Hahnbach
19.04.2022 - 14:32 Uhr

"Kirche und Wirtshaus mit Pfiff" macht in Hahnbach Station

Kuriose Geschichten und symbolträchtige Legenden weiß Heimatpflegerin Marianne Moosburger über die Bilder in der Hahnbacher Pfarrkirche zu berichten. Bild: ero
Kuriose Geschichten und symbolträchtige Legenden weiß Heimatpflegerin Marianne Moosburger über die Bilder in der Hahnbacher Pfarrkirche zu berichten.

Bei „Kirche und Wirtshaus mit Pfiff“ erzählte die örtliche Heimatpflegerin Marianne Moosburger Interessantes über die Hahnbacher Pfarrkirche und das Gasthaus Ritter. In der großen St.-Jakobus-Kirche sorgte Wolfgang Rau mit zu den Epochen passender Orgelmusik für den besonderen Pfiff. Katja Stiegler von der AOVE freute sich sichtlich, dass die Veranstaltung gut besucht war. Mehrere Bildungswerke hatten in die Pfarrkirche eingeladen, deren Ursprünge bis in die Romanik reichen. Kreisheimatpfleger Dieter Dörner betonte, dass „Wirtshaus und Kirche schon immer eine Einheit waren“.

Marianne Moosburger referierte über den „Dom des Vilstals“, wie die Hahnbacher Pfarrkirche auch oft genannt wird. Nach einem kurzen Abriss über die Geschichte des Marktes und der Kirche wusste sie von symbolträchtigen und durchaus kuriosen Wandgemälden in der Kirche zu erzählen: von Dämonen, Teufeln, wachsweichen Steinen, explodierenden Drachen, Wiedererweckten und von gebratenen Tauben, die davonflogen, um die Unschuld eines gehenkten Mannes zu beweisen. Neben diesen Bildern wartet die Kirche zudem mit einem sogenannten Heilig-Geist-Loch auf, durch das man bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hölzerne oder gar lebende Tauben an Pfingsten eingelassen hatte. Manches erstaunte: So werden in dem Taufbecken, das der evangelische Pfarrer Thomas Raselius zu seiner Zeit errichten ließ, heute noch die Katholiken der Gemeinde getauft. „Wenn das nicht echte Ökumene ist“, stellte Moosburger fest.

Für Meditation sorgte Wolfgang Rau. Er entlockte der Hahnbacher Orgel Klangfarben, die man sonst im Gottesdienst nicht zu hören bekommt. In vier kurzen Stücken erklangen unbekannte Register und Melodien, was am Ende mit begeistertem Applaus belohnt wurde.

Nach der Führung ging es noch in das Gasthaus Ritter, dessen Nachweis als Wirtshaus am gleichen Ort bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. In wechselvoller Geschichte wandelte es sich vom „Roten Ochsen“ zum „Weißen Ross“ und war wiederholt das Haus des Vogteiführers, Bürgermeisters und Kirchenprobstes. Selbst eine Metzgerei und eine Pferdewechselstation beim „königlich-kaiserlichen Posthalter“ gehörten im 18. Jahrhundert dazu. 1837 baute Georg Heser eine neue Brauerei, die nach einem fast frostfreien Winter 1873 aufgeben wurde, da kein Eis zur Kühlung in den Weihern gehauen werden konnte. Seit 1884 heißen die Nachkommen Ritter, derzeit führen Josef und Martina Ritter mit Bruder Anton und Schwägerin Marianne Ritter den Betrieb.

Marianne Moosburger, eine der Wirtstöchter, wusste zudem manche Geschichte ums Wirtshaus zu erzählen. So fand zum Beispiel 1723 ein Landrichter, den man fast gelyncht hätte, dort Zuflucht. Auch verstarb im Gasthaus 1810 Fürst Wilhelm Florentin von Salm-Salm, ein Erzbischof von Prag, was eine große Leichenzeremonie nach sich zog. Nach weiteren Anekdoten gab das „Wirtsmoidl“ noch ein paar Wirtshaus-Witze zum Besten.

 
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