Eigentlich sollte es gar keinen Kirwabaum geben. So war es zumindest angekündigt, aus nachvollziehbaren Gründen. Der Schlosshof vor der Alten Mälzerei, Zentrum des Kirwageschehens und zuletzt Standort des Brauchtumswahrzeichens, ist derzeit Baustelle. Der Festspielverein baut eine neue Tribüne.
Eine Kirwa ohne Baum? Michaela Meier, ihrem Mann Markus und vor allem dessen Opa Karl Fleischmann ging das gegen den Strich. Ein paar Glaserln Wein halfen am Donnerstag, zwei Tage vor dem Fest, bei dem Entschluss des Trios mit, einen Baum zu organisieren und mit diesem am Samstag als Überraschung auf dem Festplatz aufzumarschieren. Es war ja alles da: ein Ständer und ein drei Meter hoher Stamm von der eigenen Garten-Kirwa. Dem musste nur noch ein Gipfel verpasst werden.
Den wiederum gab es im Garten von Markus Meiers Eltern Herbert und Christa. Letztere erklärte sich bereit, einen Kranz zu binden und den Baum zu schmücken. Alles als geheime Kommandosache. Am Freitag wurden doch weitere Personen eingeweiht. Michaela Meier: "Ich habe gesagt, wenn wir einen Baum haben, muss man den austanzen. Mit Unterstützung von Regina Merkl haben wir auf die Schnelle Kirwapaare gesucht, leider nur drei gefunden. Wegen der Musik habe ich den Höidlbrummer-Chef Dieter Kohl angerufen. Der hat gleich zugesagt."
Kirwa-Cheforganisator Christian Gnan, Bürgermeister Hermann Falk und die anderen Gäste, die am frühen Samstagabend zum Auftakt gekommen waren, machten große Augen. Da marschierte tatsächlich die Kirwabaum-Truppe mit ihrem Prachtexemplar auf einem Bollerwagen im Schlosshof auf - voran die Höidlbrummer Dieter Kohl und Michael Schanderl. Wie es sich gehört, spielte das Duo zum Baumaustanzen aus, zuerst die Sternpolka, dann einen Walzer.
Tanzpaare organisiert
Bei diesem gesellten sich zu den drei vorab organisierten Kirwapaaren Christian Gnan und Melissa Bosser. Die Überraschung war mehr als geglückt, die Stimmung optimal angekurbelt. Dass diese im beheizten Zelt bis nach Mitternacht anhielt, bewerkstelligten die zwischenzeitlich durch Saskia Krügelstein verstärkten Höidlbrummer. Das Service-Team des Festspielvereins sorgte umsichtig dafür, dass keiner der Gäste Hunger oder gar Durst leiden musste. Nach drei von Pyrotechniker Roland Fritsch abgegebenen Böllerschüssen machte sich am Sonntag ein stattlicher Festzug zu den Klängen des Musikzugs auf den Weg in die Stadtpfarrkirche. Den Festgottesdienst zelebrierte der Ehenfelder Ruhestandspfarrer Konrad Kummer, die Predigt hielt Diakon Richard Sellmeyer. Er dankte allen, die zur Gestaltung der Messfeier und des weltlichen Teils dieses Brauchtumsfests beigetragen haben.
Dann wird es zünftig
Mit einem Weißwurst-Frühschoppen ging es weiter und mit dem Wetter hellte auch die Stimmung der Festgäste auf. Die Quecksilbersäule stieg deutlich über die 20-Grad-Marke. Prompt herrschte auf dem Festplatz reger Betrieb. Kaffee, Kuchen, Köichln und später Grillgerichte fanden reißenden Absatz. Die vier Hirschauer Wirtshausmusikanten Franz Dolles, Uwe Herrmann, Alexander Götz und Hans Drexler avancierten mit ihrer gelungenen Mischung aus bodenständigen Instrumentalstücken sowie humorvollen und nachdenklichen Liedern zu absoluten Publikumslieblingen.















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