16.11.2020 - 13:17 Uhr
Haidenaab bei SpeichersdorfOberpfalz

Wiederkehr eines Krieges verhindern

Welche Opfer der Zweite Weltkrieg in der Gemeinde Speichersdorf gefordert hat, zeigte sich bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Haidenaab. Neben den Reden stand ein Stahlhelm im Mittelpunkt.

Zweiter Bürgermeister Rudi Heier, Heimatforscher Werner Veigl, Feuerwehrvorsitzender Dieter Popp, Fahnenträger Markus Popp, Kommandant Christoph Emmerig, Fahnenträger Stefan Busch, Feuerwehr-Schriftführer Michael Flögel und Amadeus Hübner von den Speichersdorfer Musikanten (von links) sorgten für eine symbolträchtige Gedenkfeier unter coronagerechten Bedingungen.
von Autor HAIProfil

"Wir gehören nicht der Nacht und der Finsternis", zitierte Pfarrer Reinhard Forster in seiner Predigt zum Volkstrauertag den heiligen Paulus. "Wir sind Kinder des Lichts und sind verpflichtet, uns Frieden und Versöhnung zu schenken." Die Krieger- und Soldatenkameradschaft um Vorsitzenden Roland Veigl setzte mit einer würdigen Gedenkfeier trotz Corona einmal mehr ein Zeichen der Erinnerung und der Mahnung.

Viele Haidenaaber und Göppmannsbühler gedachten trotz begrenzter Platzzahl, Abstandsregeln und Mund-Nase-Schutz ihrer Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege. "Wohin soll ich mich wenden", ließ die Organistin Alicia Weber zum Auftakt des Gottesdienstes in der St.-Ursula-Filialkirche erklingen. Stephan Veigl betete in den Fürbitten.

Hoffnung auf Versöhnung

Roland Veigl erinnerte an die Opfer aller Völker von Gewalt und Krieg. Er gedachte auch der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, und besonders derjenigen, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. Veigl erinnerte an alle, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet oder an ihrer Überzeugung festgehalten haben, und an die Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren haben. Nicht zuletzt gedachte er allen verstorbenen Kameraden der Krieger- und Soldatenkameradschaft Haidenaab-Göppmannsbühl. "Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt", so der Vorsitzende.

Zuvor hatte Zweiter Bürgermeister Rudi Heier unterstrichen, dass 75 Jahre Frieden in Europa keine Selbstverständlichkeit seien. Umso wichtiger sei es, das Gedenken an die Gefallen und Vermissten der Weltkriege stets mahnend in Erinnerung zu behalten. Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um so eine völkerzerstörende Wiederkehr zu verhindern.

Name auf Innenseite entdeckt

Von den Speichersdorfer Musikanten ließ Amadeus Hübner auf seiner Trompete vor dem Kirchenportal das Lied "Ich hatt´ einen Kameraden" erklingen. Für die gefallenen und vermissten Soldaten aus Haidenaab, Göppmannsbühl, Lettenhof und Beerhof legten Veigl und Heier zwei aus Trockengehölzen geflochtene Herzen an einem eigens von Heimatforscher Werner Veigl aus Birkenholz gestaltetem Grab mit Kreuz des unbekannten Soldaten nieder. Am Kreuz mit Trauerflor war ein Stahlhelm mit einem Einschussloch befestigt, der im Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich einem Martin Pöllath aus Göppmannsbühl gehört hat, berichtete Werner Veigl.

Über die Bedeutung des Volkstrauertages sprach auch Kameradschaftsvorsitzender Roland Veigl

Speichersdorf

Bei der Lackierung des Helmes hatte Christian Veigl an der Innenseite den Familiennamen Pöllath und den Buchstaben "M" entdeckt. Der Stahlhelm gehörte damit mit großer Wahrscheinlichkeit einem der drei Brüder Martin, Josef und Peter Pöllath, die alle drei im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Sie haben bis heute noch kein würdiges Grab gefunden, so Werner Veigl. Wie der Stahlhelm nach Goppmannsbühl gekommen ist, ist unbekannt.

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