Zehn bange Stunden in Kümmersbruck

Mit einem ruhigen Feiertags-Vorabend wurde es für 1500 Kümmersbrucker am Mittwoch nichts. Wegen einer Fliegerbombe. Sie löste eine der größten Evakuierungen der jüngsten Geschichte in der Region aus. Gegen Mitternacht kam die Entwarnung.

Besprechung zur Vorbereitung der Evakuierung: Der stellvertretende Leiter der Amberger Polizeiinspektion, Oberkommissar Andreas Weidauer (links), leitete den Einsatz.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Zwei Uhrzeiten markieren das Einsatzgeschehen, das binnen kürzester Zeit 300 Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte auf den Plan rief: 14 Uhr und 23.50 Uhr. Am frühen Mittwochnachmittag wurde die amerikanische 225-Kilo-Fliegerbombe auf einem Baugrundstück in der Ganghoferweg des Kümmersbrucker Ortsteils Haselmühl gefunden. Knapp zehn Stunden später war sie laut dem Polizeipräsidium Oberpfalz entschärft.

Die gefährliche Arbeit des Sprengkommandos Nürnberg dauerte gerade einmal eine halbe Stunde, geht aus der Pressemitteilung hervor. Denn als geräumt gemeldet wurde der von dem Sprengmeister festgelegte Sicherheitsradius von 500 Metern um die Fundstelle, in dem sich keine Menschen mehr aufhalten durften, um 23.20 Uhr. Betroffen waren rund 1500 Personen, darunter auch 87 Bewohner eines Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dessen Räumung die Rettungsdienst-Kräfte vor eine enorme Herausforderung stellte. Schon am nächsten Vormittag zollte dafür stellvertretender AWO-Bezirksvorsitzender Martin Seibert via Messenger-Dienst seine Anerkennung für diese Leistung. "Ich darf mich bei allen Einsatzkräften und den AWO-Mitarbeitern bedanken. Um 2.30 Uhr waren alle Bewohner wieder im Seniorenheim."

Haselmühl bei Kümmersbruck

Sperrgürtel errichtet

Die Fliegerbombe mit laut Polizeisprecherin Sandra Mallmann 112 Kilo Sprengstoff war bei Aushubarbeiten mit einem Bagger gefunden worden. Der Ganghoferweg stößt als Stichstraße Richtung Hauptverkehrsader Vilstalstraße und ist damit sehr zentral gelegen. Schon kurz nach Bekanntwerden des brisanten Funds wurden aus den umliegenden Polizeidienststellen alle verfügbaren, auch zivilen Kräfte zusammengezogen, um in einem ersten Zug das Gebiet nördlich der Vilstalstraße für den Zugangsverkehr abzuriegeln.

Auch zwei SB-Märkte und deren Parkplätze wurden zügig gesperrt und kurz darauf geschlossen. Angesichts der mit Blaulicht und Martinshorn anrückenden Polizei-, Feuerwehr- und Rettungskräfte wuchs derweil bei Passanten spürbar die Verunsicherung, dass wohl etwas Größeres passiert sein muss, nur was? Erst nach und nach machte die Runde, dass eine Fliegerbombe gefunden wurde und eine Evakuierung anlaufen werde. Die Polizeikräfte richteten derweil ihre Einsatzleitung mit dem stellvertretendem Leiter der Amberger Inspektion Oberkommissar Andreas Weidauer an der Spitze vor Ort auf dem Parkplatz eines der Verbrauchermärkte ein.

Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass rund 1500 Menschen, darunter die 87 zum Teil pflegebedürftigen Seniorenheim-Bewohner, den Sicherheitsgürtel verlassen müssen. Als Anlaufstellen waren für gesunde und gehfähige Betroffene das Amberger Jugendzentrum - dorthin kamen laut Polizei rund 230 Menschen - und für pflegebedürftige Personen die Turnhalle in Ebermannsdorf ausgewiesen und eingerichtet worden.

Alle müssen raus

Inzwischen waren auch Lautsprecherwagen der Polizei und Feuerwehr unterwegs, um Anwohner aufzufordern, ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen. Von Haus zu Haus gingen Polizeibeamte, unterstützt von örtlichen Feuerwehrleuten unter dem Kommando von Kreisbrandrat Fredi Weiß und Kreisbrandinspektor Hubert Blödt, der als Kümmersbrucker beste Ortskenntnisse einbringen konnte.

Jeder ohne Ausnahme musste seine Wohnung oder sein Haus verlassen. Auf nennenswerte Probleme, so die Polizei am frühen Abend, seien die Beamten und Einsatzkräfte dabei nicht gestoßen. Auch die vielbefahrene Vilstalstraße wurde über mehrere Stunden bis kurz nach Mitternacht gesperrt. Am nächsten Morgen war in Kümmersbruck wieder Ruhe eingekehrt. Feiertagsruhe sogar. Nichts erinnerte mehr an den aufreibenden Nachmittag und die lange Nacht davor. Womöglich war ausschlafen angesagt.

Viele der 87 Bewohner des AWO-Seniorenzentrums, das geräumt werden musste, waren auf Hilfe angewiesen.

Zwei Tage nach dem Bombenfund erzählen die Anwohner von ihren Erlebnissen

Haselmühl bei Kümmersbruck
Amberg
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