10.09.2018 - 17:01 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Vorhang auf für Laien

Die Oper "Nabucco" in der Altstadt von Grafenwöhr - eine ähnlich Kulisse wird bis ins oberitalienische Verona nicht zu finden sein, verkündet Bürgermeister Edgar Knobloch. Doch das ist nicht das einzige Besondere an der Aufführung.

Kornelia Bauer (links) und Dolores Longares-Bäumler vor ihrer Verwandlung in hebräische Kriegsgefangene.
von Stefan NeidlProfil

Mit "Nabucco"von Giuseppe Verdi wurde am vergangenem Freitag eines der faszinierendsten Stücke der Bühnengeschichte aufgeführt (wir berichteten). Zu den zahlreichen professionellen Akteuren des Prager Festivalchores und den Musikern des Orchesters der Festspieloper Prag gehörten auf der großen Bühne auch zwei Laiendarsteller: Kornelia Bauer und Dolores Longares-Bäumler waren die Sieger der Verlosung der Statistenrollen von Oberpfalzmedien und Paulis Konzertagentur. Sie durften Teil des berühmten Gefangenenchors im dritten Akt werden.

Longares-Bäumler war schon auf Dutzenden von Opern. "Nabucco" hat sie bestimmt schon zehn Mal gesehen, meist sogar stilecht in Verona. Die Eschenbacherin besucht aber auch regelmäßig die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Als Statistin ist sie zum ersten Mal im Einsatz, konnte aber im Vorjahr bei dem Luther-Theaterstück in Neustadt am Kulm als Kardinal schon Bühnenerfahrung sammeln. Angst hatte sie vor dem Auftritt keine, aber ein wenig nervös wurde sie schon. Sie hoffte trotzdem, sich gut ins Ensemble zu integrieren. Als die 51-jährige von Oberpfalzmedien angerufen und darüber informiert wurde, die Statistenrolle gewonnen zu haben, war sie in einem Meeting und hatte keine Zeit, das zu realisieren. Erst später hatte sie Gelegenheit dazu, sich über ihren Sieg zu freuen. Bauer ist ein großer Opernfan, auch wenn sie bisher nur "Don Giovanni" von Mozart in Düsseldorf vor einigen Jahren gesehen hat. Öfter besucht die Grafenwöhrerin hingegen Musicals und Operetten. Auf einer großen Bühne stand sie aber zum ersten Mal, deswegen hatte sie großen Respekt vor dem Auftritt, und die Nervosität wuchs mit jeder Minute. Als sie den Anruf der Oberpfalzmedien bekam, hat sich die 52-jährige zunächst riesig gefreut, anschließend aber doch ein wenig "Bammel" bekommen.

In der Pause nach den ersten zwei Akten ging es dann los. Elena Umnus vom Veranstalter Paulis Konzertagentur sammelte die Frauen ein und führte sie hinter die Bühne. Direkt vor dem Kostümzelt lief ihnen König "Nabucco", gespielt von Martin Bárta, über dem Weg, dem Longares-Bäumler ein fantastisches Spiel bescheinigte. Dieser bedankte sich in fehlerfreiem Deutsch für das Lob.

Im Zelt angekommen, wurden sie Ensembleleiterin Olga Kokosková vorgestellt, die sich um die Einkleidung kümmerte. Mit fachmännischem Blick in den Kleiderschrank suchte sie im grellen Scheinwerferlicht der Innenbeleuchtung nach passenden Kostümen, zupfte hier und da an ihnen herum und nahm ein paar Anpassungen vor, um die hebräischen Gefangenen authentisch wirken zu lassen.

Im Zelt herrschte reges Treiben, die Aufführung war bereits im dritten Akt, die Darsteller liefen hin und her, kamen und gingen, wechselten dauernd ihre Kostüme. Die beiden "Neuen" waren ständig bemüht, niemandem im Weg zu stehen, wobei die Schauspielprofis daran gewöhnt schienen und sie in der Hektik kaum beachteten. Kokosková gab noch letzte Anweisungen: Die Hebräer sind zu harter Arbeit verdammt und beklagen ihr schönes, verlorenes Heimatland. Das hieß für die Frauen: traurig schauen, sich nicht bewegen, nicht mitsingen - der Chor ist eingespielt und soll nicht durcheinanderkommen. Ein Herr des Ensembles werde sie auf die Bühne führen und ihnen Anweisungen geben.

Dann war der große Moment da: Der Gefangenenchor betrat die Bühne. Bauer und Longares-Bäumler wurden - aus ihrer Perspektive - ganz links platziert und versuchten, einen möglichst leidenden Eindruck zu machen. Gerade Bauer fiel dies schwer. Mit zweiter Bürgermeisterin Anita Stauber saß eine ihrer Bekannten in der ersten Reihe. Als diese sie überrascht erkannte, rutschte Bauer dann doch ein Lachen heraus.

Als der Chor sich bewegte, gab es leise Anweisungen: "Turn left, turn right." Beim Schritt nach vorn gab es einen leichten Druck in den Rücken. Nach zehn Minuten war alles vorbei und die hebräischen Gefangenen verließen die Bühne. Erlöst von der Nervosität, waren die beiden Frauen zufrieden mit dem Erlebnis. Longares-Bäumler fand es aufregend, die traurige Stimmung des Liedes hat sie mitgenommen. Sie fand, als Opernfan muss man so etwas mal gemacht haben. Sie würde es wieder tun.

Bauer meinte, dass sie weniger nervös war als erwartet. Beim Lied hätte sie am liebsten mitgesungen, aber da dies untersagt war, beschränkte sie sich auf ein leises "Mitbrummen". Zum Abschied vom Prager Festivalchor gab es schließlich ein Foto mit Küsschen von "Nabuccos" vermeintlicher Tochter "Abigaille", gespielt von Liana Sass.

Maite Borchers (links), Kai Olschewski und Elena Umnus von Paulis Konzert Agentur mit den beiden Gewinnern der Verlosung.

Ensembleleiterin Olga Kokošková kleidet Bauer und Longares-Bäumler ein.

Ensembleleiterin Olga Kokošková kleidet Bauer und Longares-Bäumler ein.

Ensembleleiterin Olga Kokošková kleidet Bauer und Longares-Bäumler ein.

Die beiden als hebräische Gefangene.

Auf der Bühne: traurig zu schauen ohne mitzusingen war schwieriger als gedacht.

Auf der Bühne: traurig zu schauen ohne mitzusingen war schwieriger als gedacht.

Ins Ensemble haben sich die beiden gut integriert.

Dem Priester Zaccharias gespielt von Jurij Kruglov stahlen die beiden glatt die Show.

Zum Abschied gabs ein Küsschen von Abigaille, gespielt von Liana Sass.

Zum Abschied gabs ein Küsschen von Abigaille, gespielt von Liana Sass.

Zum Abschied gabs ein Küsschen von Abigaille, gespielt von Liana Sass.

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