18.06.2018 - 19:02 Uhr

Das große Zittern

In der Oberpfalz bebt regelmäßig die Erde – auch derzeit wieder. Doch zum großen Knall kommt es nicht, beruhigt der Leiter des Geo-Zentrums an der KTB.

Dr. Frank  Holzförster zeigt die Aufzeichnung der aktuellen Schwarmbeben des Seismographen am Geozentrum an der KTB. Harald Mohr
Dr. Frank Holzförster zeigt die Aufzeichnung der aktuellen Schwarmbeben des Seismographen am Geozentrum an der KTB.

Es klirrt wieder in Oberpfälzer Esszimmerschränken: Schwarmbeben mit dem Zentrum in Tschechien sind die Ursache. Dr. Frank Holzförster vom Geo-Zentrum an der KTB beruhigt: Zum großem Knall oder gar zu einem Vulkanausbruch kommt es nicht.

Jedenfalls sehr wahrscheinlich nicht. Wissenschaftler sind da in ihrer Wortwahl sehr exakt. „Nix gwiß woas ma ned“, würde der Oberpfälzer dieses Prinzip umschreiben. Doch es gibt auch einen Grund dafür, warum die Erdbeben in unserer Region normalerweise so harmlos verlaufen, nämlich mit höchstens Stufe vier auf der Richter-Skala, was so viel bedeutet wie „Schwaches Beben“.

„Schwarmbeben sind charakteristisch für Vulkangebiete.“ Jedenfalls solche wie bei uns „ohne große Magmakammern“. Bei uns strömen vielmehr kontinuierlich Gase aus der Erdkruste nach oben, was zum Beispiel das Sprudelwasser in den tschechischen Kurorten wie Franzensbad verursacht. „Diese Gase wirken wie Schmiermittel.“

Statt des einen großen „Rumms“ mit einigen Nachbeben kommt es hier zu einer ganzen Serie kleinerer Beben, weil sich der Druck in der Erdkruste durch das „Schmiermittel“ allmählich abbauen kann. „Relativ gleiche Beben in der gleichen Region.“ Seit ungefähr zwei Wochen werden diese Schwarmbeben jetzt wieder registriert, wie lange sie dauern werden, ist unbekannt. „Das kann von einer Woche bis zu mehreren Monaten gehen.“

„Niemand außer den Messgeräten kriegt sie mit“, beruhigt Holzförster. So einen Seismographen (das kommt von altgriechisch „seismos“ für „Erschütterung“ und „graphein“ für „Schreiben“) hat auch das Geo-Zentrum an der KTB. Jeder kann dessen Aufzeichnungen live im Ausstellungsraum mitverfolgen. Das eigentliche Gerät steckt aber im Keller, in der Werkstatt. Frank Holzförster zeigt diesen der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglichen Raum.

Das Seismometer ist im Prinzip nichts weiter als ein Gewicht, dass frei aufgehängt ist. Eine Messeinrichtung nimmt dessen Relativbewegung gegenüber der Erdkruste war, weshalb das Seismometer fest im Fundament des Geozentrums einbetoniert ist. „Sonst würde es ja auch die Schritte der Schulklassen aufzeichnen, die uns besuchen.“ Natürlich hat das Seismometer auch die aktuellen Schwarmbeben aufgezeichnet. Man sieht relativ kurze Ausschläge auf dem Papier, die schnell abklingen und dabei immer kleiner werden.

Wer einmal spüren will, wie sich ein starkes Beben anfühlt, kann das auch im Geozentrum an der KTB machen. Dort steht eine Rüttelplatte, die ein Erdbeben simuliert. Die gewünschte Stärke des Bebens lässt sich einstellen. Man kann sich also auch mal richtig durchschütteln lassen.

Weitere Informationen gibt es auf www.geozentrum-ktb.de. (moh)

Info:

Erdbeben

Die Erdkruste ist fest, während der Erdmantel zähflüssig ist. Deshalb ist die Erdkruste nicht fest verankert, sondern schwimmt auf dem Erdmantel. Dabei bildet sie Kontinentalplatten, die sich gegeneinander verschieben.

Wird der Druck der Platten aufeinander zu groß, entlädt sich die Energie durch ein Erdbeben. Aber auch innerhalb der großen Kontinentalplatten gibt es Störungslinien, in denen es immer mal wieder zu kleineren Erdbeben kommen kann. In unserem Fall ist es der Egergraben zwischen Erzgebirge und Kaiserwald mit seiner „Marienbader Störung“.

Das Epizentrum dieser Schwarmbeben liegt meist bei dem Ort Novy Kostel (Neukirchen) nordöstlich von Cheb. Das bislang wohl schwerste Erdbeben geschah am 11. März 2011 in Japan mit mindestens 12 750 Toten und 14 706 Vermissten. In dessen Folge kam es auch zu einem Tsunami, der das Kernkraftwerk Fukushima zerstörte. (moh)

Wer ein richtig starkes Erdbeben fühlen will, kann das auf dieser Rüttelplatte tun. Harald Mohr
Wer ein richtig starkes Erdbeben fühlen will, kann das auf dieser Rüttelplatte tun.
Unscheinbar: Der eigentliche Seismograph steckt im Kellerboden des Geozentrums. Harald Mohr
Unscheinbar: Der eigentliche Seismograph steckt im Kellerboden des Geozentrums.
Auch die Kontinentale Tiefbohrung kreuzte mehrere Störungen. An diesem Bohrkern sieht man so eine Bruchstelle. Harald Mohr
Auch die Kontinentale Tiefbohrung kreuzte mehrere Störungen. An diesem Bohrkern sieht man so eine Bruchstelle.
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