06.02.2019 - 17:30 Uhr
HahnbachOberpfalz

Thema in Hahnbach: Die Sorgen des Handwerks

Datenschutz und Haustürgeschäfte, Schwarzarbeit und fehlender Nachwuchs: Die Handwerker haben einiges auf dem Herzen. Antworten erhoffen sie sich von der Politik.

Firmenchef Karl Standecker zeigt an Beispielen die Hürden der Datenschutz-Grundverordnung für Handwerksbetriebe auf.
von Helga KammProfil
Politiker stehen Handwerkern Rede und Antwort (von links): Klaus Mrasek (ÖPD), MdL Jürgen Mistol (Grüne), MdL Tobias Gotthard (FW), Annette Karl (SPD), MdB Ulrich Lechte (FDP) und Christian Doleschal (CSU).

Es war das zweite Werkstattgespräch, zu dem Rollladen- und Fensterbauer Karl Standecker eingeladen hatte. Gekommen waren Meister und Mitarbeiter von Handwerksbetrieben, deren Fragen Politiker beantworteten: FDP-Bundestagsabgeordneter Ulrich Lechte, die Landtagsabgeordneten Annette Karl (SPD), Tobias Gotthardt (Freie Wähler) und Jürgen Mistol (Bündnis 90/Die Grünen), ÖDP-Landesvorsitzender Klaus Mrasek und JU-Bezirksvorsitzender Christian Doleschal.

Zahlreiche heikle Themen kamen in den zwei Stunden auf den Tisch: Datenschutz und Haustürgeschäfte, die drohende Abschaffung des Meisterzwangs, Schwarzarbeit, der fehlende Nachwuchs und die immer geringer werdende Wertschätzung des Handwerks. Kritik galt insbesondere der EU für Verordnungen, "die nützlich sind für die Industrie, dem Handwerk aber schaden". Dass die Datenschutz-Grundverordnung in ihrer jetzigen Form keinen Sinn ergebe, darin waren sich Annette Karl und Tobias Gotthardt einig. Allerdings brauche es bei mancher Vorgabe keinen "vorauseilenden Gehorsam". Es sei ihm kein Fall bekannt, in dem es eine Anklage gegeben hätte, sagte Jürgen Mistol. Man habe die multinationalen Konzerne treffen wollen, betonte Mrasek - und müsse nun das Ergebnis hinterfragen.

Für eine zeitliche Befristung von Verordnungen sprach sich Ulrich Lechte aus. Und für die Überprüfung von Erfolg oder Misserfolg. "Mehr ordentliches Handwerk bei der Gesetzgebung", wünschte sich Christian Doleschal, Sein Credo: Die kleinen Dinge vor Ort regeln, die großen in der EU. "Wir sind nicht gefragt worden", beklagte Karl Standecker manche Gesetzgebung, und einer seiner Handwerker-Kollegen fügte hinzu: "Selbst unsere Kammern wissen nicht, um was es geht." Das war der Auftakt zu einer massiven Kritik an der zuständigen Handwerkskammer: Sie sei keine Lobby für ihre Mitglieder. Laut Standecker hatte sie auch die Einladung zum Werkstattgespräch ausgeschlagen.

Thematisiert wurden außerdem Facharbeitermangel und Akademikerschwemme. Die Politiker forderten, man müsse den Eltern klar machen, dass das Handwerk goldenen Boden habe. Sie beklagten aber auch die Abwertung des Hauptschulabschlusses und die oft mangelnde Bereitschaft von Schulen, für Handwerksberufe zu werben. "Mit am Tablet kann i net hobeln", beschrieb Gotthardt die fehlenden handwerklichen Fähigkeiten junger Menschen. Doleschal forderte, die Wertschätzung für Hauptschule und Handwerk müsse parteipolitisch in Angriff genommen werden. Annette Karl stimmte da zu: "Mittelschulen müssen ein Schwerpunkt der Aufgaben des Kulturministeriums sein". Das forderte auch Birgland-Bürgermeisterin Brigitte Bachmann, die die Diskussion als Gast verfolgte.

Nach rund zwei Stunden hätte es immer noch Themen gegeben: die kostenlose Meister-Ausbildung, die Mindestanforderungen beim Übertritt in höhere Schulen oder die umstrittene Verordnung, dass bei unter 14-jährigen Schülern Betriebspraktika als Kinderarbeit eingestuft werden. "Wir kommen wieder", sagte Karl, und auch Gastgeber Standecker will "dranbleiben". Wenn möglich bei einem erneuten Werkstattgespräch im kommenden Jahr. Hintergrund

Im Blickpunkt:

Meister als "Siegel für Qualität"

„Stinksauer“ sei er, sagte Karl Standecker, als bei dem von ihm initiierten Werkstattgespräch von Handwerkern und Politikern die mögliche Abschaffung des Meisterzwangs zur Sprache kam. Die Aussage der vom Bundestag eingesetzten Monopolkommission, der Meister tue nichts, sondern nur seine Gesellen, sei die Ansicht von „Studierten“, die vom Handwerker-Alltag keine Ahnung hätten, monierte er. Die Politiker-Runde gab ihm recht, betonte aber, momentan gebe es keinerlei Angriff auf den Meisterbrief, eher Bestrebungen, die verloren gegangenen wieder zu reanimieren. Tobias Gotthardt, Landtagsabgerodneter der Freien Wähler, ging noch einen Schritt weiter: Er würde gern das Meister-Modell auf ganz Europa übertragen – als ein „Siegel für Qualität“.

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