19.10.2018 - 14:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Schnitzergemeinschaft Grafenwöhr beweist ruhige Hand am Holz

Ein Stück Holz ist sein Blatt Papier, Messer und Hohleisen ersetzen einen Bleistift: Wenn Peter Herzog zum Werkzeug greift, entstehen Skizzen zum Anfassen.

Scheint gut zu riechen: Zu den Werken der Grafenwöhrer Schnitzergemeinschaft gehört eine Kuh, die an einer Blume schnuppert.
von Marion Espach Kontakt Profil

Der Hobbyschnitzer sägt, hobelt und ritzt so lange an einem Holzklotz herum, bis daraus Blumen, Tiere, Krippenfiguren oder ein Weihnachtsmann werden. Manche davon sind so groß wie Puppen, andere bringen es nicht mal auf einen Zentimeter. Selbst den kleinsten Holzstücken kann Herzog die Form von Schafen und Menschen geben.

Bei dieser Millimeterarbeit muss jeder Schnitt sitzen. "Sonst ist vom Material nichts mehr übrig", erklärt der 67-jährige Weidener. Vier, maximal fünf Schnitzer hat er pro Figur. Und eine Lupe: "Mit bloßem Auge würde ich nichts sehen." Jeden Donnerstag trifft er sich mit der Grafenwöhrer Schnitzergemeinschaft in der Grund- und Mittelschule, um sich immer wieder an neuen Figuren auszuprobieren. Eine Leidenschaft, die über 45 andere Mitglieder mit ihm teilen. "Bei uns kommen Menschen aller sozialen Schichten zusammen", betont Reinhold Gietl, der die Gemeinschaft vor knapp 24 Jahren mitgegründet hat.

Unter den Mitgliedern sind Banker, Betriebsleiter, Gärtnermeister und sogar ein Koch. "Nur lustigerweise kein Schreinermeister", sagt Gietl und lacht. Zwar ist die Schnitzergemeinschaft kein eingetragener Verein, dennoch gehören ihr sowohl Grafenwöhrer als auch Teilnehmer aus Speichersdorf, Weiherhammer, Eschenbach und Auerbach an. "Wir sind wie ein Sammelbecken für Schnitzer", beschreibt Gietl die Truppe. Und bei der geht es nicht nur darum, ein Stück Holz mit einer perfekten Technik zu einer perfekten Figur zu formen. "Soziales Miteinander, Gemeinschaftssinn und gute Gespräche sind genauso wichtig", betont Gietl. Arbeiten, die Mitglieder gemeinsam geschaffen haben - wie die Krippe am Grafenwöhrer Marktplatz oder Figuren für die Krippe in der Stadtkirche - würden die Truppe noch mehr zusammenschweißen.

Ein Schnitzer braucht Kreativität, Konzentration sowie eine ruhige Hand. "Und vor allem Übung", betont Herzog. Seit etwa neun Jahren schnitzt er, an seine ersten Versuche erinnert er sich aber heute noch. Masken sollten es werden, wie er sie in einer Fernsehsendung gesehen hat. "Ich hab' gedacht, dass das bestimmt nicht so schwer ist und ich das auch kann", erzählt er. Von wegen: "Ich hab's nicht hinbekommen. Mein Bruder hat es mir dann gezeigt." Die Hilfsbereitschaft des Bruders und der eigene Fleiß haben sich gelohnt - wofür er anfangs vier Wochen gebraucht hat, schafft er heute in der Hälfte der Zeit.

Der eine lernt das Handwerk schneller, der andere langsamer. "Nicht jeder kann gleich gut mit Holz umgehen", weiß Gietl. Wie verlaufen die Fasern? Wie weich ist das Holz? Wie viel Druck, welches Werkzeug ist nötig? "Dafür braucht man ein Gefühl." Und das richtige Material: Vor allem Linden sind wegen ihres feinfasrigen, weichen Holzes bei Schnitzern beliebt. Ebenfalls begehrt seien laut Gietl Zirbelkiefern. "Die sind aber schwer zu bekommen, weil sie nicht in Deutschland wachsen."

Bei allem Gemeinschaftssinn wollen die Schnitzer dennoch ihre Fertigkeiten verbessern. Einmal im Jahr besuchen sie deshalb einen Kurs an einer österreichischen Schnitzschule. Dabei geht es nicht nur um Praxis. "Auch theoretische Grundlagen wie Anatomie und Proportions-Verteilung müssen sitzen", meint Herzog. Ein Kinderkopf ist anders aufgebaut als der eines Erwachsenen, dementsprechend anders müsse man arbeiten. "Und dazu muss man wissen, welche Werkzeuge - wir sagen dazu Eisen - sich für was eignen."

Bei größeren Schnitzereien wird das Holzstück vorher mit einer Säge zugeschnitten, bei kleineren reichen Messer und Eisen. Doch egal, ob es ein großer Weihnachtsmann oder ein winziges Schaf ist - sie sind aus Holz gemachte Zeichnungen.

Neuzugänge willkommen:

Was mit zehn Leuten angefangen hat, ist zu einer 45-köpfigen Gruppe angewachsen: die Schnitzergemeinschaft Grafenwöhr. „Allerdings sind wir kein eingetragener Verein, sondern eine lose Gemeinschaft“, betont Reinhold Gietl, der die Gemeinschaft vor 24 Jahren mit ins Leben gerufen hat. Seitdem treffen sich einmal in der Woche Hobbyschnitzer zwischen 19 und 90 Jahren im Werkraum der Grafenwöhrer Grund- und Mittelschule, um gemeinsam zu arbeiten und sich auszutauschen. „Wir sind froh, dass uns der Bürgermeister den Raum zur Verfügung stellt. Es wäre schade, wenn wir keinen Ort hätten, an dem wir uns treffen könnten.“ Genauso wichtig wie ein Arbeitsplatz sind genügend Mitglieder. Vor alle an Frauen mangelt es der Schnitzergemeinschaft. „Momentan haben wir nur vier.“

Egal, ob männlich oder weiblich – die Mitglieder freuen sich über jeden Neuzugang. Wer wissen will, ob Schnitzen etwas für ihn ist, kann bei den donnerstäglichen Treffen um 19 Uhr in der Alten Grund- und Mittelschule vorbeischauen. Informationen gibt es bei Gietl unter Telefon 0171/5375539. (esm)

Eine gemeinsame Leidenschaft verbindet Peter Herzog (Zweiter von links) und Reinhold Gietl (Vierter von links) mit anderen Mitgliedern der Grafenwöhrer Schnitzergemeinschaft.
Dem Jesuskind in der Krippe fehlt noch der Feinschliff.
Manche Figuren sind nicht mal einen Zentimeter groß.
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