01.04.2021 - 16:23 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Vom Kupferkessel zum Osterbrunnen

Wasser bedeutet Leben. In Grafenwöhr gibt es einige Brunnen. Der Jahrgangsbrunnen am Fuße des Annabergs ist einer davon, der das Stadtbild seit fast 20 Jahren prägt. Zu Ostern wird er mit Tausenden von Eiern geschmückt.

von Renate GradlProfil

Die Nomaden treffen sich bei Streitigkeiten am Brunnen und um über Rechtsfragen zu diskutieren. Aber auch nach hitzigen Stadtratssitzungen könne der Brunnen Abkühlung bringen, nachdem es so richtig geraucht hat. Diese Gegebenheiten und Tipps gab Pfarrer Hans Bayer am 15. Juni 2003, bevor er die neue Brunnenanlage zusammen mit dem damaligen Vertrauensmann der evangelischen Gemeinde Udo Greim segnete.

Der neue Brunnen wird „jahrzehntelang das Stadtbild mitprägen“, freute sich der damalige Bürgermeister Helmuth Wächter bei der offiziellen Einweihung der Brunnenanlage. Die Idee stammt von Martin Hößl, dem Sprecher des Jahrgangs 1932/33 sowie von Karl Siller, die beide bereits verstorben sind. Die Anlage wurde vom Geburtsjahrgang 1932/33 erbaut. Besonderer Dank für die Überlassung der Sudpfanne gebührte den Brüdern Hans, Berthold, Albert und Josef Specht, Georg Specht jun. sowie Peter Renner. Diese hätten den wertvollen 2,5 Tonnen schweren doppelwandigen Kupferkessel schließlich auch zu einer Menge Geld machen können, betonte Martin Hößl.

Für die finanzielle und materielle Unterstützung bedankte sich Hößl bei Bürgermeister Helmuth Wächter, der Sparkasse mit Direktor Max Köhler als Hauptsponsor, Diplom-Ingenieur Otto Dünne von der Firma HSG Grafenwöhr, dem Heimatverein, dem städtischen Bauhof, Werner Drescher, Georg Bräutigam und Herbert Loth. Beiden Letzteren erhielten vom Bürgermeister den Ehrenkrug der Stadt für „gelebten Bürgersinn“. Hößl bezeichnete Bräutigam, Loth und sich selbst als „Dreigestirn“, die zirka 500 Arbeitsstunden unentgeltlich geleistet hätten.

Hoffen auf friedvolle Zeiten

In der Kupferrolle im Sockel des Brunnens wurden schließlich wichtige Informationen über die Geschichte des Brunnens, alle Namen der Interessengemeinschaft Jahrgang 1932 bis 33 sowie verschiedene DM- und Euro-Münzen gelegt. „Der Inhalt dieser Röhre ist für unsere Nachwelt bestimmt. Möge dieser Behälter in einer friedvollen Zeit gefunden werden“, betonte Hößl. Er selbst hoffe für den Brunnen und bat darum: „Macht’s n net kaputt!“

Aber wie kam der ehemaligen Kupferkessel der Löwenbrauerei Grafenwöhr, aus dem früher Bier floss, überhaupt in den Besitz des Jahrgangs 1932/33? Nur durch Zufall entdeckte Martin Hößl im Oktober 1995 den Kupferkessel im Garten von Hans Specht. Dieser Kupferkessel hatte es dem leidenschaftlichen Fotografen mit Blick für das Schöne gleich angetan. „Meine Gedanken waren sofort, das wäre ein schöner Brunnen“, erzählte Hößl. Diese Gedanken ließen ihn nicht mehr los.

