13.02.2020 - 15:39 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

"Glimmstängel"-Diebe verurteilt

Bis zu sechs Jahre müssen drei Einbrecher laut Urteil des Landgerichts Bamberg ins Gefängnis. Die Männer waren im März innerhalb von zwei Wochen sieben Mal auf Beutezug gegangen - unter anderem auch in Grafenwöhr und Eschenbach.

Symbolbild.
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Von Udo Güldner

Bei nächtlichen Einbrüchen in Tankstellen, Getränkemärkte, Lottogeschäfte und Elektrofachmärkte in Franken und der Oberpfalz machten drei Diebe Beute im Gesamtwert von rund 71.000 Euro. Hauptsächlich hatten sie es auf Zigaretten, Unterhaltungselektronik und Alkohol abgesehen. Die Kriminalpolizei in Schleswig-Holstein hatte die Gruppe bereits im Auge. Die Spur führte ins unterfränkische Geiselwind, wo sich das Trio in einem Hotel einquartiert hatte. Von hier aus unternahmen die Männer nach Überzeugung des Landgerichts Bamberg ihre Beutezüge - auch in die Oberpfalz. Nach einem Einbruch in einen Elektrofachmarkt in Burgebrach (Landkreis Bamberg) ertappte die Kriminalpolizei die Diebe schließlich beinahe auf frischer Tat. Ein Großteil des Diebesgutes wie Smartphones, Laptops und Tablets im Wert von rund 35.000 Euro konnte so gesichert werden. Anders bei den Zigaretten: Die "Glimmstängel", die aus einer Tankstelle im oberbayerischen Kinsau, nahe Landsberg am Lech, gestohlen wurden, bleiben ebenso verschwunden, wie die Tabakwaren aus einer Tankstelle in Scheßlitz (Landkreis Bamberg). Das Landgericht ist auch davon überzeugt, dass die Einbrüche in ein Lottogeschäft in Grafenwöhr und in einen Getränkemarkt in Eschenbach, wo Zigaretten und Schnaps verschwanden, dem Trio zuzuschreiben sind. Den größten Fang machten Männer nach Überzeugung der Richter dann in einem Elektrofachmarkt in Grafenwöhr. Dort nutzten die Einbrecher ein Baugerüst, um ins Innere zu gelangen und Smartphones mitzunehmen.

Die Aufgaben waren für die Richter klar verteilt: Einer der Angeklagten wartete im Wagen, damit die Flucht möglichst schnell beginnen kann. Den Mercedes B-Klasse eines Freundes, der ebenfalls in Verdacht geraten ist, zur Bande zu gehören, hat die Staatsanwaltschaft Bamberg zwischenzeitlich sicherstellen lassen. Sein Komplize, den der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt den „Mann fürs Grobe“ nannte, flexte sich durch Metallwände und nahm schon einmal ein Brecheisen oder einen herumliegenden Gullydeckel zur Hand, um eine Fensterscheibe einzuwerfen. "Ich bin ja schließlich keine Frau", prahlte der Angeklagte, der davon profitierte, dass er als Erster die Einbruchserie gestanden hat. Im Laufe des Prozesses taten das seine „Arbeitskollegen“ auch noch und nannten dabei weitere „Mitarbeiter“, auf die nun ebenfalls ein Strafverfahren wartet, wenn man ihrer denn habhaft werden sollte.

Und dann gab es da noch den Chef, der nach Überzeugung des Gerichts mit dem Funkgerät die ganze Aktion aus sicherer Entfernung steuerte. Denn Smartphones können leichter geortet und abgehört werden. Ihm fielen nun auch frühere Verurteilungen auf die Füße, die zeigen, dass er das "Geschäft" schon länger betreibt. Das Amtsgericht Nürnberg und das Amtsgericht Neustadt am Rübenberge, das zum Landgericht Hannover gehört, hatten ihn bereits verurteilt.

Nach fünf Verhandlungstagen bekam der Chef der Bande sechs Jahre Haft aufgebrummt. Da er während der Taten unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden haben soll, wurde er auf Empfehlung Dr. Christoph Matterns, der eine Abhängigkeit diagnostiziert hatte, in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Der psychiatrische Sachverständige aus Bayreuth hat eine Therapiedauer von eineinhalb bis zwei Jahren vorgeschlagen. Der zweite Verurteilte, der Handlanger, muss für vier Jahre und drei Monate hinter Gitter, der Fahrer zwei Jahre und zehn Monate. Damit konnte Rechtsanwältin Mareen Basler aus Bamberg, die den Einbruchspezialisten verteidigt hat, durchaus zufrieden sein. Von der Schutzbehauptung, er sei nur nach Deutschland gekommen, um sich ein Auto zu kaufen, ließ sich Richter Schmidt freilich nicht beeindrucken: „Sie sind ausschließlich für die Straftaten hierher gekommen. Es waren sicher auch nicht die ersten dieser Art.“ Obwohl sich das Trio große Mühe gegeben hat, weder auf Überwachungsvideos aufzufallen, noch Spuren in Form von Fingerabdrücken oder DNA-Material zurückzulassen, ist ihm das nicht ganz gelungen. Von „erheblicher Unverfrorenheit“ war die Rede, weil die Gruppe sich Objekte an verkehrsreichen Straßen ausgesucht habe und mancherorts noch einmal zurückgekehrt sei, um den Plastiksack wiederum mit Zigarettenschachteln zu füllen.

Der Prozessbeginn

Grafenwöhr

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