Bombe, die zweite: Erneut Blindgänger bei Amberg gefunden

"Bitte verlassen Sie ihre Wohnungen!" Lautsprecher-Durchsagen tönen am Montag durch die Straßen von Haselmühl: "Im Ganghoferweg wurde eine Fliegerbombe gefunden." Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche.

Manchem kam es wie eine Wiederholung vor, doch es war ein neuer Fall einer Blindgänger-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg: Am Montag mussten deshalb erneut Teile von Haselmühl evakuiert werden. Am Abend aber war die Bombe entschärft: Sprengmeister Michael Weiß und seine Kollegin Bettina Jurga (Mitte) gaben Entwarnung.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hatte am vergangenen Mittwoch für Aufregung in Haselmühl gesorgt. Die 225-Kilo-Fliegerbombe war bei Baggerarbeiten auf einem Grundstück am Ganghoferweg entdeckt worden. Am Montag dann untersucht Thomas Willner von der Kampfmittelräumfirma Tauber die Fläche erneut. Wo eine Bombe liegt, sind weitere nicht auszuschließen.

Quadratmeter für Quadratmeter arbeitet sich der Spezialist voran. Fünf Mal schlagen seine Geräte an. Die Experten beginnen zu buddeln. An vier Stellen stoßen sie lediglich auf Splitter von detonierten Bomben oder Schrott, doch dann werden sie fündig: in etwa zwei Metern Tiefe ruht eine zweite Bombe des selben Typs. Erneut heißt es: evakuieren.

In einem Radius von 500 Metern um die Fundstelle wird eine Sperrzone errichtet. Auch das Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt ist wieder betroffen. 82 Bewohner müssen in eine Notunterkunft nach Ebermannsdorf gebracht werden. „44 Senioren sind auf einen Rollstuhl angewiesen, elf können nur liegend transportiert werden“, erklärt Abschnittsleiter Heinz Renz. Ein Citybus und Fahrzeuge der AWO sowie des Bayerischen Roten Kreuzes sind im Einsatz. „Jeder Bewohner bekommt seine Medikamente für 24 Stunden mit“, sagt Renz. „Wir wissen ja nicht, wann wir zurück können.“

Die Bilder zum Einsatz

Für die rund 1500 evakuierten Haselmühler wird im Jugendzentrum Klärwerk wieder eine Betreuungsstelle eingerichtet. „Dort sind wir am Mittwoch schon gut versorgt worden, auch mit Informationen“, erzählt Alfred Bantle, der zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage sein Zuhause verlassen muss. Ganz gelassen sehen die Evakuierung auch Brigitte und Ludwig Knauth, die mit ihrer Enkelin Lisa Großmann auf die Entschärfung der Bombe warten. Dokumente oder viele Habseligkeiten haben sie nicht mitgenommen. „Wir kommen ja wieder heim“, sagt Brigitte Knauth überzeugt.

Und sie behalten recht. Gegen 18.45 Uhr gibt Polizeihauptkommissar Florian Beck von der Pressestelle der Oberpfälzer Polizei Entwarnung: „Die Bombe ist entschärft.“ Die Vilstalstraße wird frei gemacht, alle Sperrungen aufgehoben.

Sprengmeister Michael Weiß und seine Kollegin Bettina Jurga berichten von einer problemlosen Entschärfung. Alles sei nach Plan verlaufen. Sie hätten die Zündkerzen unterbrochen und die Bombe geborgen. „Warum sie damals nicht explodiert ist, weiß ich nicht“, erklärt Weiß.

Amberg

300 Einsatzkräfte von Polizei, THW, Feuerwehr und Rettungsdienst waren am Montag im Einsatz. Den Ehrenamtlichen, aber auch allen Anwohnern spricht Florian Beck einen besonderen Dank aus. „Alle haben gut mitgemacht“, betont er. „Wir hatten jetzt schon Übung.“

Haselmühl bei Kümmersbruck

Bei den Grundstücksbesitzern liegen die Nerven auch nach der Entschärfung blank. Weiterhin sei nicht geklärt, wer die Kosten für die Einsätze trägt. Auch Thomas Willner hat schlechte Nachrichten: die Sondierungsarbeiten sind noch nicht vollständig abgeschlossen. Der Boden entlang angrenzender Gebäude, Zäune und Mauern muss noch untersucht werden. Dafür werden spezielle Gerätschaften benötigt. Ein Termin für diese Arbeiten steht noch nicht fest.

Haselmühl bei Kümmersbruck
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