30.10.2019 - 17:15 Uhr
GuteneckOberpfalz

Mit Kampfgeist "weißen Fleck" getilgt

Vodafone ist da, die Telekom kommt. Zehn Jahre musste die Gemeinde Guteneck um einen Zugang zum Mobilfunk-Netz kämpfen. Jetzt sorgt ein 40 Meter hoher Funkmast auf dem Herrenberg für "kristallklare Gespräche".

MdB Karl Holmeier, Vodafone-Regionalleiter Karsten Fuchs, Bürgermeister Johann Wilhelm , Christian Schilling, Landrat Thomas Ebeling, Bauamtsleiter Thomas Prey MdL Joachim Hanisch, Unternehmer Richard Viebacher und MdL Alexander Flierl (von links) freuen sich darüber, dass ein "weißer Fleck" im Mobilfunk beseitigt ist.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Bereits seit Mitte Oktober funktioniert das Handynetz über Anbieter Vodafone in der Gemeinde Guteneck. Offiziell wurde die dafür nötige Funkstation auf dem Herrenberg nun am Mittwoch in Betrieb genommen. "Das ist ein Freudentag für Guteneck", erklärte Bürgermeister Johann Wilhelm und warf einen Blick zurück auf den mehr als zehn Jahre währenden Kampf um ein Mobilfunknetz. Vodafone ist das erste Telekommunikationsunternehmen, das den von der Firma Viehbacher gebauten Mast nun mit Antennen versorgt, und zwar in 2-G- und 4-G-Technik, so dass sowohl ältere als auch neue Handys davon profitieren können. Über die LTE-Station auf dem Herrenberg kommen etwa 1000 Einwohner auch in den Genuss des mobilen Internets.

"Die Telekom soll auch noch draufkommen", kündigte Bürgermeister Wilhelm an und verdeutlichte, wie wichtig die Netzverbindung gerade bei Unfällen auf der nicht weit entfernten Staatsstraße ist. Das Grundstück, auf dem der 40 Meter hohe Mast steht, befindet sich im Eigentum von Burkhard Graf Beissel von Gymnich, als Bauherr trat die Firma von Richard Viehbacher auf den Plan. Sie hat das Gelände gepachtet und vermietet den Mast nun an Vodafone.

Guteneck kommt dabei eine Vorreiterrolle zu, denn die Gemeinde hat es geschafft, die Anbindung ans Netz zu erreichen, die beispielgebend ist für das für das bayerische Mobilfunk-Förderprogramm. "Das wäre ohne das ständige Anschieben des Bürgermeisters nicht passiert", meinte Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier beim Pressetermin auf dem Herrenberg. Auch der Bund plane, weitere 5000 Masten in ländlichen Gegenden mitzufinanzieren, informierte er mit Blick auf die Pläne im Kabinett.

"Das Modernste, was wir zu bieten haben, haben Sie bekommen", verkündete Christian Schilling, der bei Vodafone für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Er verwies auf die zwei verwendeten Techniken, die geeignet sind für Geräte von Baujahr 1990 bis 2019, versprach eine Breitband-Alternative auch für entlegene Weiler und "kristallklares Telefonieren" im Umkreis von etwa sechs Kilometern. Weil in Guteneck bereits ein Mietvertrag abgeschlossen war, kam die bayerische Förder-Initiative zu spät. "Dann würde die Funkstation aber zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht funktionieren", gab Schilling zu bedenken. CSU-Landtagsabgeordneter Alexander Flierl gratulierte der Gemeinde ebenso wie sein Kollege von den Freien Wählern, Joachim Hanisch, und Landrat Thomas Ebeling zum neuen Netz. Flierl verwies auf das nun für den ländlichen Raum "maßgeschneiderte" Mobilfunkprogramm des Freistaats. Laut Schilling sind aktuelle 29 Kommunen in den Landkreisen Schwandorf und Cham dabei, sich hier einzuklinken.

Guteneck ist da schon einen Schritt weiter, auch beim Breitband-Ausbau, und ist in wenigen Jahren von "überhaupt nicht versorgt" zu "gut versorgt" gelangt, bestätigt Thomas Prey, Bauamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Nabburg. Vor allem mit Blick auf die Besucher des Gutenecker Weihnachtsmarkt macht sich da Erleichterung breit, "und im Juni 2020 haben wir hier die Europameisterschaft der Bogenschützen", gibt Wilhelm zu bedenken.

Trotz dieser guten Entwicklung sieht man sich derzeit in Guteneck noch nicht am Ende der Ausbaustufe. Denn mit Vodafone ist zwar aus einem "weißen Fleck" ein grauer geworden aber noch lange nicht der anvisierte schwarze Fleck mit den drei wesentlichen Anbietern. Die Telekom ist dabei, aber von Telefonica gibt es noch keine Zusage. Andere Gemeinden haben in Sachen Funkloch noch einen viel weiteren Weg vor sich, das wurde anschließend beim Pressegespräch im Gasthaus Vetterl in Guteneck deutlich (siehe Info-Element).

40 Meter hoch ist der Funkmast auf dem Herrenberg, der im Umkreis von sechs Kilometern für "kristallklare Gespräche" per Handy sorgen soll.
Info:

Unterwegs zu 99 Prozent

80 Millionen Euro hat die Regierung 2018 für den Mobilfunkausbau in ländlichen Gebieten zur Verfügung gestellt, falls der Ausbau dort nicht wirtschaftlich ist. Bis 2020 sollen mindestens 1000 neue Sendestandorte in Bayern entstehen. Für Vodafone-Regionalleiter Karsten Fuchs ist man aktuell tatsächlich an der Wirtschaftlichkeitsgrenze angekommen. Immerhin bei drei Kriterien sieht MdB Karl Holmeier gute Perspektiven: an der B 85, an Bahnstrecken und in Grenznähen. Eine absehbare 94-prozentige LTE-Versorgung sei aber noch nicht genug, er fordert 99 bis 100 Prozent. Über die Zusammenarbeit der Anbieter, Abstandsflächen und das komplexe Vorgehen bei der Nutzung von BOS-Einrichtungen ging es anschließend in der Fragerunde. Und nicht zuletzt um weiße Flecken in Pamsendorf und Hohentreswitz, Trausnitz, Altendorf und Schwarzach.

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