17.06.2020 - 10:45 Uhr
Hagendorf bei WaidhausOberpfalz

Hochwasserschutz rettet Hagendorf vor Überflutung

Ausgerechnet das Straßenstück mit dem makaberen Namen „Teufelssteg“ bewahrt einen Waidhauser Ortsteil wohl vor einer Überschwemmungs-Katastrophe.

Ein Bild von der Zerstörungskraft machen sich Bauamtsleiter Christian Meier und Bürgermeister Markus Bauriedl (von rechts) an dem seit Wochenbeginn gesperrten Teufelssteg.
von Josef ForsterProfil

Fuhre um Fuhre transportierten die Mitarbeiter des Bauhofs seit Wochenbeginn in das nördliche Gebiet der Marktgemeinde. Viel Schotter wird gebraucht, um die weggespülten Straßenbankette und Feldwege rund um Reinhardsrieth wieder zu reparieren. Ein Bild vor Ort machten sich Bürgermeister Markus Bauriedl und Bauamtsleiter Christian Meier gleich zu Beginn der Arbeiten. Dabei machten sie eine wertvolle Feststellung: Die Wassermassen, die am Sonntag vor allem auf den Hängen von Wolfswinkel- und Samstagberg heruntergingen, hätten wohl mit voller Wucht die Hagendorf überflutet.

Schlimmeres verhinderte die Böschung des „Teufelstegs“ zwischen Staats- und Gemeindeverbindungsstraße. An der Engstelle des darunter querenden Raunetbachs stauten sich die Wasserfluten massiv. Ein üppiger See baute sich im Tal der dahinter liegenden Wiesen auf. Zugleich dosierte die Engstelle die bachabwärts fließenden Mengen. Sowohl der von hieraus weiterführende Mühlbach, als auch das ursprüngliche Bachbett konnten so die außergewöhnliche Wassermenge gerade noch fassen. Ohne diesen „unerwarteten Hochwasserschutz“, wie Bürgermeister Bauriedl es bezeichnete, wäre Hagendorf wohl nicht so glimpflich davon gekommen.

Bis zur Straßenoberkante reichte die Überflutung, was sich noch immer am verschlammten Gelände der Böschungskante absehen lässt. Die Kraft des Wassers war derart ausgeprägt, das letztlich auch der Unterbau des Straßenzugs und der verrohrte Bachdurchlass Schaden nahmen. Bereits am Sonntagabend riegelte die Marktgemeinde den Teufelssteg deshalb von beiden Seiten komplett ab. Der unterspülte Bereich könnte einbrechen und ein tiefes Loch zeigt sich seit dem Ablauf des überschüssigen Wassers rund um den Durchfluss in den Seitenbanketten.

Nicht nur die Regenmengen aus dem Bereich Reinhardsrieth hätten sich über Hagendorf zusätzlich ergossen. Wie Bauriedl und Meier feststellten, hätte sich dazu noch der gesamte Abfluss mit all dem Geröll aus dem Pleysteiner Kaltlohweg gesellt. Wie berichtet, war die erst kürzlich fertiggestellte Straße durch das Unwetter stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei der Ortsbesichtigung zeigte sich, dass die Wassermassen sich beim Überqueren der Gemeindegrenze zunächst über Äcker und Wiesen in tiefere Geländeeinschnitte ausbreiteten. Das dort im Talgrund Richtung Raunetsbach verlaufende Gewässer, das mit dem Namen Kaltlohbach denselben Namen trägt, wie die Verbindungsstraße nach Miesbrunn, quoll rasend schnell an. Doch auch hier fing eine weitere Straßenböschung zwischen Hagendorf und Reinhardsrieth einen gehörigen Teil des Wassers ab. Ein weit auslaufender See bildete sich im rückwärtigen Bereich in Minutenschnelle.

Sachschäden musste ein Hagendorfer verzeichnen, der Brennholzstämme von einem Meter Länge am Grunde der Straßenböschung gelagert hatte. Die Kraft des Wassers löste den gesamten Bestand auf und transportierte die Meterriegel reihenweise über die Straße hinüber und durch das Gelände, teilweise bis hinab nach Hagendorf. Nur wenige blieben weit verstreut über dem Areal des am Vortag aufgestauten Sees zurück. Wann der "Teufelssteg" wieder freigegeben werden kann, muss die Auskunft hinzuzuziehender Experten zeigen, sagte Bürgermeister Bauriedl. Eine Umleitung über die Kreisstraße nach Hagendorf sowie die Reinhardsriether Zufahrt beim „Kastanienhof“ ist eingerichtet. Nicht einbezogen werden kann die neue Straße aus Miesbrunn, da auch dieser auf absehbare Zeit gesperrt bleibt.

Kühe stehen im Wasser

Waidhaus
Herkunft der Bezeichnung "Teufelssteg":

Die Flurbezeichnung "Teufelssteg" rührt übrigens von einem Granitblock in unmittelbarer Nähe her, der frühere Generationen durch darauf befindliche Einkerbungen beflügelte. Deutlich erkennbar seien die Schulterabdrücke und noch mehr zwei Krallen des Teufels. Im Gespräch mit einer Schustersgattin aus Pleystein habe der Leibhaftige voller Wut den Stein in den Wald geschleudert. Davon erhielt auch das frühere Brücklein unweit des Steins seinen Namen. Längst ist das Brücklein verschwunden und aus dem Steg eine asphaltierte Straße geworden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.