30.07.2020 - 18:51 Uhr
VilseckOberpfalz

Angst vor der "Stunde null": Region weiter geschockt wegen US-Abzugsplänen

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Der Schock sitzt in Vilseck, Grafenwöhr und der Region weiter tief. Am Tag nach der Bekanntgabe der US-Abzugspläne will kaum ein Vilsecker mehr öffentlich über das Thema reden. Die lokalen Politiker hoffen - und stellen Forderungen.

"Welcome to Rose Barracks Vilseck" steht auf einem Schild vor der Zufahrt des Truppenübungsplatzes Vilseck.
von Julian Trager Kontakt Profil

(ll/paa/jut/dpa) Auch einen Tag nach Bekanntgabe der US-Abzugspläne stehen die Menschen in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) und in der Region noch unter Schock. Egal mit wem man sprechen möchte, mit Amerikanern oder Deutschen, die im Vilsecker Lager arbeiten, - fast keiner will etwas sagen, und schon gar nicht öffentlich.

Die Stimmung in der Belegschaft ist gerade gar nicht mal so schlecht wie vielleicht erwartet, erzählt ein Vilsecker, der auf dem Truppenübungsplatz arbeitet, am Telefon. Viele haben gar nicht so große Angst vor der Zukunft, sagt er. Viele seien eh schon kurz vor der Rente. Und viele würden auch auf den November hoffen - auf eine Niederlage des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump bei der Wahl, die den geplanten Abzug wieder rückgängig machen könnte. "Die Amerikaner wollen wollen ja hier bleiben", sagt der Mann, der mit ihnen arbeitet. Aber klar, wirtschaftlich werde der Abzug die Region gewaltig treffen.

Marc Douglas kam 1985 aus Detroit nach Vilseck. Nach seiner Pensionierung 2011 blieb er in der Oberpfalz, wie er erzählt. Seine Frau ist Deutsche, seine Familie lebt hier. Douglas fühlt sich wohl. Der frühere US-Soldat hält von Trumps Plänen nichts.

Nur noch Übungsstadt?

Vor dem Rathaus in Vilseck ist der Medienandrang am Donnerstag groß. US-Präsident Donald Trump will etwa 4500 der dort stationierten Soldaten abziehen. Am Tag nach der Ankündigung hat Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl sämtliche Termine abgesagt, er gibt ein Interview nach dem anderen. Zwar sei zuvor schon darüber spekuliert worden, sagt er. Für die Region sei die Nachricht dennoch ein Schock. Der US-Truppenübungsplatz ist ein enormer Wirtschaftsfaktor. Schertl hofft, dass der Abzug abgewendet werden kann.

"Für mich ist die positive Nachricht, dass der Truppenübungsplatzplatz Grafenwöhr bestehen bleibt", sagt der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch zu Oberpfalz-Medien. Aus seiner Sicht bedeute dies, dass die deutschen Arbeitsplätze bestehen bleiben, denn diese sind beim 7. US-Armee Trainingskommando und der Garrison Bavaria angesiedelt.

Für mich ist die positive Nachricht, dass der Truppenübungsplatzplatz Grafenwöhr bestehen bleibt.

Edgar Knobloch, Bürgermeister von Grafenwöhr

Reisinger fordert Kompensation

"Der Abzug der 4500 Soldaten aus Vilseck ist kein schönes Signal", sagt Knobloch. Er setzt auf die lange Umsetzungsdauer des geplanten Abzugs. In dieser Zeit könne überall auf der Welt etwas geschehen, was alles wieder ändere. Die Bedeutung des Truppenübungsplatz Grafenwöhr sei in der Vergangenheit immer gestiegen. Er macht aber auch deutlich, dass eines nicht passieren dürfe: Dass die Oberpfälzer nur die Belastungen des militärischen Übungsbetriebes behalten und alle wirtschaftlichen Vorteile verlieren. "Wir wollen nicht nur Übungsstadt sein, wo nur noch geschossen wird."

Auch der Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger ist besorgt: "Wenn das mit dem Abzug so kommt, wäre das für uns eine desaströse Situation." Man müsse das sehr ernst nehmen, "denn so konkret bedrohlich waren die Abzugspläne noch nie". Als Landkreis hoffe man, dass es einen Plan B gebe, dass man also im Fall der Fälle innerstaatlich etwas zimmere, damit die Region eine Kompensation erhalte. "Da vertraue ich auf die Staatsregierung."

Eine Kompensation könnte laut Reisinger etwa eine Ansiedlung von Behörden oder ähnlichen Einrichtungen in Vilseck sein, und zwar genau dort, denn die Bürger hätten als Anlieger auch über viele Jahrzehnte die Belastungen durch den Übungsplatz in Kauf nehmen müssen. Die Folgen für die Garnisonsstadt schätzt der Landrat als gravierend ein: "Wenn die Pandemie-Rezession und die Wirkungen des Abzugs zusammenkommen, dann ist das fast wie eine Stunde Null."

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