Keine Bombe: Erleichterung in Haselmühl

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Entwarnung in Haselmühl: Der Bombenverdacht hat sich nicht bestätigt. Sprengmeister Thomas Willner erklärt, wo die Schwierigkeiten bei diesem Einsatz lagen, und ob er nach 20 Jahren noch aufgeregt ist.

Der Bombenverdacht in Haselmühl hat sich nicht bestätigt. In der Erde fand der Sprengstoffmeister lediglich Metallteile, Bombensplitter und Steine.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Es waren spannungsreiche Minuten im Ganghoferweg in Haselmühl. Am Samstagvormittag hatte ein Bagger damit begonnen, Erde auf einem Grundstück abzutragen. Es gab den Verdacht, dass unter der kleinen, unscheinbaren Rasenfläche zwischen zwei Gebäuden eine weitere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg liegen könnte. Knapp eineinhalb Stunden nach Beginn der Arbeiten konnte Bürgermeister Roland Strehl Entwarnung geben.

Was bei Sondierungen im Jahr 2019 so verdächtig ausgesehen hatte, war kein Sprengstoff, sondern es handelte sich dabei um Granatsplitter, Metallteile und Steine.

Der Rattenschwanz, den ein Bombenfund nach sich gezogen hätte, blieb damit aus: keine großräumigen Straßensperren, keine Evakuierung von knapp 1800 Menschen, die im Umkreis von 500 Metern um die Grabungsstelle leben, keine Entschärfung. Bereits kurz nach 10 Uhr fuhr die Feuerwehr mit einer Lautsprecher-Ansage zur Entwarnung durch die Straßen.

Sprengmeister gibt Auskunft

Wir hatten die Gelegenheit, mit dem zuständigen Sprengmeister Thomas Willner von einer Nürnberger Spezialfirma zu sprechen. Er erklärt, warum es im Voraus nicht möglich war, den Bombenverdacht auszuschließen.

Willner: Vor zwei Jahren ging die ganze Geschichte los. Da gab es die erste Bombe, die ein Zufallsfund war." Bei Nachsondierungen stellte sich damals heraus, dass in unmittelbarer Nähe zur erste Bombe auch noch eine zweite in der Erde lag. Laut Willner wollte man es dann genau wissen. "Wir haben angefangen, den Grund zu untersuchen, damit da keine Lücken bleiben", sagt der Sprengmeister. Auch beim Nachbargrundstück war es Willner zufolge sinnvoll, genau hinzuschauen. "Da mussten wir aber eine andere Technik einsetzen", sagt er. Grund sei gewesen, dass das Grundstück relativ eng bebaut ist und auch Fundamente und die Gestänge auf dem Wäscheplatz ausgeschlagen hätten, wenn die Firma nach Metall gesucht hätte.

Willner: "Da haben wir Geo- und Bodenradar eingesetzt, weil das die Erdschichten messen kann." Prompt sei die Firma erneut auf einen Verdachtsfall gestoßen. "Wie bei den anderen Funden auch schon, hatten wir eine Anzeige in rund 1,20 Metern Tiefe", erklärt der Sprengstoff-Experte. Um was es sich nun aber genau handelt, konnte man Willner zufolge nur endgültig klären, wenn man gräbt. Was am Samstag zum Vorschein kam, waren Bombensplitter, Metallteile und Steine. Wie Willner mitteilt, lagen die Gegenstände in einem ehemaligen Bombentrichter. Willner: "Das kennen wir vom Material her schon, weil der Boden relativ locker war." Bis auf rund 1,80 Meter hat die Firma in den Boden gegraben. Dann hat Willner das Erdreich noch einmal mit einer Sonde untersucht. "Da gab es dann keine Anzeige mehr, daher ist der Verdacht, dass da ein größeres Kampfmittel drin liegt, ausgeschlossen", sagt er.

Respekt vor der Arbeit

Nun lässt sich der Job Sprengmeister nicht mit einem durchschnittlichen Bürojob vergleichen. Wir wollen von Willner wissen, ob der Beruf für ihn reine Routine ist, oder ob er vor jedem Einsatz ein wenig aufgeregt ist. Der Sprengstoff-Experte gibt folgende Antwort. "Routine wäre das fehl am Platz. Jede Baustelle hat ihre Eigenheiten. Jede Situation hat ihre eigenen Gefahren."

Er sagt, nach 20 Jahren im Job lasse es sich zwar nicht vermeiden, "etwas abgebrüht zu sein". Er fügt an: "Wenn es nur zur Routine wird, dann wird es irgendwann gefährlich. Man sollte mit den Gedanken schon dementsprechend bei der Sache sein."

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Stimmen der Erleichterung bei den Verantwortlichen

  • Bürgermeister Roland Strehl: „Wir sind sehr erleichtert, dass sich der Verdacht nicht bestätigt hat und dort keine Bombe liegt. Sprengmeister Thomas Willner hat uns heute einen sehr großen Stein vom Herzen genommen. Jetzt können wir alle in einen entspannten Samstag gehen.“
  • Kreisbrandinspektor Hubert Blödt: „Ich bin erleichtert, dass das so ausgegangen ist und es keine Bombe gab. Am Bauhof sind aktuell 30 Einsatzkräfte in Aktion. Wir hätten das im Ernstfall sehr schnell hochgefahren auf 160 bis 170 Leute. Es wären sehr umfangreiche Maßnahmen nötig gewesen. Wir wären im AWO-Seniorenheim sehr aktiv geworden mit der Evakuierung von Rollstuhlfahrern und teils bettlägerigen Menschen.“
  • Erster Polizeihauptkommissar Günter Grießhammer: „Wir sind ebenfalls sehr froh, dass es so gelaufen ist, denn die Vorbereitungsmaßnahmen waren sehr umfangreich und sehr aufwendig. Ich bedanke mich bei allen Einsatzkräften, die die Aktion begleitet haben und notfalls die Evakuierung durchgezogen hätten.“
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