodass auch der Laden auch montags geöffnet war. "Mein Tag begann um 6.30 Uhr im Geschäft, wo alles desinfiziert werden musste und endete meistens erst um 22 Uhr", erklärt Blum. Die Kundschaft gehe aber verständnisvoll mit der Situation um. Die Hygienevorgaben einzuhalten, sei kein Problem. "Das Tragen der Maske war anfangs schon gewöhnungsbedürftig. Auch beim Telefonieren ist der Mund-Nase-Schutz etwas hinderlich, aber positiv war für mich, dass ich dadurch nicht mehr so viele Dämpfe abbekam", zieht die Grafenwöhrerin Bilanz.

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Weiden in der Oberpfalz

Das Jahr 2020 im Pressather Friseursalon "Glanzhaft" war seit Beginn der Corona-Pandemie geprägt von Schicht- und Kurzarbeit. "Es war nicht ganz ohne", sagt Inhaber Christian Götz. Seine zehn Mitarbeiter durften schließlich keine Augenbrauen zupfen, keinen Wimpern färben und keinen Bart schneiden. Auch das Verschönern der Nägel wurde nicht erlaubt. "Das alles hat dann einfach gefehlt", erläutert der 35-jährige. "Man versteht vieles nicht mehr. Aber mittlerweile habe ich aufgehört, es verstehen zu wollen", meint Götz. Im Rückblick meint der Friseur: "Es gab auch viele spontane Absagen meiner Kunden, die schon einen Termin vereinbart hatten. Trotzdem ist es erfreulich, dass die Friseure noch offen haben."

Kunden fürchten erneute Schließung

Von Optimismus berichtet Friseur-Obermeister Alfons Kliebhan aus Waldsassen auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien: "Bei der Sitzung des Landesinnungsverbandes kristallisierte sich heraus, dass alle Friseure glücklich sind, dass sie ihre Salons öffnen können. Für die Kunden ist es inzwischen eine Selbstverständlichkeit, eine Maske zu tragen", erklärt Kliebhan.

Momentan sei es so, dass die Kunden lange Wartezeiten für einen Termin haben. Viele befürchten, dass sie sich vor Weihnachten gar nicht mehr die Haare schneiden oder verschönern lassen können. "Die Kunden haben sogar Angst, dass Söder es sich wieder anders überlegt und die Friseure ihre Geschäfte nicht öffnen dürfen", erklärt Kliebhan.

Was die Corona-Hilfen betrifft, gibt es bei Friseuren die Besonderheit, dass sie nur von einem Lockdown betroffen waren. Andreas Keller, Bereichsleiter Beratung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, erklärt: „Es gibt verschiedene Corona-Hilfen: Soforthilfe (aus dem ersten Lockdown im Frühjahr) haben viele Friseure, die von der Schließung betroffen waren, beantragt und auch bekommen. Die dann folgende Überbrückungshilfe I und II sowie die Novemberhilfe und Dezemberhilfe dürften nach unseren Kenntnisstand kaum Friseure beantragt haben, da hier als Voraussetzung erhebliche Umsatzausfälle ab April 2020 zu verzeichnen sein müssen. Diese hatten die Friseure zu dieser Zeit aber nicht, deshalb sind sie hier auch in der Regel nicht antragsberechtigt."

Info:

Zahl der Friseure in der Region

  • 1292 Friseure gibt es in der Oberpfalz (2019: 1299)
  • 51 Betriebe in der Stadt Weiden (2019: 52)
  • 129 Betriebe im Landkreis Neustadt/WN (2019: 129)
Christian Götz im Friseursalon "Glanzhaft" in Pressath.

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