22.11.2020 - 15:09 Uhr
Hessenreuth bei PressathOberpfalz

Religiöse Volkskunst: Schöne Geduldsarbeiten

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Kunstvoll verzierte religiöse Gegenstände, Heiligenfiguren im Miniformat: Was einst Klosterschwestern mit viel Geduld fertigten, hat auch heute noch seinen Charme, findet Monika Frisch aus Hessenreuth. Religiöse Volkskunst ist ihr Hobby.

Ein sehr altes Kunsthandwerk, dem sich Monika Frisch verschrieben hat: Klosterarbeiten, eine Volkskunst, die einst von Klosterschwestern ausgeübt wurde.
von Martin GraserProfil

Die Klosterarbeit, eine klassische Volkskunst, ist ein sehr altes Kunsthandwerk. Mit dieser mittelalterlichen Technik, dem richtigen Material und viel Geschick lassen sich viele kleine religiöse Kunstwerke erschaffen. In der heutigen Zeit, in der der kirchliche Glaube immer mehr an Bedeutung verliert, ist es deshalb umso wichtiger, dass diese altertümliche Volkskunst nicht in Vergessenheit gerät, ist eine Hessenreutherin der Überzeugung.

Ein Viertel Jahrhundert ist es her, dass Monika Frisch ihren ersten Klosterarbeitskurs besuchte. Damals wohnte sie noch in Niederbayern. Sie hat zahlreiche Museen und Ausstellungen besucht und ist seit jeher fasziniert von der Technik. Mittlerweile ist sie selbst Künstlerin. „Anfangs waren es nur Übungsstücke und jetzt kann ich darüber nur den Kopf schütteln. Aber man muss halt auch erst einmal damit beginnen“, erinnert sie sich.

Die Kurse werden in verschiedenen Stilen angeboten: modern und vorwiegend nach eigenen Entwürfen oder als Original und nach historischen Vorlagen. Frisch hat sich den historischen Arbeiten beziehungsweise dem Nach- und Erarbeiten von historischen Vorbildern und Techniken, am liebsten aus der Barock-Zeit, verschrieben, denn „die sind aufwändig gestaltet und üppig bestückt.“

Für sie ist es zudem wichtig, herauszufinden, aus welcher Zeit das Objekt stammt, aus welcher Werkstatt beziehungsweise aus welchem Ort es kommt, welcher Heilige abgebildet ist und für was er oder sie steht. „Um die Grundtechniken zu erlernen und das passende Material zu finden, braucht es schon seine Zeit“, sagt Monika Frisch. Zweimal im Jahr trifft sie sich mit einer Gruppe in einem Kloster in Niederbayern. Die Kursleiterin stellt dabei ausgewählte museale Stücke vor und bereitet deren Ausarbeitung vor.

Ein ungewöhnliches Hobby hat auch diese Trabitzerin

„Mit den Arbeiten aus dieser Gruppe gab es vor einigen Jahren im Stadtmuseum in Deggendorf eine große Ausstellung.“ Doch nicht nur dort: Auch in der Region, so im Heimatmuseum in Kemnath oder im Vulkanmuseum in Parkstein, konnten die Prachtstücke mittlerweile bewundert werden. Hat man hinreichend Erfahrung gesammelt, dann kann man sich schon selbst über eine alte Vorlage wagen. „Und dann muss man einfach ausprobieren und so manches klappt erst nach einigen Versuchen, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist.“ Das historische Vorbild soll so gut wie möglich erreicht werden.

Es ist schon beeindruckend, mit welch unscheinbaren Materialien wie Draht auf der Spule, Perlen oder Bouillionsträngen man kleine Kunstwerke an Blüten und Ranken fertigen kann. Unscheinbar sind die verwendeten Materialien aber nur auf den ersten, kurzen Blick: Die Drähte sind vergoldet oder versilbert, die Steine haben einen hochwertigen Schliff. Was verwendet wird, hat einen historischen Hintergrund und wurde auch für die Vorbilder gebraucht. Monika Frisch legt viel Wert darauf und verwendet handgefertigte Spitzen sowie hochwertige Stoffe.

„Klosterarbeit ist schon eine Geduldsarbeit. Um sauber und ordentlich zu arbeiten, damit man mit dem Ergebnis letztendlich zufrieden ist, muss man ruhig werden. Insofern ist es vielleicht schon meditativ, auf jeden Fall ist es eine schöne Beschäftigung mit Suchtgefahr.“

Um sauber und ordentlich zu arbeiten, damit man mit dem Ergebnis letztendlich zufrieden ist, muss man ruhig werden. Insofern ist es vielleicht schon meditativ, auf jeden Fall ist es eine schöne Beschäftigung mit Suchtgefahr.

Monika Frisch

„Besonders begeistert bin ich von den Jesuskind-Darstellungen. Davon habe ich auch schon einige historische Vorbilder nachgearbeitet. So unter anderem das Vohenstraußer Kindl, das Jesulein aus der Basilika in Waldsassen sowie einige Kindl aus dem Museum ,Il Divino Infante‘ in Gardone am Gardasee.“ Auch die Teilnahme am Neustädter Hobby- und Künstlermarkt und bei der Aktion „Landfrauen helfen schenken“ im City-Center in Weiden stehen für gewöhnlich in ihrem Terminkalender.

Weihnachten ist ihr ganz besonderes Faible. Angefangen vom Nacharbeiten alten Christbaumschmucks bis hin zu selbstgebundenen Christbäumchen. Nicht unerwähnt sei der „Gablonzer Christbaumschmuck“ in Miniaturgröße oder mit Watteschmuck, ein gefragtes Objekt bei Sammlern. „Neu entdeckt habe ich die Federbäumchen, die aus Gänsefedern gebunden werden. Die alten Bäumchen sind recht selten und teilweise sehr teuer. Jetzt habe ich mir diese Technik auch erarbeitet, und es freut mich, sie selbst zu binden.“

Gibt es ein neues Objekt, dann existiert davon entweder eine Vorlage in einem Museum, ein Foto oder man recherchiert im Internet. Zuerst geht es an die Materialsammlung: Passende Stoffe, Steine, vielleicht noch einen Wachskopf oder ein Bild. „Mitunter ist die Beschaffung des Materials teils recht schwierig. Manchmal stellt das Internet eine wertvolle Hilfe dar oder mit etwas Glück bekommt man auch Reste oder Überbleibsel von Damen, die mit dem Hobby aufgehört haben.“

Als nächster Schritt wird die ungefähre Größe der Figur oder des Bildes festgelegt. Bei einer Figur ist es wichtig, auf die Proportionen zu achten. Soll eine Figur ein Kleinkind oder einen Erwachsenen darstellen, dann sind die Größenverhältnisse natürlich ganz anders. Und dann geht es ans Ausprobieren - bis Monika Frisch mit ihrem Kunstwerk zufrieden ist.

Perfekt bis ins Detail: die Heilige Familie nebst den Heiligen drei Königen.
Ein echter Hingucker: Man kann nur erahnen, wie viel Arbeit darin steckt.
Heiligen- und Madonnenfiguren gehören ebenfalls zur religiösen Volkskunst.

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