23.02.2021 - 11:17 Uhr
HahnbachOberpfalz

Ehepaar krempelt Ärmel hoch und schafft mit Ossi-Weiher in Hahnbach Juwel

„Der is uns grod nu oganga“, auf Schriftdeutsch: „Welch überraschende Bereicherung!“ Das hört man oft in Hahnbach von Spaziergängern, die am Osterbrunnenbach flanieren. Die Begeisterung steigt, wenn sie das Schild „Königreich Bayern“ sehen.

Eine Augenweide ist die Weiheridylle von Liesl und Jürgen Göpfert beim Osterbrunnenbach in Hahnbach.
von Autor MMAProfil

Liebevoll Ossi-Weiher nennen die Einheimischen das von Jürgen Göpfert, einem gebürtigen Thüringer, und seiner Hahnbacher Frau, der Käufl Liesl, geschaffene Idyll, das seit Jahren die Blicke auf sich zieht. Ganz bewusst haben die beiden ein Türl weggelassen, so dass sich ein jeder daran erfreuen kann.

Göpfert fand, wie er selber sagt, sein „größtes Glück“, nämlich eine waschechte Oberpfälzerin, dank einer Annonce im Jahr 2009 in der Amberger Zeitung. 2008 war der ehemalige Stasikoch nach Amberg gezogen und von Anfang an von den hier lebenden Menschen begeistert. Er beschreibt sie als „bodenständig, grad heraus, zuverlässig, zäh und offen“ und lobt natürlich vor allem seine Liesl „übern Schellnkönig“. Mit ihr baute er 2010 ein Haus am Osterbrunnen und interessierte sich schon bald für den benachbarten Weiher. Doch das Gewässer war in einem recht traurigen Zustand, denn der Zulauf vom Osterbrunnenbach her war schon bald nach dem Auffüllen der einstigen kleinen Weiherkette nicht mehr funktionsfähig.

2013 legte Göpfert dem Gemeinderat unter dem damaligen Bürgermeister Hans Kummert bei einem Ortstermin ein schlüssiges Konzept für einen neuen Zulauf und einen Ablaufmönch vor. Dem besiegelten Pachtvertrag schlossen sich alsbald umfangreiche Restaurationsarbeiten an, für die sich Jürgen und Liesl vier Wochen Urlaub genommen hatten. Mit der notwendigen Hilfe von Fachfirmen, die die Marktgemeinde bezahlte, und der Hilfe von Freunden, allen voran von Hans und Ingrid Wankerl, entstand schließlich jenes Weiherjuwel, das das Ehepaar seitdem beständig pflegt und verschönert.

Als erstes wurden rund 120 Fische eingesetzt. Manche davon messen mittlerweile über einen Meter, berichtet Göpfert und zeigt sich zurecht stolz auf seine Störe, Schleien, Kois, Zander, Karpfen und Goldorfen. Im zweijährigen Turnus fischt er die Karpfen ab, räuchert sie und bereitet die Fische auf verschiedene Art und Weise zu. „Die sind dann zum größten Teil für die Nachbarn“, fügt der geprüfte Fischer an, denn: „Gott weiß alles, und die Nachbarn noch viel mehr.“ Damit spielt er auf so manches lustige Fest in und um die Hütte am Weiher an. Schon hat er dort eine Feuerstelle, ein Fasslhaus, eine Biotoilette mit einem Zwei-Kammersystem und eine Wasserleitung geschaffen.

Gern verleiht er aber auch seinen Lieblingsplatz an Familien oder Fotografen. Sogar die Marktbläser haben dort Corona-bedingt schon geprobt. Der Kindergarten war drei Tage lang zu Besuch, und ganz bewusst lud das Ehepaar auch die Asylsuchenden aus dem Gemeindebereich zum gemütlichen Kennenlernen dorthin ein. Der alljährliche Jahresabschluss der Hahnbacher SPD-Fraktion am Weiher ist mittlerweile gute Tradition und soll auch dieses Jahr wieder dort stattfinden.

Neun Hühner und ein Gockel haben an dem Gewässer ihren Freilauf, die sehenswerten Rassen Holländisches und Niederrheiner Zwerghuhn, Barnevelder und Leghuhn Exchequer sind das Hobby von Elisabeth Käufl. Auch für Schoßhund Paulchen ist sie seit kurzem die Chefin. Jürgen Göpfert ist zuständig für acht Wachteln, an die 15 Zebrafinken und ein Paar Minipapageien, die Prachtrosellas. Gern arbeitet er hier mit Hans Weiß und dessen Tierauffangstation, dem „Nest“ in Kümmersbuch zusammen.

Göpferts neueste Errungenschaft ist eine alte, aber gut erhaltene gelbe Telefonzelle. Nachdem er sich fünf Jahre lang darum bemüht hatte, bekam er sie im vergangenen Jahr vom Ottmannsfelder Großbauern Dieter Dehling sogar geschenkt. In der Nord-Ost-Ecke des über 800 Quadratmeter großen Areals informiert sie nun in Wort und Bild und Präparaten über die Tierwelt im und um den Weiher. Zu sehen sind etwa ein präparierter Karpfen und ein Hecht, auch eine Wachtel mit Eiern sowie ein Fasan. Schaukästen mit Schmetterlingen, Bienen und Maikäfern sowie der Abdruck eines versteinerten Fisches aus dem Nachlass des Hahnbacher Schulbedarfs von Heinz Schödl schmücken den auffälligen Kubus, der sogar noch ein altes Telefon aufweist.

„Ein Jeder darf sich alles gern anschauen“, betont Jürgen Göpfert. „Allergisch reagiere ich nur auf Müll und Hundekot“, setzt er hinzu. Ein Mülleimer und eine eigene Hundetoilette seien ja extra vorhanden.

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Jürgen Göpfert verschönert Hahnbach und erweitert das Wissen mit den Exponaten in seiner Telefonzelle.
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