Jahrgangsbrunnen eine Zierde Grafenwöhrs

Grafenwöhr

Auf Nachfrage beim Klassenkameraden Hans Specht erfuhr Hößl, dass dieser Kessel ihm, seinen Brüdern Albert und Berthold sowie Peter Renner gehört. Aber bereits wenige Tage später ging das wertvolle Kupfergefäß in den Besitz des Geburtsjahrganges 1932/33 aus Grafenwöhr. Vielleicht war es das Zusammengehörigkeitsgefühl aus früheren Tagen, das Specht dazu bewegte, den Kupferkessel dem Geburtsjahrgang zu schenken, denn auch er gehörte dem Jahrgang an. Am 14. Oktober 1995 war die Idee des Brunnenbaus geboren, denn alle ehemaligen Schüler des Geburtsjahrgangs 32/33 waren damit einverstanden. Da der Kessel von der Löwenbrauerei Grafenwöhr stammt, war der Standort vorprogrammiert. Er sollte am Aufgang zum Annaberg sein.

Aber wie so oft, musste man sich in Geduld üben. Es gab Unstimmigkeiten wegen des genauen Standorts. Schließlich wurde der Ort an der Mauer genehmigt. Mit Toni Wittmann, dem damaligen Bautechniker der Stadt, wurde fast sechs Jahre lang geplant und gehofft. Leider ging der nach vielen erbrachten Leistungen zwischenzeitlich in den Ruhestand. Weitere Hilfe erfuhr der Jahrgang von Bürgermeister Helmuth Wächter. Ende 2001 ging es nach Kontakten mit dem Architekturbüro Schultes weiter. Da sich aber der Abbruch des Trafohauses verzögerte, ruhten die Arbeiten an der Brunnenanlage. Erst nach einer siebenjährigen Wartezeit wurde es Ende Oktober 2002 Ernst.

Mit der Neugestaltung der Brunnenanlage kam der Einbau von sechs Schaumdüsen und Scheinwerfern hinzu. Eine weitere Verschönerung wurde mit dem Aufbau einer Kupferpfanne und einer Kupferkugel erreicht. Am 5. Dezember 2002 wurde der Wassertank und die Abwasseranlagen eingebaut. Der Kessel wurde von Herbert Loth zum Einbau fertiggestellt. Bei der Metalldrückerei Müller in Wurzen/Sachsen erwarb man Dank Loth eine preisgünstige Kupferschale mit Kugel. Die Brunnenbaufirma Lödige aus Thurndorf installierte nach der Frostperiode die Brunnenanlage. Am 9. Mai 2003 war der ersehnte Moment gekommen: der erste Pumpversuch wurde gestartet. „Es war ein toller Augenblick, den Brunnen mit seinen Schaumdüsen zu bewundern“, schwärmte Martin Hößl voller Begeisterung. Mit der Einweihung des Jahrgangbrunnens ging dieser auch in den Besitz der Stadt Grafenwöhr über.

Ab 2004 ein Osterbrunnen

Für Ostern 2004 hat sich der Jahrgang 1932/33 etwas Besonderes ausgedacht: Der Brunnen soll eine Augenweide in Form eines Osterbrunnens werden. Zuerst wurden über ein Jahr lang Eier gesammelt, die es galt, dann auch in den schönsten Farben zu bemalen. Insgesamt waren es 3000 Stück, die auf 100 Meter Girlanden angebracht wurden. Der Blickfang wurde dabei auch auf ein Hasenpärchen gelegt, die auf einer Bank sogar beschirmt wurden.

Viele Freiwillige halfen mit: Anni Hößl, Maria Stopfer, Martha Siller, Georg Bräutigam, Monika Amtmann, Lia und Robert Kellermann, Katharina Rescher und Fanny Marner. Martin Hößl als Hauptorganisator hat dabei alleine 2000 Eier marmoriert und belegt. Eine besondere Augenweide war neben den Osterbrunnen auch die Volkstanzgruppe aus Hütten, die am Ostermontag vor dem Brunnen tanzte. Seit einigen Jahren sorgen einige Mitglieder des Heimatvereins dafür, dass aus dem Jahrgangsbrunnen jedes Jahr ein wunderbarer Osterbrunnen wird.

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