15.04.2020 - 09:29 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Josef Neubauer scheidet nach 42 Jahren aus Grafenwöhrer Stadtrat aus

Josef Neubauer scheidet aus dem Stadtrat aus. 42 Jahre lang hat er Politik für Bürger gemacht und sein Wissen über Grafenwöhr eingebracht. Bürgermeister Edgar Knobloch weiß, was er mit Neubauer verliert.

von Stefan NeidlProfil

Josef Neubauer ist mittlerweile stolze 72 Jahre alt. In 42 davon hat er die Politik in Grafenwöhr mitbestimmt, länger als jeder andere Stadtrat vor ihm. Zur Kommunalwahl ließ er nun den Jungen den Vortritt, ließ sich aber dazu überreden, noch als Ersatzkandidat bereit zu stehen – meist ist es unwahrscheinlich, dass dieser zum Zuge kommt. In der neuen Periode wird er erstmals nicht mehr Bestandteil der politischen Entscheidungsfindung in Grafenwöhr sein. Er blickt auf eine aufregende Zeit zurück.

Neubauer kommt aus Gmünd und ist mit seiner Frau Gisela seit 43 Jahren verheiratet – also gerade einmal ein Jahr länger, als er Stadtrat war. Mit ihr hat er die Kinder Tamara und Frank, sowie mittlerweile vier Enkelkinder: Emilia (11 Jahre), Timm (9), Annika (8) und Verena (1). In den zwölf Jahren bei der Bundeswehr hat er Maschinenbau studiert und war Fachkundiger für Munitionstechnik, zuletzt an den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels. Sein letzter Dienstgrad war Oberstleutnant der Reserve.

"Ich war schon immer politisch interessiert, aber in keinem Jugendverband engagiert", informiert Neubauer. Trotzdem wurde er 1977 von Georg Gierisch, Georg Zechmayer, Franz Sporrer und Josef Geier angesprochen, für die CSU als Stadtrat zu kandidieren. "Nur zwei Tage später fragten mich Vertreter einer anderen Partei, für sie anzutreten – zu spät", erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Trotz des guten vierten Listenplatzes ging Neubauer mit keinen großen Erwartungen in die Wahl 1978. Gmünd war gerade einmal sechs Jahre vorher eingemeindet worden, er war quasi immer noch ein Auswärtiger und unbekannt in Grafenwöhr. Ihm ging es mehr darum, gemeinsam mit Franz Sporrer seinen Ortsteil würdig zu vertreten. Umso größer die Überraschung, als er 1978 auf Anhieb den Einzug ins Gremium schaffte.

Mit gerade einmal 30 Jahren hatte er vor den ersten Sitzungen schon Bammel und Respekt vor den lokalen Politik-Größen. Neubauer erinnert sich: "In der dritten Stadtratssitzung wollte ich mich zum Bau der Stadthalle äußern. Der Kommentar von Max Hösl dazu: ,Hat der Jungschnabel auch schon was zu sagen?'" Georg Zechmayer fuhr diesem sofort "über das Maul" und klärte Hösl auf, dass alle Stadträte gleich viel wert seien. An diesem Tag legte Neubauer seine Scheu ab. Damals war sogar das Rauchen im Gremium erlaubt, bis Bürgermeister Josef Geier dies verbot. Stattdessen kamen Bonbonschalen auf die Tische, an denen sich Neubauer jahrzehntelang gern bediente.

Aber wie motiviert man sich und den Wähler, insgesamt sieben Mal eine erfolgreiche Wahl zu bestreiten? "Das musst du schon den Wähler fragen", sagt Neubauer und lacht. "Vielleicht, weil Ehrlichkeit, Anstand, Können und Hilfsbereitschaft immer noch Tugenden sind, die die Menschen untereinander hoch halten." Ihn hat es immer begeistert, wenn gute Vorschläge in Stadt und Landkreis umgesetzt worden sind. Wichtig war für Neubauer in seiner Zeit als Fraktionssprecher immer der gute Zusammenhalt in der Fraktion und das gute Einvernehmen mit den anderen Fraktionen. Besonders zum Kollegen der SPD Georg Schwindl pflegte er eine gute Beziehung.

