26.10.2020 - 16:25 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhrer Einzelhändler fürchten um Existenz

17 Einzelhändler reichen im Grafenwöhrer Stadtrat eine gemeinsame Stellungnahme zum geplanten Fachmarktzentrum ein. Sie fürchten um ihre Existenz. Auch die Nachbarstadt Pressath sorgt sich: die Kaufkraft im Ort könnte sich verringern.

Auf 3500 Quadratmetern soll die "modernste Einkaufsmöglichkeit" des Städtedreiecks entstehen.
von Stefan NeidlProfil

Auf 55 Seiten waren die Bedenken der Öffentlichkeitsbeteiligung mit den Beschlussempfehlungen aufgeführt. Vieles konnte Lena Beyrich vom Städteplanungsbüro TB Markert nur kurz erklären. Auf Verlangen der SPD wurden die Ausführungen der Stadt Pressath aber im Wortlaut verlesen.

Diese führte auf, dass Grafenwöhr bei den Lebensmitteln bereits eine Verkaufsfläche von 5750 Quadratmetern habe. Damit erreiche die Stadt ein Überangebot zum Nachfragepotenzial von 167 Prozent. Mit der geplanten Fläche des Rewe-Marktes von 1150 bis 1200 Quadratmetern wachse dieses sogar auf 217 Prozent. Ähnliches gelte für die Drogeriebranche. Die Stadt erwarte darum eine Wettbewerbsverschärfung und eine Gefährdung von bestehenden Versorgungsstrukturen.

Der geschätzte Umsatzanteil von amerikanischen Käufern in Höhe von 15 Prozent sei nach Meinung der Stadt Pressath zu hoch angesetzt. Weiter fürchtet Pressath einen Kaufkraftabfluss, vor allem im eigenen Einkaufszentrums PEZ, das es für besonders schützenswert hält. Den Standort des Fachmarktzentrums hält die Stadt für außerhalb der Nahversorgungsfunktion.

Dem entgegnete Beyrich, dass es zwar zu Kaufkraftabflüssen kommen könnte, diese aber nicht im existenzgefährdenden Bereich liegen. Schädigende Auswirkungen sehe sie nicht. Die 15 Prozent Umsatzanteil der Amerikaner beziehen sich auf "Streuumsätze", der Anteil der Amerikaner sei nur mit 7 bis 8 Prozent angesetzt.

Dazu verlas Beyrich viele lokale Einwände: Ein Elektrohändler störte sich daran, dass auf seine Branche gar nicht eingegangen wird, schließlich bieten Vollsortimenter mittlerweile auch Elektroartikel an. Der Edeka-Markt fürchtet Umsatzeinbrüche durch die Ansiedlung eines Rewe-Markts, die zur Aufgabe führen könnten.

17 Einzelhändler haben eine gemeinsame Stellungnahme eingereicht: "Der Bau eines solchen Fachmarktzentrums gefährdet schlichtweg unsere Existenz." Das Schreiben war gemeinsam mit der Unterschriftenliste von 1038 Unterstützern bereits im Mai und Juni dem Bürgermeister übergeben worden.

Der Handelsverband begrüßt grundsätzlich die Umwandlung des alten Sägewerks zu einem Handelszentrum, sieht aber die entstehende Konkurrenzsituation kritisch. Ein Metzger sieht sich in der Existenz gefährdet und fürchtet die Auswirkungen für sich selbst, den Ortskern und seine Kundschaft, die viele ältere Einwohner beinhaltet.

Ein Lebensmittelmarkt erinnert Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) daran, einst den Umzug des Rathauses in das HSG-Gebäude verhindert zu haben, "damit die Innenstadt nicht ausstirbt" – der Bau des Fachmarktzentrums bewirke genau das Gegenteil. Außerdem wirft er dem Gutachten vor, falsche und unrealistische Zahlen anzusetzen.

Der Wirtschaftsverein sieht durch das reichhaltige Sortiment eines Rewe alle bestehenden Geschäfte betroffen und setzt sich für eine Stärkung dieser ein. Zum Abschluss wurde ein Schreiben verlesen, das den beiden überreichten Unterschriftenlisten beigelegt war. Den Beschlussempfehlungen von TB Markert wurde mit 14:5 Stimmen zugestimmt. Die entsprechende Änderung des Bebauungsplanentwurfs wurde mit 16:3 Stimmen angenommen.

Stadtrat Grafenwöhr beschließt Bau von umstrittenem Fachmarktzentrum

Grafenwöhr

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