06.08.2020 - 14:18 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

US-Abzugspläne: Wie wichtig sind US-Amerikaner für Vereine in der Region?

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die US-Amerikaner sind in der Region verwurzelt. Auch in den Sportvereinen um den Truppenübungsplatz sind sie aktiv. Gerade die klassischen US-Sportarten könnte ein Abzug der Truppen schwächen.

Gerade in Sportarten wie American Football spielen die US-Amerikaner doch eine entscheidende Rolle.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Insgesamt leben nach Angaben der US-Armee rund 30 000 US-Amerikaner in der Region um Grafenwöhr und Vilseck. Dadurch nehmen einige auch am Leben in den Vereinen vor Ort teil. Gerade in den Sportvereinen der Region spielen Amerikaner eine Rolle und sind häufig auch Leistungsträger. Ein geplanter Truppenabzug könnte sich daher auch auf die Vereine auswirken.

Sonderfall FC Kaltenbrunn

Ein besonderer Fall ist der FC Kaltenbrunn, bei dem in der Fußball-Herrenmannschaft derzeit zwischen zehn und zwölf US-Amerikaner spielen. „Wir haben seit Ende der 1990er Jahre Amerikaner in der Mannschaft. Wir sind da inzwischen gut vernetzt“, erklärt Vorsitzender Andreas Malzer. Viele der Spieler sind Soldaten, die nach zwei Jahren wieder abziehen. „Sollte es zu einem Truppenabzug kommen, kann es schon sein, dass das gerade unseren Verein trifft“, gibt Malzer zu. Neben dem Fußball betont er auch, dass zum Beispiel beim Kinderturnen einige Amerikaner gemeldet sind, da sie auch den deutschen Kindergarten besuchen.

„Bei uns spielen schon ein paar Amerikaner Fußball, vor allem im Kinderbereich, also zwischen der G- bis hin zur D-Jugend“, erklärt Thomas Mikolei, Geschäftsführender Vorsitzender des SC Eschenbach. „Es ist aber eine überschaubare Anzahl. Oft sind es amerikanische Mädchen, die bei uns für Fußball angemeldet werden. Sollte es zu einem Truppenabzug kommen werden sie sicherlich fehlen“, sagt er.

Angst vor der "Stunde null": Region weiter geschockt wegen US-Abzugsplänen

Vilseck

US-Sportarten stärker betroffen

Stärker treffen würde es wohl auch Vereine, die Basketball oder American Football anbieten, weil es sich um beliebte Sportarten in den USA handelt. Das bestätigen auch die Vereine in der Region. „Wir haben einige Soldaten ins unserer Mannschaft. Unser Trainer besetzt zwar aus Prinzip keine Schlüsselpositionen der Mannschaft mit US-Amerikanern, dennoch wäre es leistungsmäßig ein Verlust, wenn manche wegfallen würden“, erklärt Uwe Fahncke, Football-Abteilungsleiter bei der DJK Weiden und Sprecher der Weiden Vikings.

Laut Fahncke träfe das viele American-Football-Vereine hart: „In höheren Spielklassen sind die US-Amerikaner noch viel wichtiger. Sie sind nicht nur im Spiel eine enorme Verstärkung, sondern auch im Training. Sie spielen die Sportart seit ihrer Kindheit und gerade die deutschen Mitspieler können auch im Training viel von ihnen lernen.“

Ähnlich sieht es Simon Schmidt, Abteilungsleiter Basketball bei der DJK Pressath: „Wir haben einige Amerikaner im Verein. Sie sind Leistungsträger bei uns, aber wir sind gut aufgestellt.“ Möglicherweise könnte der Verein nicht mehr so viele Mannschaften für den Spielbetrieb melden, aber von den US-Amerikanern hänge nicht das Überleben ab, stellt Schmidt klar. Eine gewisse Qualität würde natürlich verloren gehen.

Abzugspläne für US-Truppen: Kaufkraft würde Region um Grafenwöhr fehlen

Grafenwöhr

Rotation völlig normal

Alle Vereinsvertreter betonen aber auch, dass es bei US-Amerikanern schon immer eine hohe Fluktuation gab. „Sie spielen ein oder zwei Jahre bei uns, dann werden sie versetzt. Dann kommen aber neue Jungs dazu“, erklärt Schmidt. Problematisch könnte es eben werden, wenn keine Neuen mehr kommen.

Das Überleben der lokalen Sportvereine hängt nicht von der Anwesenheit der US-Soldaten und ihrer Familien ab, dennoch würde etwas fehlen. Gerade in traditionellen US-Sportarten wie American Football und Basketball oder Vereinen, wie dem FC Kaltenbrunn, zählen US-Soldaten zu den Leistungsträgern. „Auch kameradschaftlich läuft es bei uns zwischen den Deutschen und Amerikanern gut. Das ist eine intakte Beziehung“, erklärt Kaltenbrunns Vorsitzender Malzer.

Bei der DJK Pressath (weiße Trikots) spielen einige US-Amerikaner Basketball.
Beim FC Kaltenbrunn spielen seit Jahren viele US-Amerikaner Fußball.
Info:

So viele US-Amerikaner leben in der Region

Etwa 18 500 amerikanische Soldaten der U.S. Army Garrison Bavaria (USAG) mit den Standorten Grafenwöhr, Vilseck, Hohenfels und Garmisch leben derzeit „off-post“, also außerhalb des Kasernengeländes. Zu den Standorten Grafenwöhr und Vilseck zählt die US-Armee insgesamt 30 000 Amerikaner, etwa 12 000 davon sind Soldaten. Circa die Hälfte lebt außerhalb der Kasernen. Auf dem Netzaberg bei Eschenbach wohnen laut Angaben der US-Armeeetwa 2500 bis 3000 Amerikaner in 830 Wohnungen.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.