16.02.2021 - 15:07 Uhr
DieterskirchenOberpfalz

Der Heimwerker-König von Dieterskirchen

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Uli Fuchs ist ein echter Trendsetter, macht aber kein großes Ding daraus. Seit Jahren haucht er Sperrmüll neues Leben ein und erschafft ganz eigene Deko-Kreationen. Die kommen bei den Leuten richtig gut an.

Ulrich Fuchs aus Dieterskirchen macht aus ausrangierten Gegenständen echte Schmuckstücke - wie aus diesem alten Fahrrad.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

"Upcycling" - zu deutsch "aufwerten" - das ist eine Handwerksart bei der man aus alten, ausrangierten Sachen, neue, interessante Stücke macht. Alte Holzdielen werden so schnell zu einer Tischplatte und Küchenregalen oder ein ausgedientes Fahrrad zu einem Blumenständer. Dieser Trend findet sich in den Sozialen Medien, vor allem auf Pinterest und Instagram, aber auch in zahlreichen Büchern wieder.

"Schnapsideen und Geistesblitze"

Einer der schon seit Jahrzehnten "upcycled", es aber nicht so nennt, ist Ulrich Fuchs aus Dieterskirchen. Der gelernte Schreiner und Maschinenführer werkelt für sein Leben gerne - und das schon seit Kindertagen. Kein Sperrmüll ist vor ihm sicher, und selbst beim Ausräumen von alten Wirtshäusern oder Stodln findet er noch richtige Schätze. "Das sind alles Schnapsideen, Geistesblitze die plötzlich in meinem Kopf sind", sagt Fuchs. Diese "Schnapsideen" sind aber richtig beliebte Teile wie Kerzenständer, beschriftete Fenster, umfunktionierte Notenständer oder ein ausgedienter Sessel vom Sperrmüll, überzogen mit alten Jeans - den sich gleich die Tochter geschnappt hat. Seine Frau würde schon schimpfen, weil er immer wieder neue alte Sachen mit nach Hause bringt, sagt der 57-Jährige mit einem Augenzwinkern. Der Keller und auch die Garage seien nämlich schon voll, an einem Gartenhaus und damit neuem Stauraum arbeitet Fuchs gerade - natürlich mit gebrauchten Fenstern, einer besonderen, alten Massivholz-Tür mit schmiedeeisernen Details und Schnitzereien, die er aus einer Wirtshausauflösung hat und einer alten Hobelbank, die er von einem Bauern bekommen hat. "Sowas bekommt man heutzutage gar nicht mehr", ist Fuchs stolz auf seine Ausbeute.

Redakteurin Stephanie Wilcke zeigt ihren selbstgebauten Clubsessel

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Haus-und-Hof-Dekorateur

Auch bei den Dieterskirchenern sind seine Schöpfungen beliebt. "Wenn ein Fest ist werd' ich gefragt, ob ich das gestalten kann", erzählt Fuchs. Er stellt Schmuckstücke wie Kerzenständer und Deko-Fenster nicht nur her, sondern setzt sie auch gekonnt in Szene. "Für mich muss es halt nach was ausschauen", betont Fuchs. Und "nach was ausschauen" tut es dann auch: Egal ob die Weinlaube am Gartenfest, das Pfarrheim an Weihnachten oder gleich die ganze Kirche - Mit Fuchs Ideen wird jede Zusammenkunft in der Gemeinde besonders "urig", wie er die Atmosphäre gerne beschreibt.

Fuchs arbeitet mit Holz, Metall, Stoff, Glas - mit allen Materialien, die er so auftreiben kann und auch ganz viel mit natürlicher Dekoration aus Ästen, Zweigen und Moos. Praktisch, denn er wohnt an der Quelle. Nicht weit von seinem Haus entfernt liegt der Wald. Manchmal würden die Leute schon gucken, was er da wieder hinter sich herzieht, sagt Fuchs lachend.

Seine Werke zu verkaufen, habe Fuchs schon probiert - Interessenten gäbe es genug. Doch der Preis für den enormen Arbeitsaufwand ist vielen Leuten zu hoch. Deshalb bleibt es bei einem Hobby, es soll ja auch noch Spaß machen.

Gerade während des Lockdowns nutzt Fuchs die Zeit für neue Ideen, nachdem viele Stücke erstmal auf ihren Einsatz warten müssen - wie die neuen Blumenständer für den Dieterskirchener Kindergarten. Die Einweihungsfeier ist coronabedingt ausgefallen - wie so viele Veranstaltungen, bedauert Fuchs.

Nicht nur Männer haben im Keller eine Werkstatt

Poppenricht

Immer neue Projekte

Angst, dass ihm die Ideen ausgehen, hat der Dieterskirchener nicht. Er hat immer wieder neue Gedankenblitze. Auf Zeitschriften oder Bücher greife er nicht zurück. "Es ist manchmal anders herum. Wenn ich was mache, machens ein paar Wochen später andere auch. Das ist schon verrückt", sagt Fuchs schmunzelnd. Mit seinen ausgefallenen Kreationen ist er also schon lange ein Trendsetter, ohne darauf aus zu sein. Die erstaunten Blicke und leuchtenden Augen der Betrachter sind Fuchs Lohn genug. Was er tut, macht er mit Leidenschaft und es ist ein Ausgleich zu seiner Arbeit. "Burnout bekomme ich jedenfalls keins", meint er lachend. Bald wird der Schaukasten vor seinem Haus wieder auf Vordermann gebracht. "Im Frühling. Dann können die Leute schauen, was der Fuchs wieder gemacht hat."

"Das sind alles Schnapsideen, Geistesblitze die plötzlich in meinem Kopf sind."

Ulrich Fuchs

Ulrich Fuchs

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