Camper kommen nur schwer in Fahrt

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Die Corona-Pandemie hat das Geschäft der Campingplatzbetreiber im Landkreis Tirschenreuth zum Erliegen gebracht. Zwar dürfen sie seit Ende Mai wieder öffnen, trotzdem stehen die Unternehmer vor großen Hürden.

Die ersten Camper sind in Großbüchlberg schon da. Sie kamen kurz nach der Eröffnung Ende Mai.
von Josef RosnerProfil

Im Juni 2008 wurde der Campingplatz in Großbüchlberg eröffnet, doch so eine schlechte Phase wie derzeit haben die Betreiberfamilien Lang/Dolles noch nicht erlebt. Seit Mitte März war der Campingplatz geschlossen. Gerhard Lang und seine Tochter Andrea Dolles hatten zehn Wochen lang keine Einnahmen, ehe am 30. Mai die Anlage wieder mit strengen Auflagen geöffnet werden konnte.

"Normalerweise sind der April und der Mai mit die stärksten Monate", sagt Gerhard Lang. Auf der Großbüchlberger Anlage finden bis zu hundert Wohnmobile Platz. Trotz der Schließung kamen fast täglich Anrufe von Campern aus ganz Deutschland, die sich nach der aktuellen Lage erkundigten.

Wir hatten in den vergangenen zehn Wochen so viele Zugriffe auf unsere Homepage, wie noch nie zuvor

Andrea Dolles vom Campingplatz Großbüchlberg

Andrea Dolles pflichtet ihrem Vater bei: "Wir hatten in den vergangenen zehn Wochen so viele Zugriffe auf unsere Homepage, wie noch nie zuvor." Anfang Mai erfuhren die Großbüchlberger, dass sie ab 30. Mai wieder öffnen dürfen. Allerdings verbunden mit massiven Auflagen und einem entsprechenden Hygienekonzept. Es dürfen nur Wohnwagen kommen, die über eine eigene Sanitäreinrichtung verfügen. Auf der Großbüchlberger Anlage haben derzeit die Sanitärbereiche, also WC und Duschen in Kabinen, geöffnet. Der Wasserpool und der Außenbereich öffnen am heutigen Montag.

"Das erste Wohnmobil kam am Sonntag, 30. Mai, um 7 Uhr früh auf die Anlage. Es war ein treuer Camper aus dem Raum Hof", sagt Dolles. Seitdem ist etwa die Hälfte der Anlage mit Wohnwagen belegt, dies bedeuten rund 50 Fahrzeuge. Andrea Dolles weiß, dass für Fronleichnam sich schon viele angemeldet haben. "Dann sind wir nahezu voll belegt." Alle Camper kommen aus Deutschland, aus dem Ausland ist dies noch nicht möglich.

Gerhard Lang dankt dem Freistaat, der die Soforthilfe für das Unternehmen sofort gewährt habe. Dadurch ließ sich das Minus der Einnahmen etwas schmälern. Im vergangenen Jahr, so Lang, wurden auf seiner Anlage mehr als 20 000 Übernachtungen gezählt. "Wenn wir heuer die Hälfte erreichen, müssen wir zufrieden sein."

Großer Zusammenhalt

Die aktuellen Campingurlauber müssen restriktive Hygienemaßnahmen beachten, nur zwei verschiedene Hausstände dürfen sich begegnen, Gruppenansammlungen sind nicht erlaubt. Dolles freut sich, dass die Campingurlauber großes Verständnis dafür haben und sich geradezu vorbildlich verhalten.

Gerhard Lang verschweigt nicht, dass die Pandemie das Unternehmen um Jahre zurückwirft. Viele Camper trauen der Entwicklung noch nicht und bleiben lieber zu Hause. Dabei, so Lang, fallen Kosten auch an, wenn keine oder nur wenig Leute da sind. Dennoch sind die beiden Betreiberfamilien optimistisch, auch dieses schwere Jahr zu überstehen. Mut gibt ihnen der große Zusammenhalt der Camper. "Die lassen einen nicht im Stich." Entgegen komme dem Betrieb ferner, dass heuer viele ihren Urlaub in Deutschland verbringen.

Der Campingplatz "Erlenweiher" bei Thumsenreuth hat seit 20. Mai für Dauercamper und seit 30. Mai für Durchreisende geöffnet. Dort stehen 100 Dauerplätze und 20 Stellplätze für Durchgangscamper zur Verfügung. Wie Betreiber Karl-Heinz Kremp auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien mitteilt, herrscht derzeit noch mäßiger Betrieb. Zwar seien für Fronleichnam schon einige Reservierungen eingegangen, doch mit vergangenen Jahren lasse sich das nicht vergleichen.

"Die Leute wissen, dass sie starke Einschränkungen hinnehmen müssen. Das hält viele von einem Besuch ab", sagte Kremp. Auch er befürchtet massive Umsatzverluste: "Über zwei Monate ging rein gar nichts und jetzt läuft es langsam wieder an." Doch unterkriegen will auch er sich nicht lassen.

Vom Sibyllenbad abhängig

Für Harald Waidhas, er hat auf der Platzermühle bei Neualbenreuth 44 Stellplätze für Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte sowie weitere 36 Stellplätze beim Sibyllenbad für Wohnmobile, ist die Situation mehr als schwierig. Seit 2000 ist er im Geschäft, doch so eine schwere Zeit habe er noch nicht erlebt. "Wir sind hauptsächlich vom Sibyllenbad abhängig. Wenn dort geschlossen ist, dann ist es für uns auch schwierig", erläutert Waidhas.

Seit 30. Mai hat er wieder geöffnet, doch ist das Areal derzeit nur recht spärlich besetzt. Die Nachfrage halte sich in Grenzen, das Sibyllenbad und die sanitären Einrichtungen sind geschlossen. Normalerweise seien der April und der Mai mit die stärksten Monate. Seine Hoffnung ist das Wochenende nach Fronleichnam sowie die Monate September und Oktober, die zu den umsatzstärksten zählen. Voraussetzung dafür sei, dass das Sibyllenbad komplett öffnet.

Angst hat Harald Waidhas vor einer möglichen zweiten Coronawelle im Herbst, denn dies wäre "der Supergau". Zwar lasse sich der Umsatzverlust noch nicht genau beziffern, doch über 50 Prozent dürften es auf jeden Fall werden, rechnet Waidhas, der beide Anlagen hauptberuflich betreibt. Leicht optimistisch machen ihn Anfragen für den Herbst. "Aber so lange das Bad geschlossen ist, ist es für uns schwierig", sagt Harald Waidhas abschließend.

Auch im Landkreis Neustadt/WN haben die Campingplätze wieder geöffnet:

Flossenbürg
Gemütlich geht es beim Campen in Großbüchlberg zu.
Die Liegefläche in Großbüchlberg ist ab Montag, 8. Juni wieder benützbar. Erst dann darf der herrliche Ausblick übers Stiftland wieder genossen werden.
Zum gemütlichen Plantschen lädt der Poolbereich in Großbüchlberg ein. „Pool-Viewing“ wird ab Montag, 8. Juni wieder möglich sein.
An der Rezeption erwarten Andrea Dolles und Gerhard Lang hinter Spukschutz die Camper.
Die Betreiberfamilien vor dem Eingang zum Campingplatz in Großbüchlberg, (von links) mit Gerhard Lang, Andrea Dolles, Sohn Yannick und Gerlinde Lang.

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