06.10.2020 - 10:23 Uhr
HirschauOberpfalz

Festakt der Hirschauer CSU zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung

Einen der glücklichsten Tage in der deutschen Geschichte nennt der damalige CSU-Ortsvorsitzende Werner Schulz 1990 den 3. Oktober beim Festakt der CSU im Josefshausgarten, bei dem eine Linde gepflanzt wird. Nun trifft man sich dort wieder.

Die vor 30 Jahren von der CSU im Josefshausgarten gepflanzte Wiedervereinigungs-Linde ist mächtig gewachsen. Davon überzeugen sich die CSUler bei einem Gedenkakt (von links): Alt-Bürgermeister Helmut Rösch, Martin Meier, Hans-Jürgen Schönberger, Dritter Bürgermeister Hermann Gebhard, Ehren-Vorsitzender Werner Schulz, Michaela Meier, Alfred Härtl, Martin Merkl, Zweite Bürgermeisterin Bärbel Birner, Bürgermeister Hermann Falk, Maximilian Stein, Gunter Leipert und Fraktions-Vorsitzender Christian Gnan.
von Werner SchulzProfil

Am 30. Jahrestag der Wiedervereinigung trafen sich die Hirschauer CSUler wieder zu einem Festakt unter dieser inzwischen mächtigen Linde. Mit Altbürgermeister Helmut Rösch, Martin Meier und Werner Schulz waren drei Ex-CSU-Mandatsträger mit von der Partie, die 1990 beim Pflanzen des damals drei Meter hohen Baumes dabei waren. Laut Schulz habe der bereits verstorbene Altbürgermeister Willi Bösl viele Jahre das Gießen der Linde übernommen und offenbar beste Arbeit geleistet.

Martin Meier erinnerte daran, dass man die Pflanzung bereits am 2. Oktober vorgenommen habe. Am Einheitstag selber seien 56 Hirschauer auf Einladung der CSU Sachsen ins sächsische Vogtland gefahren. Werner Schulz habe vormittags in Ellefeld im Ernst-Thälmanhaus die Festrede gehalten, bevor man einen evangelischen Gottesdienst besucht und am Nachmittag auf dem Marktplatz in Lengenfeld mit der Bevölkerung geradezu überschwänglich die Wiedervereinigung gefeiert habe. „Wir hatten kiloweise Bauernbrot und Geräuchertes dabei. Das war alles im Nu vergriffen“, blickte Meier zurück.

Werner Schulz betonte, dass sich für ihn nichts an seiner Einschätzung geändert habe, dass der 3. Oktober 1990 „einer der glücklichsten Tage in der deutschen Geschichte“ sei. Die CSU habe immer am Ziel der Wiedervereinigung festgehalten, während etwa Willy Brandt sie noch 1984 als „Lebenslüge der Zweiten Deutschen Republik“ bezeichnet habe. Der Sturz des SED-Regimes und das Erreichen von Demokratie und Freiheit seien und blieben das Verdienst der Bevölkerung der einstigen DDR. Die Landsleute drüben seien mutig gewesen, hätten große persönliche Risiken eingegangen. Schulz rief die 200 000 politischen Gefangenen des SED-Staatsapparats oder die 900 Frauen und Männer, die ihre Fluchtversuche mit dem Leben bezahlten, in Erinnerung, aber auch die unmenschlichen Vorgänge in den staatlichen Kinderheimen und Jugendwerkhöfen, in denen Jugendliche, die als schwer erziehbar oder verhaltensauffällig galten, gequält und vergewaltigt wurden. Ihm werde zu sehr der Mantel des Schweigens über all das gedeckt, was die SED den Menschen angetan habe. In diesem Zusammenhang wies Schulz darauf hin, dass die Linke sich selbst als Rechtsnachfolgerin der SED bezeichne. Tief betroffen von den Schilderungen schlugen Fraktionsvorsitzender Christian Gnan und Bürgermeister Hermann Falk für 2021 die Besichtigung der Gedenkstätte in Torgau vor, was man mit einem Besuch im nahen Schildau und dem dortigen Schuldbürgermuseum verbinden könnte.

Seit der Wiedervereinigung, so Schulz, habe der Osten einen beispiellosen Aufschwung erlebt: "Kohls blühende Landschaften sind nicht überall, aber zu weiten Teilen Realität." In Zusammenhang mit der oft anzutreffenden Unzufriedenheit der ostdeutschen Landsleute verwies Schulz auf einen Satz von Rainer Eppelmann, dem letzten DDR-Verteidigungsminister. Der hatte 1990 nach einer Veranstaltung in Sulzbach-Rosenberg zu ihm gesagt: „Denken Sie an mich. Unsere Leute werden nicht nach hinten schauen und ihre Situation mit den Zuständen zu DDR-Zeiten vergleichen. Ihr Vergleichsmaßstab wird immer der Westen sein.“

Schulz schloss seine Ausführungen mit der Hoffnung, dass das vereinte Deutschland eine wehrhafte Demokratie bleibe, auf dessen Boden nie wieder der Faschismus oder Kommunismus regiere und von dem nie wieder Krieg ausgehe. Mit der von allen angestimmten und vom Trompetenduo Maximilian Stein und Gunter Leipert begleiteten Nationalhymne endete der Festakt.

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