01.08.2021 - 13:21 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Kornmandl im Vorgarten mit Lehrauftrag

Im Garten von Familie Kraus steht ein einzelnes Kornmandl. Die drei Kinder Lia, Theo und Lorenz haben es gestaltet. Nicht aus Spaß, denn das Geflecht aus Roggen hat eine besondere Botschaft.

Korrekt aufgestellte Kornmandl. Hier aus der Gegend um Konnersreuth.
von Autor AZProfil

Ein einzelnes Kornmandl. Dieser Hingucker steht derzeit in einem großen Garten am östlichen Stadtrand von Grafenwöhr. Das aus elf Roggengarben bestehende Mandl ist der ganze Stolz von Lia, Theo und Lorenz. Zusammen mit Papa Christian haben sie es originalgetreu gebunden und aufgebaut. Das Warum und Wieso drängt sich förmlich auf.

Für Christan Kraus und seine Frau Claudia ist es Demonstrations-, Anschauungs- und Lehrobjekt in einem. Beiden ist es eine Herzensangelegenheit ihren Kindern vorzuleben, dass Lebensmittel wertgeschätzt werden. Sie wollen der Lebensmittelverschwendung durch ihre spezielle Erziehungsarbeit einen Kontrapunkt setzen. Und sie gehen am Beispiel Brot ganzheitlich heran.

Von der Ähre zum Brot

Wenn die Kinder nämlich den langen Weg von der Aussaat, dem Heranreifen bis zum fertigen Korn und schließlich der Ernte - immer abhängig vom Wetter – miterleben und nachvollziehen könnten, würden sie Brot nicht achtlos wegwerfen. So die feste Überzeugung der Eltern. Bis in die 1950er Jahre hinein – eben bis der Mähdrescher die Getreideernte revolutionierte, den mühsamen, händischen Schnitt per „Wachlerer“ und damit die Mandln ersetzte – musste der Landwirt im Wortsinn im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen. Genau darüber, wie es einst war, informieren beide ihren Nachwuchs. Es soll zum Nachdenken anregen!

Auch voriges Jahr hat Christian Kraus in seinem Gartengrundstück etwas Getreide angebaut. Für ein Mandl hat die Menge nicht gereicht. Ihm ging es speziell darum, die Kinder beim mühseligen Ausdreschen einzubinden. Gemahlen hat die Körner die Mama in der Küchenmaschine. Das „Mustergebäck“ hätten sie „mit Genuss und Verstand“ verspeist, erzählen sie.

Kinder lernen Natur zu schätzen

Aber der große Naturgarten der Familie Kraus hat außerdem noch viel mehr zu bieten. Bio-Diversität pur! Die breite Palette reicht von heimischem Gemüse wie Gelbe Rüben, Porree, Zwiebeln, Knoblauch, Weißkraut, Bohnen, Gurken, Tomaten, Sonnenblumen, Kartoffeln, Zuckermais, diversen Kräutern und Beeren bis zu Raritäten wie Mispel, Aronia, Amaranth, Hirse. "All dies", so Christian Kraus, "damit die Kinder sehen, wie was geht, damit sie die Waren wertschätzen!“ Voriges Jahr beispielsweise sei Weißkraut eingestampft worden, um den Umwandlungsprozess in Sauerkraut mitverfolgen zu können. Die jeweilige Ernte werde entweder in der Küche gleich zu schmackhaften Gerichten verarbeitet bzw. nach herkömmlicher Art eingeweckt, eingefroren oder im Erdkeller gelagert. Und immer seien Lia, Lorenz und Theo aktiv mit eingebunden!

Zurück zum Kornmandl. Christian Kraus unterstreicht, tiefen Respekt vor den Mühen der Menschen einst um das tägliche Brot zu haben, das bis zum letzten Krümel genutzt wurde. So will er sein Tun auch gleichzeitig als Hommage an sie verstanden wissen!

Übrigens: Die „Ärln“ (Ähren) seines Kornmandls, verrät er, dürfen dieses Mal nach und nach die Hühner auspicken.

Nachfrage nach Bioprodukten steigt

Amberg
Welch eindrucksvolles Erinnerungsfoto! Theo, Lia und Lorenz (von links) präsentieren stolz ihr Kornmandl. Der Roggen, eine traditionelle Sorte mit über zwei Metern Höhe, wurde im vergangenen Herbst im Garten ausgesät, in den letzten Tagen geerntet originalgetreu gemeinsam zum Mandl gebunden und aufgestellt

 

 

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