10.04.2021 - 00:39 Uhr
HirschauOberpfalz

Deutschland schwärmt vom Hirschauer Märchenkindergarten

Als der St.-Wolfgang-Kindergarten 1953 eingeweiht wurde, schwärmte nicht nur Hirschau von ihm. Selbst überregionale Zeitungen berichteten über die Eröffnung des „Märchenkindergartens“, ja sogar in der „Wochenschau” wurde er präsentiert.

Als der von AKW-Direktor Wolfgang Droßbach (am Rednerpult) gestiftete St.-Wolfgang-Kindergarten am 28. Juni 1953 eingeweiht wurde, berichtete selbst die Wochenschau über dieses Ereignis. Im Bild links: Schwester Celsina Schaller, die erste Leiterin. Im Bild rechts: AZ-Reporter Anderl Müller.
von Werner SchulzProfil

Dass Hirschau über diese bis heute wertvolle Erziehungseinrichtung verfügt, ist einem Mann zu verdanken: Wolfgang Droßbach! Der damalige Direktor der Amberger Kaolinwerke und Ehrenbürger der Stadt – an den eine Gedenktafel im Kindergarteneingang erinnert – war der Initiator des beispielgebenden Projektes, mit dessen Bau 1952 begonnen worden war. Am 14. Januar 1953 schloss Wolfgang Droßbach für die AKW mit der „Forster-Dorfner-, Dr. Flügelschen Spital-, Krankenhaus- und Kinderasylstiftung” eine Vereinbarung, nach welcher der neue Kindergarten in deren Besitz übergehen sollte. Gleichzeitig wurde die Kindergartenleitung dem Orden der "Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau" übertragen – eine Regelung, die bis zum 31. August 2007 galt, als die Schulschwestern aus Personalgründen ihre Filiale in Hirschau schließen mussten. Auf die Gründungsleiterin Sr. Celsina Schaller folgten 1959 Sr. Venerabilis Becher, 1980 Sr. Regine Fechter, 1984 Sr. Elisabeth Peter, 1995 Sr. Luzilla Klein, 2001 Sr. Gabriele Liegl und 2006 Sr. Lydia Bauer. 2007 übernahm mit Uta-Maria Kriegler erstmals eine weltliche Kraft die Leitung.

Per Auto zum Kindergarten

Die Einweihung des Kindergartens am 28. Juni 1953 geriet, wie die Schwesternchronik belegt, zu einem wahren Volksfest: „Eine große Menschenmenge hatte sich um den Kindergarten versammelt, viele standen sogar auf den Holzstößen des naheliegenden Sägewerkes!” Kinder der Mädchen- und Knabenschule wirkten mit Gedichten und Liedern an der Gestaltung der Feierlichkeiten ebenso mit wie die Schnaittenbacher Bergkapelle, die die Kleinen musikalisch zum Kindergarten geleitete. Die Schwestern waren per Auto zum Kindergarten chauffiert worden. Nachdem Stadtpfarrer Geistl. Rat Friedrich Zeitler dem Bauwerk den kirchlichen Segen erteilt hatte und die Kinder mit Süßigkeiten beschenkt waren, wurde der Kindergarten zur allgemeinen Besichtigung freigegeben.

Die Chronik berichtet: “Da war alles eines Staunens über dessen Herrlichkeit; besonders bewundert wurde der “Hirschauer Bockl”. Er sollte über Jahrzehnte das Lieblingsspielzeug der Wolfgangs-Kindergärtler bleiben! Weiter ist in der Chronik nachzulesen: „Seitdem ist wohl kaum ein Tag vergangen, an dem sich nicht Besucher im modernsten Kindergarten Deutschlands einfanden. Von Schweden wurde Besuch angemeldet, von Frankreich kamen zwei Autos!”

Der unerwartete Tod von Wolfgang Droßbach am 30. August 1961 bedeutete für die gesamte Stadtgemeinde einen herben Verlust. Der Kindergarten hatte fortan in seiner Tochter Elisabeth Osterchrist eine großherzige Förderin, bis sie am 16. Juni 1992 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. Seither sehen sich die Droßbach-Enkel aus der Familie Heckmann dem Erbe ihres Großvaters verpflichtet und unterstützen den Kindergarten in großzügiger Weise.

Der „Hirschauer Bockl” ist seit der Einweihung bis heute die Spiel-Attraktion im St. Wolfgang- Kindergarten.
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