Nach Bombenfund in Haselmühl: Anwohner blicken zurück

Zehn Stunden hielt eine 225-Kilo-Fliegerbombe am Mittwoch die Anwohner in Haselmühl - und darüberhinaus - in Atem. Im ehemaligen Gemüsegarten einer Familie am Ganghoferweg lag sie seit dem 9. April 1945. Wenige Zentimeter unter der Erde.

Eigentlich sollte die Baugrube in Haselmühl am Freitag fertig ausgehoben sein. Als der Bagger an der Ecke rechts oben knabberte, kam die 74 Jahre alte Fliegerbombe zum Vorschein. Seitdem ruhen die Arbeiten.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Das Grundstück in Haselmühl, auf dem ein Baggerfahrer am Mittwoch eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden hatte, findet man auch ohne die genaue Adresse. Eine angefangene Baugrube, ein Bagger, der stillsteht, Absperrband. Eher unscheinbar eine kleine Vertiefung, in der die Bombe lag. Zwei Tage danach ist in der Evakuierungszone Alltag eingekehrt. Bei der Familie, in deren einstigen Garten jahrzehntelang die Bombe schlummerte, noch nicht so ganz. Den Schock sieht man ihr an.

"Jetzt im Nachhinein denkt man erstmal darüber nach, neben was wir seit 35 Jahren gewohnt haben", sagt die Mutter. So einige Zufälle werden ihr klar: Die Elektroleitung, die beim Hausbau Mitte der 1980er-Jahre verlegt wurde, führte nur wenige Zentimeter an der Bombe vorbei. Außerdem wurde der Bereich in früherer Zeit als Kartoffelacker genutzt. Die Bombe lag nur etwa 60 oder 70 Zentimeter unter der Erde. Sie hätte schon viel früher gefunden werden können. Rückblick auf Mittwoch: Im ehemaligen Garten der Familie verrichtet ein Baggerfahrer seine Arbeit. Hier wollen Tochter und Schwiegersohn der ursprünglichen Grundstücksbesitzer ein Haus bauen. Dafür wird die Baugrube ausgehoben. Bis Freitag soll alles fertig sein. "Plötzlich sagt der Baggerfahrer, er glaubt, dass er eine Bombe gefunden hat", erinnert sich die Tochter.

Zum Artikel über die Bombenentschärfung

Haselmühl bei Kümmersbruck

Nur das Nötigste darf mit

Als die Eltern nach Hause kommen stehen Polizisten in der Straße. Dass es um sie geht, ahnen die Haselmühler nicht. Und dann geht alles ganz schnell. Bombenfund. Evakuierung. Handy, Zahnbürste, Schlafsachen. Unterschlupf finden Vater und Mutter in der Wohnung von Tochter und Schwiegersohn, die gerade noch außerhalb der Evakuierungszone leben.

Dann heißt es abwarten. Viel bekommen die Eigentümer des Grundstücks nicht mit. "Klar denkt man auch, was ist wenn die Bombe hochgeht. Vor allem haben wir an die ganzen Leute gedacht, die evakuiert werden müssen", erzählt die Mutter. Auch wenn alle wissen, dass sie keine Schuld trifft, war die ganze Aktion nicht nur sehr nervenaufreibend, sondern unglaublich unangenehm für die betroffene Familie. "Ich habe an die Menschen im Altenheim gedacht. Nur weil wir bauen wollen, mussten die das durchmachen", bedauert die Tochter. "Deswegen sind wir auch den Einsatzkräften und jedem Einzelnen, der geholfen hat, unglaublich dankbar. Es haben wirklich alle tolle Arbeit geleistet", betont die zukünftige Hausbesitzerin. Der Bombenfund entpuppte sich als Glück im Unglück. Von den Experten vor Ort haben die Bewohner erfahren, dass die Bombe in etwa 30 Jahren wahrscheinlich durch Umwelteinflüsse an die Erdoberfläche gekommen wäre. Wer weiß, wie die Geschichte dann ausgegangen wäre.

Ein Zeitzeuge des Bombenabwurfs erinnert sich

Haselmühl bei Kümmersbruck

Besonnener Einsatz bei Evakuierung

Hubert Blödt, Kreisbrandinspektor und Dritter Bürgermeister von Kümmersbruck, fühlt sich zwei Tage nach dem Einsatz "befreit, wie in dem Moment, als die Bombe entschärft war". Die Folgen bei einer missglückten Entschärfung wären verheerend gewesen. Der sehr erfahrene Sprengmeister sei sich nur zu zwei Dritteln sicher gewesen, die Bombe entschärfen zu können. "Bei einer kontrollierten Sprengung, wäre die Räumung der Wohnungen noch mal von vorne los gegangen: Die Sprengung wäre vertagt worden, später hätte der Evakuierungsradius sogar vergrößert werden müssen.

Blödt hebt den besonnenen Einsatz aller Kräfte hervor und bedankt sich auch im Namen von Bürgermeister Roland Strehl nicht nur bei den Helfern, sondern auch bei der Bevölkerung die "zu 99 Prozent gut mitgemacht hat". Bis nächste Woche steht auf der Baustelle alles still. Dann sollen Spezialisten das Grundstück sondieren, um weitere Bomben auszuschließen.

Bombe in Haselmühl: Entschärfung erfolgreich

Haselmühl bei Kümmersbruck
Wer muss zahlen?:

Eine Frage, die der betroffenen Familie mit als Erstes in den Kopf geschossen war: Wer zahlt den Einsatz, die Evakuierung und den Sprengmeister? Von der Verpflegung der Helfer bis zum Verdienstausfall, den Geschäfte möglicherweise einfordern könnten, kommt bei einem Bombenfund eine hohe Summe an Kosten zusammen.

Normalerweise ist man für das verantwortlich, was auf seinem Grundstück liegt, erklärt Kreisbrandinspektor Hubert Blödt. Doch in einem Fall wie diesem, würde die Kosten der Freistaat Bayern tragen – vermutlich. Blödt kann es nicht mit absoluter Sicherheit sagen, doch die Bomben-Erfahrenen, wie der Sprengmeister und die Polizisten, die vor Ort waren, sind der gleichen Meinung. Indirekte Kosten fallen trotzdem an: die Bauzeit verlängert sich und der Baggerfahrer muss länger als geplant beschäftigt werden. Die Untersuchung des Geländes muss ebenfalls getragen werden. Inwiefern der Freistaat dafür aufkommt, ist unklar.

Fliegerangriffe auf Amberg im Zweiten Weltkrieg

Amberg

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