13.04.2020 - 13:26 Uhr
HahnbachOberpfalz

Hahnbacher Ortsfamilienbuch veröffentlicht

Andreas Sichelstiel aus Irlbach arbeitete alte Kirchenunterlagen von Hahnbach durch – drei Jahre lang. Nun gibt er ein Buch dazu heraus.

Der lilafarbene Einband des Ortsfamilienbuchs kommt nicht von ungefähr: Zum Ende des 16. Jahrhunderts war Hahnbach evangelisch geprägt und entsprechend passt lila (als Farbe der Reformation) perfekt ins Bild, erklärt Andreas Sichelstiel.
von Tatiana SichelstielProfil

Ein Mann wird zur Ehe gezwungen, ein Taufpate als säumiger Kirchgänger gebrandmarkt. Solche Kuriositäten findet man nicht nur bei Facebook, sondern auch in 450 Jahre alten Kirchenbüchern. Natürlich geht es nicht nur um solche Nebenschauplätze, sondern vielmehr um das Who is who vergangener Jahrhunderte. Wer heiratete wen? Wer wurde wann getauft? Für Orts- und Familienforscher ist dieses schriftlich fixierte Wissen eine wertvolle Grundlage.

Vor fünf Jahren stellte der freiberufliche Familienforscher Andreas Sichelstiel aus Irlbach eine in einem Buch zusammengetragene Lose-Blatt-Sammlung des Hahnbacher Pfarrers Franz Seraph Kutschenreiter vor. Der Geistliche hatte sich im 19. Jahrhundert die Mühe gemacht, Hahnbacher Familien zwischen 1572 und 1900 chronologisch in einer Art Register zu erfassen. Sichelstiel gab den unzähligen handgeschriebenen Seiten ein Gewand in Form eines Buches. Als er die Aufzeichnungen bearbeitete, stellte er fest, dass der Verfasser sehr willkürlich und rudimentär Einträge aus dem Kirchenbuch ausgewählt hat. "Beim Abschreiben des Manuskripts wurde mir klar, dass man die Daten wirklich umfassend auswerten müsste", sagt der Irlbacher. So habe Kutschenreiter keine genauen Sterbe-, Tauf- und Hochzeitsdaten der einzelnen Familienmitglieder genannt, sondern nur das Jahr notiert und auch sämtliche Taufpaten und -zeugen sowie Todesursachen weggelassen.

So begann Sichelstiel, jeden Eintrag der originalen Kirchenbücher, in denen Taufen, Heiraten und Sterbebekundungen der Pfarrei zu finden sind, in Gänze zu erfassen und die Personen miteinander zu verknüpfen. "Ich habe alle Daten in ein spezielles Programm eingegeben und jeder Person Ehepartner, Eltern und Kinder zugeordnet und sogar die Taufpaten und -zeugen und auch sonstige Personen mit zusortiert. So entstand ein digitales Netz, weil die Personen untereinander in vielfältigen Beziehungen stehen", erklärt der Autor. Somit ist sogar das damalige Sozialgefüge Hahnbachs virtuell neu erstanden. Nach über dreijähriger Arbeit ist nun der erste Band des Familienbuches gedruckt worden. Auf den über 200 Seiten sind alle Einträge von 1572 bis 1596 zu finden, die in den Kirchenbüchern jemals dokumentiert wurden. Umfassend, alphabetisch und chronologisch sortiert, mit Querverbindungen und Register.

So kann jede Person gefunden werden. Und nicht nur die Person selbst, sondern auch skurrile Geschichten wie die des herbeigezerrten Ehe-Unwilligen, der wegen der Verweigerung sogar im Gefängnis saß und es danach schaffte, zu entkommen.

Das Ortsfamilienbuch (ISBN 978-3-86424-494-0) kann über Andreas Sichelstiel (09664/95 46 556) bezogen werden. Es kostet 34,95 Euro. Es ist geplant, einige Exemplare an die Marktgemeinde und die Pfarrei zu übergeben. Die weiteren Bände, die einen Zeitraum von etwa 450 Jahren umfassen werden, sind schon in Arbeit. "Aber das ist ein Lebenswerk", gibt Sichelstiel zu bedenken.

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