12.11.2019 - 15:35 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhrer Geisterstunde: Geister-Sagen aus der Region

Nebelschwaden verschlucken die Städte und Dörfer der Region. Trüb und trist macht sich der November breit. Im wohl schaurigsten Monat des Jahres lassen sich Sagen über Geister und Co. besonders gut erzählen.

Der Annaberg in Grafenwöhr ist sagenumwoben. In der Nähe der heutigen Lourdesgrotte stand früher eine Burg, und noch immer soll dort um Mitternacht ein toter Ritter umher geistern.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

In Grafenwöhr "geistert" beispielsweise so eine Sage durch die Bevölkerung, eine Erzählung über einen goldenen Sarg, der dort vergraben sein soll. "Auf dem Annaberg stand mal eine Burg", erzählt Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm, die sich schon sehr lange mit der Geschichte Grafenwöhrs beschäftigt. Diese Burg, die jedoch nie fertig gebaut worden sei, habe den Landgrafen von Leuchtenberg gehört. "Ulrich, Ulrich II. und Johann I.", berichtet die 84-Jährige weiter. Und zu eben dieser Burg ist in der Stadtchronik von Grafenwöhr eine Sage abgedruckt. "Es geht um einen bösen Ritter, der das Volk geprellt und ausgeraubt hat", erklärt Kulturmanagerin Birgit Plößner. Der Erzählung nach sei der Ritter sogar in einem goldenen Sarg im Burghof bestattet worden. "Immer um Mitternacht kommt er nun aus dem Sarg, um weiter sein Unwesen auf dem Annaberg zu treiben und die Leute zu erpressen", erzählt Plößner. In der Chronik steht dazu: "Von dem goldenen Gehäuse hebt der Deckel sich mit Dröhnen. Aus der Gruft zum Geisterritte steigt der Graf mit bangem Stöhnen." Der Geistergraf habe so lange keine Ruhe, bis ein "Sonntagskind" den goldenen Sarg finde, heißt es.

Dass die Burg am Grafenwöhrer Annaberg tatsächlich existierte, kann Plößner bestätigen. Auch das sei in der Stadtchronik vermerkt und werde bei den Führungen durch Grafenwöhr erzählt. Beim Anlegen eines Luftschutzkellers im Jahr 1935 seien die Arbeiter in der Nähe der heutigen Lourdesgrotte auf Mauerreste gestoßen. Um diese besser vor der Witterung schützen zu können, seien sie jedoch wieder zugeschüttet worden.

Leonore Böhm, früher Heimat- und Sachkundelehrerin in Grafenwöhr, kann sich noch gut erinnern, als sie 1993 selbst auf ein Stück Mauerwerk stieß. "Es war der 27. April 1993, ein ends heißer Tag. Meine Schüler und ich sind mit Schaufel, Eimer und Hacke zum Annaberg gefahren. 30 Zentimeter unter der Oberfläche haben wir einen Steinzirkel entdeckt", beschreibt die heute 84-Jährige ihre Expedition auf eigene Faust. Die Steinquader seien rund einen Meter lang und 40 Zentimeter breit gewesen. Doch auch dieses Mal wurden sie wieder eingegraben. Was den Grafenwöhrern von der Burg jedoch geblieben ist, ist die Sage um den goldenen Sarg.

In der Stadtchronik von Grafenwöhr ist der Grundriss der 1935 aufgedeckten Mauerzüge der einstigen Burg auf dem Annaberg abgebildet. Der Plan zeigt ein großes rechteckiges Gebäude mit drei Meter starken Mauern.
Info:

Von der "Wilden Jagd" bis zum Korngeist

Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm weiß außerdem von einer Sage aus Vilseck zu berichten. "Der Teufel wollte den Kirchturm von Vilseck einstürzen", erzählt sie. Denn beim Fliegen über den Turm habe sich der Teufel jedes Mal verletzt. Deshalb wollte er das Bauwerk mit einem Stein kaputtschlagen. "Auf seinem Weg nach Vilseck trifft der Teufel eine Frau und fragt sie, wie weit es noch ist", erzählt Böhm weiter. Die Frau habe auf ihre vielen zerrissenen Schuhe gezeigt und gesagt: "So weit ist es noch." Aus Wut über die lange Strecke habe der Teufel seinen großen Stein fallen lassen. Der Teufelsstein liegt noch heute in einem Wald nahe Vilseck, sagt die 84-Jährige.

Auch von der "Wilden Jagd" wird gerne erzählt. "Als Kind hatte ich Angst davor", erinnert sich Böhm. Denn über die "Wilde Jagd" wird gesagt, dass sie über einen sause und alles mitnehme. "Aber es waren nur Winterstürme und sonst nichts", schmunzelt die 84-Jährige heute, die zudem noch den Korngeist erwähnt. Damit hätten die Eltern den Kindern Angst eingejagt, wenn diese ins Kornfeld laufen wollten. Böhm hat über den "Bülma's", wie man den Korngeist auch nennt, sogar ein Gedicht geschrieben. "Die Schwiegermutter hat gesagt, sie hat in Kastl mal ein Feld gesehen, auf dem der Bülma's war", erzählt Böhm. Eine schmale Schneise sei dort gewesen. "Die Halme haben ausgesehen, als wären die Ähren verschwunden. Aber es war vielleicht ein Hase oder ein Reh", sagt die Kreisheimatpflegerin völlig gelassen.

Leonore Böhm hält eine Zeichnung des Korngeistes in der Hand. Er gehört zur Welt der Sagen und Mythen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.