Bewaffnete Kreuzritter gehen vor dem Verlies in Stellung. „Abstand halten“, rufen sie den gespannten Menschen zu. Langsam öffnen sich die Tore. An Ketten wird ein grünes Ungetüm herausgeführt. Ein Drache bewegt sich durch die Menge. Die vermeintliche Bestie wirkt täuschend echt. Von Maul bis Spitze umfasst das Kostüm bestimmt drei Meter. Zwei Mal am Tag spaziert der Drache mitsamt Geleitschutz über den alten Volksfestplatz, stets umringt von Kindern und verfolgt von Handy-Kameras.
Der Auftritt des Drachens war nur ein Teil des bunten Spektakels des Mittelaltermarkts am alten Volksfestplatz in Grafenwöhr. 35 Aussteller boten Waren und Dienstleistungen, wie sie schon vor hunderten Jahren üblich waren, an. Eine von ihnen war Kirsten aus Mantel. Sie bot an ihrem Stand "Witches Brew" alles an, was eine Hexe so brauchen kann: Kräuter, Düfte, Accessoires und Dekorationen. Da sie direkt am Waldrand wohnt, holt sie sich ihre Kräuter auch schon mal selbst, erzählt sie.
"Das Publikum ist wirklich bunt hier", meint Kirsten. Alt und jung, Deutsche und Amerikaner waren vertreten. Eine Kundin freute sich, dass es einen solchen Laden auch hier in der Gegend gibt. "Sonst muss ich alles immer im Internet bestellen."
Harte Kämpfe
Es folgte ein weiteres Highlight: Ein mittelalterlicher Schwertkampf stand in der Arena an. Wer nun viel Show und wenig Taten erwartet hatte, wurde überrascht: Die Ritter schlugen richtig aufeinander ein. Das Getümmel wirkte wie ein Boxkampf. Ein Hieb ging gegen den Kopf. Lautes Klirren. Die Zuschauer raunten auf. Zum Glück waren die Schwerter abgestumpft.
Der siegreiche Schwertkämpfer hieß Sebastian und stammt aus Nürnberg. Er bestätigte: "Es ist ein Vollkontaktsport mit Regeln und Runden." Dabei gebe es auch richtige Verbände und Turniere, an denen er auch teilnimmt. Dort seien dann zusätzlich Faustschläge und Tritte erlaubt, genau wie Schwerthiebe. Ein frontaler Stich mit der Klinge aber nicht. "Obwohl die Schwerter abgestumpft sind, wäre das zu gefährlich." Die Rüstungen seien gut gepolstert. Allein der Helm wiege sechs Kilo. "Es sieht oft brutaler aus, als es wirklich ist", erklärte der Kampfsportler.
Rabe als Show-Profi
Unweit von der Kampfarena stand ein kleiner Holzstand. Dieser gehört Anastasija aus Kasachstan. Sie trat als Künstlerin unter anderem mit einer Feuershow auf. Außerdem hatte sie eine ganz besondere Freundin dabei: die 21-jährige Kolkraben-Dame Mara. Beide sind Show-Profis und an Publikum gewöhnt. Mara flog von ihrer Besitzerin auf die ausgestreckten Arme der Besucher. Dort posierte sie gekonnt für Fotos.
"Raben können bis zu 50 Jahre alt werden und brauchen sehr viel Aufmerksamkeit", erklärte Anastasija. Sie seien auf ihre Herren fixiert und akzeptierten meist nur einen Menschen. Wenn dem Menschen etwas passiert, geht der Rabe in der Folge oft ein. "Aber so alt bin ich ja noch nicht und kann mich noch lange um Mara kümmern", sagte Anastaija mit einem Lachen.
Veranstalter zufrieden
Veranstalter Manfred Schleicher ist seit zehn Jahren mit solchen Events auf Tour. Im Schnitt richtet er 17 Mittelaltermärkte zwischen Mitte März und Ende Oktober pro Jahr aus. Dabei arbeitet er mit festen Mitarbeitern zusammen, frägt aber vor Ort immer lokale Händler an. In der Szene kennt man sich und weiß wer das richtige Angebot für das Mittelalter hat. Schleicher hatte immer Interesse am Mittelalter und begann einst als Händler auf solchen Märkten. Irgendwann begann er selbst einen kleinen Markt zu Hause in Röttenbach bei Erlangen zu veranstalten. Und so wuchs die Sache: "Aus einem Anhänger wurden bis heute vier Lkws", erklärt er die Größe seiner Agentur. Er achte in seinem Programm stets auf eine breite Mischung von typisch-mittelalterlichen Angeboten: Ritter, Minnesänger, Gaukler, bunte Kostüme. Und eben ein Drache, der zwei Mal täglich seine Runden dreht.
"Das besondere an Grafenwöhr sind natürlich die Amerikaner, darum waren wir hier schon neugierig", sagte Schleicher. Bis auf den heftigen Regenschauer am Freitagabend ist er mit dem Wochenende zufrieden. Im Herbst wird er am Kiesi-Beach in Pressath sein. Er kann sich auch vorstellen, den Volksfestplatz in Grafenwöhr als regelmäßigen Veranstaltungsort aufzunehmen.




























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