1990 trat er dann als Bürgermeisterkandidat für die CSU gegen Helmut Wächter an. Mit etwa 29 Prozent der Stimmen war er klar unterlegen, aber nicht enttäuscht: "Ich bin halt ein ,Gminer' und im Vergleich zu Helmut ein politisches Leichtgewicht gewesen." Den treffendsten Grund für die Wahlniederlage lieferte dem Hobbybastler Neubauer vielleicht einer der Nachbarn: "Er sagte: ,Ich kann dich nicht wählen, weil du dann nicht mehr Zeit hast, wenn ich dich für eine Reparatur brauche'. So kann man das vielleicht auch sehen."

Persönliche Höhepunkte in den 42 Jahren waren die Einweihung der Stadthalle, die Erweiterung des Friedhofs, die Umgestaltung des Markt- und Marienplatzes, die Jubiläen des Truppenübungsplatzes und die 650-Jahr-Feier der Stadt. Zur Eröffnung des Waldbades 1978 hat er von Bürgermeister Walter Asam einen Spezialauftrag erhalten: "Ich durfte oder besser musste als Erster überhaupt vom Fünf Meter-Turm springen."

Nach sieben Perioden ist nun Schluss für Neubauer: Mit 72 Jahren will er es ruhiger angehen lassen. Die Kandidatenliste der CSU überzeugte ihn mit einer Mischung aus Jung und Alt, so dass es ihm leicht fiel, die "Hände in den Schoss zu legen und anderen Kandidaten eine Chance zu geben". Für die Neuen und Jungen im Stadtrat hat er auch einen Tipp parat, wie sie ihren Platz finden: "Ehrlichkeit und Demut. Zuhören und dann die hoffentlich die richtigen Schlüsse ziehen. Versuche den alten lateinischen Spruch zu folgen: ,Quidquid agas, prudenter agas et respice finem' (Was Du auch tust, handle klug und bedenke das Ende)."

Stolz ist er darauf, vielen Bürgern geholfen zu haben und dass er sich für seine Politik nie Anfeindungen gefallen lassen musste. Sein Ziel sei es immer gewesen, "Zeit und Tätigkeit als Anstrengung des gesamten Stadtrats zu sehen". Nichts kann man alleine schaffen. "Schön wäre es noch gewesen, wenn die Ausbaggerung der Creußen und die Erneuerung der Espanbrücke voran geschritten wären." Aber dies benötige einen langen Atem und seine Nachfolger bräuchten ja auch etwas zu tun. Neubauer ist zufrieden mit seinem Schaffen. Wenn er etwas bereut, dann nur, dass er oftmals "zu wenig Zeit für seine Familie hatte". Das Leben ohne Politik lässt er nun auf sich zukommen. Die gewonnene Zeit wird er auf jeden Fall mehr in seiner Werkstatt schrauben, was auch die Nachbarn freuen wird, die ihn nicht zum Bürgermeister wählen konnten.

Bürgermeister Edgar Knobloch weiß, was er mit Neubauers Ausscheiden im Stadtrat verliert: "Der Sepp hatte einen riesen Fundus an Wissen über Grafenwöhr und Gmünd. Er kannte alle Maßnahmen der letzten 42 Jahre und klärte gerne auf. Er war Ideengeber und immer verlässlich. Oft war er mein persönlicher Berater. Wir werden ihn vermissen." Besonders bleibt Knobloch ein beliebter Spruch Neubauer in Erinnerung, den er sich auch zu Herzen nimmt: "Wenn wir können, müssen wir den Leuten helfen."

Abschließend ist Neubauer voll des Dankes für viele Weggefährten: "Ich möchte mich bedanken: bei allen Bürgern, die mir immer wieder ihr Vertrauen geschenkt haben. Bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, denen ich manchmal sehr auf die Nerven gegangen bin. Bei allen Bürgermeistern und Stadträten, mit denen ich sehr gern zusammengearbeitet habe. Bei meiner Frau und Kindern, die sehr viel Verständnis für mich und meine Tätigkeit als Stadtrat aufgebracht haben. Halten wir zusammen, dann kann uns nichts umwerfen. Und: Carpe diem (Nutze den Tag)."

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