26.05.2019 - 15:34 Uhr
Griesbach bei MähringOberpfalz

Stabwechsel im Revier Griesbach

Fast 40 Jahre lang leitete Hermann Köpf das Forstrevier Griesbach. Zum 1. Juni geht er in Pension. Sein Nachfolger heißt Gregor Janus und der kommt aus Leipzig.

Ab 1. Juni leitet Gregor Janus (links) das Forstrevier Griesbach. Er folgt Hermann Köpf (rechts) nach, der hier 38 Jahre der Chef war. Forstbetriebsleiter Norbert Zintl (Mitte) informierte sich über die Ergebnisse der gemeinsamen Begehungen der beiden Förster.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Drei Wochen dauerte die Übergangsphase, wo beide Förster gemeinsam das 2300 Hektar große Revier betreuten und sich austauschten. Jetzt darf Gregor Janus das weiterführen, was seine Vorgänger angelegt haben. Das heißt für den Nachfolger auch, eigene Spuren durch Verwirklichung neuer Ideen zu hinterlassen.

Das Revier Griesbach teile sich in zwei unterschiedliche Bereiche auf, erklärt der Leiter des Forstbetriebs (FB) Waldsassen, Norbert Zintl. Auf der einen Seite, Richtung Grenze, gehöre es zum Oberpfälzer Wald, mit in der Hauptsache Nadelholzbeständen. Auf der anderen Seite verlaufe es Richtung Tirschenreuth und ließe sich geografisch der Wondrebaue zuordnen. Zintl versprach dem neuen Mitarbeiter für die kommenden Jahre Arbeitsaufkommen - im Hinblick auf Holzernte, Pflege- und Kulturarbeiten. Der Betriebsleiter erklärte: "Ich bin sehr froh, dass Gregor Janus zum 1. Juni hier starten kann, um diese Aufgaben zu übernehmen, und hoffe, dass er sich ähnlich gut ins Revier einarbeitet, wie das sein Vorgänger während der vergangenen 38 Jahre getan hat. Eine sehr lange Zeit. Ich kenne niemanden, der ähnlich lange auf einem Revier war."

Hermann Köpf ist 1953 in Kempten im Allgäu geboren und stammt aus einer Molkerei- und Käserei-Dynastie. Die Familie habe auch privaten Waldbesitz im Allgäu. Mit Beamtentum habe die Familie nie etwas am Hut gehabt, wohl aber mit der Jagd. 85 Jahre lang sei ein Revier im Rotwildgebiet im Kemptener Wald in Familienbesitz gewesen. "Jedes männliche Familienmitglied ist bei uns Jäger." Ursprünglich schwebte ihm ein Revier zwischen Lindau am Bodensee und Berchtesgaden vor - der Berge wegen. Aber als er fertig studiert hatte, sei in diesen Regionen über viele Jahre hinaus keine freie Stelle in Sicht gewesen. So startete er seine Karriere an der Forstdirektion München. Ein Kollege wollte damals in die Landeshauptstadt und so bekam er, quasi durch Tausch, den Revierleiterposten in Griesbach angeboten.

"Ich kannte Waldsassen und hatte auch schon von Mähring gehört, Griesbach war mir bis dato völlig unbekannt", erklärt er. Ehefrau Eleonore arbeitete zu der Zeit in München als Betriebswirtin bei einer großen Datenverarbeitungsfirma. Es galt, sie also von der Schönheit Griesbachs zu überzeugen, was gelang.

Ankunft im Winter

Im Februar 1981 kam das Paar hier um 20 Uhr bei minus 20 Grad an, nachdem es sich mit dem VW Käfer durch Schneemassen und -verwehungen gekämpft hatte. Im Wirtshaus brannte noch Licht. Dort fragte Köpf nach dem Forsthaus. Nachdem die Stammtischbrüder und der Wirt den Fremden in der oberbayerischen Lederhose und Trachtenjanker gemustert hatten, fragte der Wirt wissend: "Bist da neie Färschda, wo?", und beschrieb ihm den Weg in sein neues Domizil.

Hier gründeten Hermann und Ehefrau Eleonore Köpf ihre Familie, zu der noch die beiden Söhne Sebastian und Alexander gehören. Am Faschingsdienstag, den 3. März 1981, trat Köpf offiziell seinen Dienst an - ohne zu ahnen, dass er hier bis zur Pensionierung bleiben würde. Angedacht seien sechs Jahre gewesen.

