23.08.2020 - 15:20 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Spendentour: Roter Teppich für Radler Michael Tiefel

Leistung entsteht im Kopf. Michael Tiefel aus Grafenwöhr hat den Kopf dafür. Mentale Stärke gegen Krebs nennt Tiefel seinen Ritt über 860 Kilometer im Radsattel. Das Klinikum Weiden rollt ihm den roten Teppich aus.

Michael Tiefel strahlt nach den Strapazen der letzten sechs Tage bei der Zielankunft am Klinikum Weiden.
von Ernst FrischholzProfil

Eigentlich wären die Champs-Élysées in Paris, auf dem die Tour-de-France-Helden ins Ziel zischen, der gebührende Rahmen für Michael Tiefel gewesen. In Weiden läuft es am späten Freitagnachmittag eine Stufe darunter, aber spürbar herzlicher. Vertreter der Kliniken Nordoberpfalz mit Personalchef Martin Neuhaus, der Medizinischen Direktorin Michaela Hutzler und Sprecher Michael Reindl haben mit Pflegepersonal die Zielankunft des Spendenradlers aufgebaut. Dort warten auch Lebensgefährtin Susanne Preißinger und die beiden Kinder Luis und Hanni. Nach der Fahrt durch das Band können sie ihren Michael wieder in die Arme schließen.

Die Krankheit besiegen

Was hat eine anspruchsvolle Radtour mit 860 Kilometern in sechs Tagen mit dem Klinikum zu tun? Tiefel ist ein gut trainierter Radfahrer, aber einer mit gewaltigem Handicap: 2001 schwerer Motorradunfall mit zahlreichen Knochenbrüchen und Tagen im Koma. Vor zehn Jahren dann die Diagnose Colitis Ulcerosa, eine chronische Dickdarmentzündung. Der 45-Jährige gestaltet sein Leben fortan neu. Tiefel, mittlerweile per Fernstudium Mentaltrainer, plant eine Fahrradtour, um zu beweisen, dass oft viel mehr in einem steckt, als man selbst denkt. Das und Spenden zu sammeln für die Krebsstation am Klinikum in Weiden sollten für ihn zugleich ein „Sieg über seine Krankheit“ werden.

Ein Bett im Maisfeld

Nach der Anreise mit dem Zug geht es am 16. August in Flensburg in den Sattel. Eine Kaffeetasse aus Blech baumelt am Gepäckträger. Die Etappen sind getaktet. Schlafen, wo es passt. Mal in einer Pension, auch einmal nahe Berlin in einem Maisfeld, in dem sich nachts auch Wildschweine breitmachen. "Da war mir schon ein wenig mulmig", blickt Tiefel zurück. In Berlin hält er einen Vortrag vor großem Publikum über seine schweren Behinderungen und wie er damit umgeht. Tags darauf wird ihm die Vorfahrt genommen, er stürzt aufs vorher schon einmal lädierte Knie.

Michael Tiefel bereitet sich vor

Weiden in der Oberpfalz

Blut läuft das Schienbein runter, berichtet er, die Schaltung ist verbogen. Er überlegt abzubrechen. "Das war ein Knackpunkt." Doch er gibt nicht auf. „Mental Power against Cancer“ ist schließlich das Motto. Freundliche Menschen motivieren ihn. "Überall wurde ich gefragt, was ich denn da treibe." Er erklärt und trinkt ein Bier mit den Menschen.

Schlussetappe in der Hitze

Die schwerste Etappe führt ihn von Leipzig nach Oelsnitz mit 1200 Höhenmetern auf 120 Kilometern Länge. Aber auch der Freitag durch den Frankenwald mit über 30 Grad Lufttemperatur nach Weiden sei eine Ackerei gewesen. Für die sechs Tage hatte Tiefel ein Spendenkonto eingerichtet, und darauf befinden sich bei der Zielankunft 3385 Euro. Geld, das er an Hutzler und Neuhaus überreicht. Es geht an die Onkologie-Station 75. Deren Personal wünscht sich einen besonderen Behandlungsstuhl für Chemo-Patienten, der diesen die Therapie erleichtern soll. Tiefel hat in seinem persönlichen Umfeld mehrere Menschen an Krebs verloren, daher ist diese Verwendung in seinem Sinn. Man sehe als Außenstehender nicht die Tortur der Patienten, sagt Tiefel. Er wollte mit seiner Tour zeigen, dass man sehr viel erreichen kann, trotz größerem Handicap.

Lebenspartnerin Susanne sowie die Kinder Hanni und Luis freuen sich, ihren Michael (von links) mit einigen Blessuren wieder bei sich zu haben.
Martin Neuhaus und Michaela Hutzler nehmen die 3385 Euro von Michael Tiefel (von links) für die Onkologie, Station 75, in Empfang.
Das Bett im Maisfeld war nachts nicht mehr so idyllisch, als sich Wildschweine breit machten.
Herzlicher Empfang für Tiefel in Berlin.

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