So steht es um die Campingplätze im Landkreis Tirschenreuth

Campingurlaub ist spätestens seit der Corona-Pandemie im Trend. Wie aber schaut es auf den drei Campingplätzen im Landkreis Tirschenreuth aus?

Gabi Zinnecker, Heiner Hemmerich, Günter Zinnecker, Andrea Dolles, Gerlinde Lang und Andrea Dolles Sohn Yannick (von links) genießen es, endlich wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen zu können und über Gott und die Welt zu plaudern.
von Ulla Britta BaumerProfil

Bei Andrea Dolles in Großbüchlberg ist die Welt in Ordnung: Nein, überfüllt sei ihr Campingplatz in diesem Sommer nie gewesen, sagt die Betreiberin und schreibt das nicht Corona zu. Das Wetter sei halt in diesem Sommer nichts gewesen, nennt sei einen anderen Grund. Gram ist sie deshalb nicht. Viel mehr froh darüber, seit Pfingsten wieder offen zu haben. „Wir hatten über ein halbes Jahr komplett geschlossen“, sagt sie. Die finanziellen Verluste könnte nicht einmal mehr ein überfüllter Campingplatz auffangen. „Und auf Corona-Hilfe warten wir seit Dezember. Da kommt nichts mehr“, glaubt die junge Unternehmerin.

Sie hat sich tapfer allein durchgeschlagen und alles getan, was erforderlich war, sobald wieder geöffnet werden dufte. Auch wenn momentan nicht getestet werden muss, fürchtet Dolles ein wenig einen Anstieg der Coronazahlen. „Dann müssten wir wieder für die Tests das BRK herbitten“, sagt sie. An diesen Satz hängt sie sofort ein dickes Dankeschön ans Rote Kreuz für die Pfingstzeit, wo teils bis zu 70 Camper an der mobilen Teststation angestanden seien. „Hoffen wir, dass das BRK wieder kommt, falls es nötig ist. Aber der Großteil ist ja geimpft“, sagt Dolles Mutter, Gerlinde Lang.

Kalter Sommer ein Hemmnis

Ihre Tochter bestätigt das mit Zahlen. Aktuell sei nur ein Gast weder geimpft noch genesen. Gabi und Günter Zinnecker aus Würzburg sind gerade auf dem Weg, um sich an der Rezeption von Dolles ein Bierchen geben zu lassen. Das Ehepaar ist mit dem Wohnmobil hier. „Das siebte oder achte Mal“, überlegt Gabi Zinnecker. Oder öfter? Sie weiß es gar nicht mehr. Die Würzburger haben den Freizeithugl für sich als Feriendomizil entdeckt. Diesmal seien Verwandte mit, berichten sie. Schwager Heiner Hemmerich trinkt ein Bier mit, die restliche Familie ist auf Ausflug nach Tschechien unterwegs. Beide Familien haben große Hunde. Ein Pluspunkt, aber nicht allein ausschlaggebend dafür, hier Stammgast geworden zu sein. „Wir fühlen uns wie daheim“, erklärt Günter Zinnecker. „Am Wochenende bei schönem Wetter kann es eng werden“, sagt Andrea Dolles über den Besucheransturm, der angeblich momentan auf Campingplätzen herrsche. Dass mehr Neulinge als vorher kommen, die sich wegen Corona auf Camping umgestellt haben, könne sie aber nicht feststellen.

Auf der Platzermühle bei Bad Neualbenreuth meldet sich ein zufriedener Campingplatzbetreiber. Das mit den überfüllten Campingplätzen hält Harald Waidhas allerdings für ein Gerücht. "Da übertreiben die Medien. So dermaßen überfüllt waren wir nicht", sagt er. Klar sei der kalte Sommer ein Hemmnis gewesen. Sein Start im April, als noch getestet werden musste, ist bestens angelaufen. Besonders an den Wochenenden sei die Auslastung gut. Keine Sorge hat Waidhas vor den nächsten Wochen. Auch er denkt, dass die meisten Gäste geimpft seien.

Holpriger Start

"Der Start in das Camping- und Gastronomie Jahr 2021 war etwas holprig, zum einen da wir von den Ämtern immer erst in den letzten Minuten die entsprechenden Weisungen und Corona-Regeln erhielten, die dann in wenigen Stunden umgesetzt werden mussten", sagt Andreas Brustkern, einer der Pächter am Campingplatz Erlenweiher in Thumsenreuth. Zum anderen wegen der Wetterkapriolen. "Kurz umschrieben hatten wir eigentlich nur zwei Wochen richtigen Sommer, davor waren es zehn Wochen April und im Anschluss gleich der Spätherbst."

Brustkern konnte viele neue Camper begrüßen, die teils mehrmals kamen. Die geplanten Umbau- und Sanierungspläne seien leider nur teilweise umgesetzt worden wegen Lieferschwierigkeiten und Handwerkermangel. "Und dem Wetter", fügt Brustkern an. Alle Coronaregeln würden umgesetzt. Brustkern meint, in diesem Jahr sollten alle Gaststätten und Beherbergungsbetriebe einen Corona-Bonus erhalten, um die Mehrarbeit und -ausgaben kompensieren zu können. Im Mai sei man täglich vier Stunden nur mit Tests und Ausfüllen der Bestätigungen beschäftigt gewesen, auch im Gastrobereich. "Aber ich hoffe, dass es jetzt auch ohne Gastronomieverbot und Ausgangssperren in das Wintergeschäft geht", wünscht sich der Campingplatzbetreiber vom Erlenweiher.

Camping-Sehnsucht endlich wieder stillen

Großbüchlberg bei Mitterteich
In diesem Sommer waren die Campingplätze im Landkreis Tirschenreuth wie etwa der beim Freizeithugl in Großbüchlberg (Foto) nicht ständig komplett gefüllt. Die Campingbetreiber sind aber zufrieden mit den Besucherzahlen.
Schwager Heiner Hemmerich sowie das Ehepaar Gabi und Günter Zinnecker (v. li.) finden den Campingplatz Großbüchlberg bestens geeignet. Sie bringen auch ihre großen Hunde mit, die vor dem Wohnwagen von Heiner Hemmerich ausgelassen spielen können.
Am idyllischen Erlenweiher in Thumsenreuth ist die Campingsaison gut angelaufen, wenn auch die Renovierungsarbeiten nicht alle umgesetzt werden konnten. Die Betreiber können auch von vielen Camperneulingen berichten, die gleich mehrmals in den Monaten seit Mai gekommen seien.

"Da übertreiben die Medien. So dermaßen überfüllt waren wir nicht."

Harald Waidhas, Chef des Campingplatz Platzermühle

"Ich hoffe, dass es ohne Gastronomieverbot und Ausgangssperren in das Wintergeschäft geht."

Andreas Brustkern, Pächter am Campingplatz Erlenweiher

 

 

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