"Wenn ich ganz lange überlege, war es vor der Wende hier noch schöner", erinnert sich Hermann Köpf. "Totale Ruhe, kein Wanderer, kein Mountain-Biker und über der Grenze die absolute Stille und kein Flugverkehr am Himmel." Relativ wenig Wild habe es hier gegeben. "Griesbach war ein intaktes Dorf mit zwei Wirtshäusern, einer Sparkasse, einer Raiffeisenbank, mit Lagerhaus, Tankstelle, Poststelle, Handwerksbetrieben, zwei kleineren Läden, einer Schule, den heute noch existierenden Oberpfälzer Waldverein und einen super erfolgreichen SV Griesbach, der sogar in der Bezirksliga kickte." Als der Eiserne Vorhang fiel, habe sich vieles geändert. Plötzlich gab es viel mehr Wild. Die Einwanderer aus dem Osten seien anfangs überhaupt nicht scheu gewesen. "Da stand am helllichten Tag plötzlich eine Rotte Sauen 50 Meter vor dem Auto. Beim Rotwild war es ähnlich." Mit der Wende kam der Wildreichtum, so Köpf weiter. "Heute erlegen wir landkreisweit 50 mal soviel Sauen und 10 mal so viel Rotwild wie damals. Der Markt ist übersättigt und es ist schwierig, Wildbret zu verkaufen."

Gegend und Betriebsklima

Nach seiner Pensionierung leben Hermann Köpf und seine Frau im eigenen Haus in Großkonreuth. Der passionierte Jäger behält einen Teil seines ehemaligen Reviers als Pirschbezirk und verspricht seinem Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, falls er das wünsche. Außerdem sei dann Reisen angesagt. Die erste führt nach Irland. Dort arbeitet Sohn Alexander als Oralchirurg in Dublin. "Für uns der Trittstein zu Wegen abseits ausgetretener Touristenpfade. Und dann nebenbei, ganz langsam alt werden."

Gregor Janus studierte in Weihenstephan. Sein Anwärterjahr absolvierte er in Lohr am Main, bevor er am Forstbetrieb Coburg Rodenkirchen, in Nordhalben und am FB Waldsassen gearbeitet hat. Ein Jahr hat er dort das Revier Arzberg betreut. Sowohl die Landschaft als auch das Klima am Forstbetrieb haben ihm so zugesagt, dass er dachte, "dass wäre eigentlich etwas für länger". Auch ihn lockte, wie vor 38 Jahren seinen Vorgänger, die Einsamkeit der Region. Auch er hat eine Freundin. Sie muss zwar nicht groß von einem Wechsel in die Region überzeugt werden, aber hier erst einmal beruflich Fuß fassen: Sie ist nämlich ebenfalls Försterin. Infokasten

Information:

Besondere Ereignisse

Von besonderen Ereignissen in seiner fast vier Jahrzehnt dauernden Dienstzeit in Griesbach weiß Hermann Köpf zu erzählen. Er war am 18. September 1986 Ohrenzeuge, als Oberstleutnant Johann Dick an der Grenze erschossen wurde. Aus diversen Archiven ist zu erfahren, dass tschechoslowakische Grenzer, die zwei Polen an der Flucht hindern wollten, das Feuer auf den pensionierten Offizier der Bundeswehr auf bundesdeutschem Gebiet eröffneten. Anschließend verbrachten sie den 59-Jährigen auf CSSR-Territorium, wo er wenig später auf dem Transport ins Krankenhaus verstarb.

„Im Winter 1998/99 kamen immer wieder Kosovo-Flüchtlinge in die Gegend“, erinnert sich Köpf. „Die wurden von Tschechen an die Grenze geschleust und im Griesbacher Wald abgeholt. Ich habe das irgendwann mitbekommen und dem Bundesgrenzschutz (BGS) gemeldet. Wir fällten Bäume, um die Forststraße zu sperren.

Doch die Schleuser waren findig. Den Spuren nach zu schließen, haben sie ihr schweres Gefährt mindestens 400 Meter durch den Bestand an dem Hindernis vorbei getragen und sind anschließend weitergefahren.“ Einmal hätten sich BGS-Beamte dort in der Nacht auf die Lauer gelegt und 40 Leute auf einmal in Empfang genommen. „Ein anderes Mal sprangen drei vermummte Gestalten aus dem Straßengraben heraus, hielten mich an, streckten mir ein Bündel Geldscheine entgegen und sagten: ‚du fahren nach Frankfurt‘. Ich fuhr zur Dienststelle und informierte den BGS, der die drei „Tramper“ abholte.“

Ich kenne niemanden, der ähnlich lange auf einem Revier war.

Forstbetriebsleiter Norbert Zintl

Information:

Kontaktdaten von Gregor Janus:

Postanschrift:Griesbach 51 95695 Griesbach

Telefon: 09639/455

E-Mail: gregor.janus[at]baysf[dot]de

Sprechzeiten: Dienstag 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

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