12.07.2019 - 14:26 Uhr
Gronatshof/BirglandOberpfalz

"Das geht an die Substanz"

Der Wunsch nach einem neuen Wohnhaus in Gronatshof steht ganz oben auf der Liste. Hartmut Loos, dem Anfang Mai ein Brand Hab und Gut nahm, ist nicht undankbar, aber mit den Containern als Bleibe stößt seine Familie an Grenzen.

von Andreas Royer Kontakt Profil

Nachdem das Schicksal im kleinen Birgland-Dorf bitter zugeschlagen hatte, standen Hartmut Loos (41), seine Lebensgefährtin Martina Keßler und ihre vier Kinder eigentlich vor dem Nichts. Ihr Domizil - ein altes Bauernhaus, das gerade saniert werden sollte - machte ein Feuer unbewohnbar. Eine unglaubliche Welle der Solidarität traf auf die Brandleider, um Kleidung und Hausrat unbürokratisch zu ersetzen.

"Dafür sind wir von ganzem Herzen dankbar, und vor allem danken wir Bürgermeisterin Brigitte Bachmann, die sich sofort um uns kümmerte und die Hilfen koordinierte", sagen die Betroffenen. Das Gemeindeoberhaupt war am Freitag erneut nach Gronatshof gekommen, um mit der Familie, die Pläne für den Hausbau abzustimmen, für den schon bald der Gemeinderat in einer Sondersitzung die Genehmigung erteilen soll. Dann würde sich der sehnlichste Wunsch der Landwirtsfamilie erfüllen, die momentan in Wohncontainern auf insgesamt 60 Quadratmeter hausen muss. "Das geht schon gewaltig an die Substanz. Wenn ich bügle, koche oder Wäsche waschen muss, sind gleich ganze Räume in Beschlag. Das hält niemand lange aus", sagt Martina Keßler, als sie dem fünf Monate alten Korbinian die Flasche gibt.

Noch ein ganzes Jahr

"Wir machen hier vieles unkompliziert möglich, um die gröbste Not der Familie und die äußerst beengten Verhältnisse nach der Brandkatastrophe zu lindern. Das könnte nun mal mit einem möglichst zügigen Hausbau realisiert werden. Dafür stellen wir die Weichen", erklärt Brigitte Bachmann, die sich ebenfalls von der großen Spendenbereitschaft der Birgland-Bewohner, Nachbarorte, Kindergärten und Schulen überwältigt zeigte. "Höchstes Lob für diesen Zusammenhalt." Auch wenn die Pläne für den Neubau zügig die verantwortlichen Stellen passieren und das Haus entstehen kann, wird Familie Loos mindestens noch ein Jahr in den Containern, die unmittelbar neben dem modernen Kuhstall südlich des alten Anwesens stehen, verbleiben müssen.

Gronatshof/Birgland

"Zumindest sieht es jetzt nach einer Einigung mit der Brandversicherung aus, was aber ohne juristischen Beistand nicht zur Umsetzung des Neubaus geführt hätte. Die Versicherung hat eigentlich eine Sanierung ins Auge gefasst, die aber wesentlich teurer gekommen wäre, als die jetzt favorisierte Lösung", so der Milchbauer, der sich täglich intensiv um etwa 90 Kühe und ihre Kälber kümmern muss. "Wir hoffen, dass sich nun alles schnell zum Guten wendet, unsere Tage in den Containern gezählt sind und wir bald in ein neues Haus ziehen können", wünscht sich Martina Keßler gemeinsam mit ihrem Partner und ihren vier Kindern, die aus Angst vor einem weitern Brand regelmäßig ihre Spielsachen verstecken.

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