14.05.2019 - 09:16 Uhr
Gronatshof/BirglandOberpfalz

Nach Großfeuer: Familie zwischen allen Stühlen

Als er das Feuer unter dem Dach bemerkte, stürmte Landwirt Hartmut Loos mit seiner Familie aus dem Haus. Eine Woche lang durften er, seine Lebensgefährtin und die vier Kinder das Gebäude nicht mehr betreten. Bis jetzt.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Endlich ist das Haus wieder freigegeben. Hartmut Loos (41) und seine Partnerin Martina Keßler (45) können wieder hinein und das Nötigste aus der Brandruine herausholen. "Wir hatten ja nur noch das, was wir am Leib trugen", erzählt der Landwirt und Familienvater. Am Montag begutachteten Experten der Bayerischen Versicherungskammer zusammen mit Fachleuten des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung noch das verkohlte Gebälk.

Bericht über den Brand in Gronatshof

Gronatshof/Birgland

"Mein Problem ist, dass ich keine Hausratversicherung abgeschlossen hatte", erzählt Loos. "Übersehen, vergessen, ich weiß es nicht." Sonst sei alles versichert, jeder Grashalm seines Biohofes, nur eben die grundlegendsten Dinge seines Haushalts nicht. Da ärgert sich Loos natürlich über sich selbst und bedankt sich gleichzeitig für die Welle der Unterstützung, die er und seine Familie in den vergangenen Tagen erfahren haben. Das Baby ist erst zwölf Wochen alt.

Der Spenden-Aufruf der Bürgermeisterin

Gronatshof/Birgland

Noch am Abend des Unglückstages hatte Bürgermeisterin Brigitte Bachmann damit begonnen, nach einer vorübergehenden Bleibe zu suchen und Sachspenden zusammenzutragen. Das Paar und die Kinder kamen zunächst einmal beim Nachbarn unter, als Option für eine Übergangszeit schlägt die Rathauschefin eine Container-Lösung vor. "Eines ist klar", sagt Loos. "Weg von hier kann ich nicht." Er dreht sich um und schaut auf seinen Hof, erst vor kurzem hat er einen neuen Freilaufstall gebaut. Um 90 Kühe und ihre Kälber muss er sich jeden Tag kümmern. "Da bin ich voll ausgelastet. Jeden zweiten, dritten Tag kommt ein neues Kalb."

Die Fragen, wie es mit dem Haus weitergeht und wo die Familie bis zur Instandsetzung einstweilen wohnen kann, sind jetzt die drängendsten. Sachspenden gibt es erstmal genug. "Aus der Nachbarschaft und der ganzen Gemeinde sind sehr viele Dinge bei der Familie direkt abgegeben worden", berichtet Bürgermeisterin Bachmann. "Wegen Platzmangel ist es aber momentan nicht mehr möglich, weitere Kartons und Taschen anzunehmen." Möbel könnten erst entgegengenommen werden, wenn klar ist, wo die Familie für die Übergangszeit einzieht.

Für Hartmut Loos und seine Lebensgefährtin sind Tage angebrochen, die sie an ihre Grenzen bringen. Denn neben der Arbeit auf dem Hof, den Absprachen mit Ermittlern und Sachverständigen, müssen jetzt Fachfirmen und Arbeiter gefunden werden, die die Brandstelle sichern und räumen und das verbliebene Gerippe des Dachstuhls wetterfest machen. Und dann Grundsätzliches geklärt werden - ob das Gebäude überhaupt wiederhergestellt werden kann.

Die Familie war gerade dabei, das historische Bauernhaus herzurichten. Einer der nächsten Schritte wäre der Einbau einer neuen Haustür gewesen. Sie lehnt noch an der Hausmauer – vor dem Brand frisch angeliefert.

Info:

Bürgermeisterin Brigitte Bachmann hätte gerne ein Konto für Geldspenden eingerichtet, doch hier seien die bürokratischen Hürden für die Gemeinde zu hoch gewesen. Deswegen habe sie die Brandleider überredet, selbst eine Bankverbindung zu nennen: Empfänger: Familie Loos/Keßler, Iban: DE 56 7525 0000 0021 4498 71, bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach, Verwendungszweck: Brandschaden Loos/Keßler

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