07.06.2019 - 12:24 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Junger Seeadler auf Truppenübungsplatz beringt

Seeadler sind seltene Vögle. Vier erfolgreiche Bruten gab es 2019 in Grafenwöhr, ein Jungtier wurde nun beringt. Ein Job für den Wipfelstürmer Manfred Ferstl.

Der junge Seeadler vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr erhielt an seinen Beinen zwei Ringe.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Ein junger Seeadler hat kürzlich auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr zwei Ringe an seinen Beinen erhalten. "Der Jungvogel ist dadurch nun eindeutig identifizierbar", teilt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) am Freitag mit. Dazu musste ein Baumkletterer eine 30 Meter hohe Kiefer bis zum Adlerhorst erklimmen und den Vogel auf die Erde holen. Insgesamt gab es 2019 schon vier erfolgreiche Bruten der seltenen Vogelart auf dem Truppenübungsplatz, der von der BImA und ihrem zuständigen Bundesforstbetrieb Grafenwöhr betreut wird. "Dieser Bruterfolg ist in Süddeutschland beispiellos."

Fast die Hälfte aller bayerischen Seeadler-Brutpaare nistet auf dem militärisch genutzten Gelände. Der Seeadler galt viele Jahre in Bayern als ausgestorben - bis im Frühjahr 2001 wieder ein Brutpaar in Grafenwöhr entdeckt wurde. 2018 gab es 14 erfolgreiche Brutpaare mit 19 flüggen Jungadlern im Freistaat.

"Sie haben hohe Ansprüche, was die Ruhe während der Brutzeit angeht", heißt es in der Mitteilung. Sobald ein Seeadlerpaar nach einer passenden Astgabel für den Horstbau sucht, beginne eine störungssensible Zeit. "Daher fühlen sich die bayerischen Seeadler auf dem Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte in Grafenwöhr pudelwohl, denn nur wenige Menschen dürfen in den militärischen Sicherheitsbereich", sagt Hubert Anton, Fachgebietsleiter Naturschutz des Bundesforstbetriebs Grafenwöhr.

Klettern für den Artenschutz

Der sogenannte Wipfelstürmer Manfred Ferstl kletterte innerhalb von Sekunden die 30 Meter hohe Kiefer hoch. "So schnell habe ich noch nie jemanden einen Baum hochklettern sehen", berichtet Anton. Ferstl steckte den Jungadler in einen gepolsterten Sack und brachte ihn auf den Boden. Dort warteten Paul Baumann und Martin Gabriel vom Beringungsteam.

Vorsichtig hob Baumann den jungen Adler aus dem blickdichten Sack. "Wir möchten dem jungen Vogel so wenig Stress wie möglich zumuten", sagte er. Gabriel erklärte währenddessen den Auszubildenden und Trainees beim Bundesforst, worauf bei einer Beringung zu achten ist: "Der Jungadler muss in seinen Fängen immer etwas zum Greifen haben, das ist ein natürlicher Reflex, der ihn davor bewahrt, aus dem Horst auf den tiefen Waldboden zu fallen."

Zwei Ringe für die Wissenschaft

Für die Beringung muss der Jungvogel die passende Größe haben. Ist er zu klein, könnten die Ringe über seine Fänge rutschen. Bleiben sie an den Krallen hängen, wäre das das Todesurteil für das Tier, weil es dann seine Beute nicht mehr festhalten könne. Der etwa fünf Wochen alte Jungvogel in Grafenwöhr war groß genug. Er bekam an jedes Bein einen speziellen Ring mit Kürzeln. Entdeckt ein Vogelbeobachter den Seeadler, ist er eindeutig an den Ziffern auf den Ringen wiederzuerkennen. Gabriel tastete außerdem den kleinen Nestling am Kropf ab und wog ihn. 3,4 Kilo brachte der Vogel auf die Waage – gut genährt für sein Alter. Danach ging es mit Baumkletterer wieder zurück auf den Horst.

Die Daten des Seeadlers werden in einer Datenbank für die Wissenschaft gespeichert. "Leider werden immer wieder auch tote Adler gefunden", bedauert das BImA. Häufig sterben sie an Bahngleisen oder Straßen.

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